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"Harden Barracks": Bauarbeiten sollen weitergehen / Bürgermeister hat grünes Licht für Gespräche

Ardagh: Die Stadt zieht ihre Konsequenzen

Obernkirchen. Auch in der Politik hat die Ankündigung von Ardagh Glass, Ende 2009 die Wanne C und mit ihr fast die Hälfte der Produktionskapazität des Werks stillzulegen und damit über 100 Mitarbeiter zu entlassen, für Enttäuschung, Empörung und Verärgerung gesorgt. Aber die Stadt werde ihre Konsequenzen ziehen, teilte Bürgermeister Oliver Schäfer gestern mit - und über das Baugebiet "Harden Barracks" neu nachdenken und, wenn möglich, die im Herbst eingestellten Bauarbeiten wieder aufnehmen lassen. Schäfer hat sich am Sonnabend am Rande der Haushaltsberatungen dafür von den Gruppen- und Fraktionsvorsitzenden des Stadtratesgrünes Licht geben lassen. Heute stehen Gespräche mit dem Baudezernenten bevor, danach will er ein Gespräch mit dem Investor führen.

veröffentlicht am 21.01.2008 um 00:00 Uhr

Zurzeit ruhen die Bauarbeiten auf dem Gelände der Harden Barrack

Autor:

Frank Westermann

Verärgert ist Schäfer auch über die mangelhafte Kommunikation: "Wir wurden in keinster Weise informiert." Bei der letzten Neustrukturierung des Werks, als die Verwaltungsmitarbeiter nach Nienburg ausgelagert werden sollten, sei man wenigstens noch kurz zuvor informiert worden. "Das finde ich diesesMal schon etwas enttäuschend", sagt Schäfer. Selbst die "relative Nähe" zu Nienburg nütze da anscheinend nichts. Von der durchaus vertrauensvollen Zusammenarbeit, die einst das Verhältnis vonArdagh-Vorläufer Heye und der Stadt bestimmt haben, "müssen wir uns wohl verabschieden". Die Verbundenheit der Firma zur Stadt "ist verlorenen gegangen", sagt Schäfer und zieht eine Parallele zu Bochum: "Das ist unser Nokia-Erlebnis." Daher werde sich die Stadt gegenüber Ardagh neu aufstellen. Schließlich gehe der Stadt über die Einkommensteuer der entlassenen Mitarbeiter auch Geld verloren: Finanzielle Mittel, die durch eine "Umstrukturierung" an anderen Stellen "kompensiert" werden müssten, erklärt Schäfer: "Wir müssen uns neue Gedanken machen." Als Stadt Obernkirchen müsse man künftig genau schauen, "wie wir uns in dieser Zeit aufstellen, um von den Steuerzahlungen der großen Firmen wegzukommen". Daher will die Stadt die Gespräche mit dem "Harden Barracks"-Investor wieder aufnehmen. Schließlich, so Schäfer, hätten sich die Grundlagen dramatisch geändert. Habe man im letzten Jahr die Schaffung eines neuen Wohngebietes den Interessen einer Firma untergeordnet, die in Obernkirchen investieren wollte und dies dann auf dramatische Weise nicht tue, so könne "diese Aussage jetzt nicht mehr aufrecht erhalten werden". Ardagh Glass hatte sich im Herbst gegen die Bebauung ausgesprochen, weil die Firma befürchtete, in Prozesse wegen möglicher Lärmbelästigung verwickelt zu werden. Informiert wurde am Freitag nach Bekanntwerden der Meldung auch der SPD-Landtagsabgeordnete Heiner Bartling, der sich dann mit dem Betriebsratsvorsitzenden Stephan Seiffert in Verbindung setzte. Bartling sagte seine Unterstützung zu, aber großen Hoffnungen, dass die Politik etwas bewegen oder den Entschluss gar ändern könnte, gibt er sich nicht hin: "Das ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, die wohl kaum rückgängig zu machen ist." Hier, so Bartling, stoße auch die Politik an ihre Grenzen. Schäfer ist ganz nebenbei noch etwas anderes aufgefallen: "Letztes Jahr gab es am 18. Januar Kyrill, dieses Jahr die Ankündigung, über 100 Leute zu entlassen." An den Folgen der Ardagh-Entscheidung wird die Stadt wohl länger leiden als an den damaligen Sturmschäden. Allerdings haben die Aufräumarbeiten unerwartet schnell begonnen.



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