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Mittelalterliche Anlage wird kartografisch gesichert, bevor Baumarkt kommt / Keramik gefunden

Archäologenteam gräbt die Landwehr aus

Waltringhausen (fox). Archäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege sind derzeit damit beschäftigt, in Kooperation mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Schaumburg an der Bückethaler Landwehr spätmittelalterliche Anlagen zu sichern. In einer so genannten Rettungsgrabung werden noch bis zum 18. Mai unterhalb der Erdoberfläche verlaufende Strukturen freigelegt und dokumentiert. Die Archäologen müssen sich beeilen, denn die Dortmunder Kette Hellweg steht bereits in den Startlöchern. Diese will an der Stelle in Kürze mit den Arbeiten für einen Baumarkt beginnen.

veröffentlicht am 12.05.2007 um 00:00 Uhr

Veronica König mit Tonscherben und Henkel aus dem 13. Jahrhunder

Es riecht nach frischer Erde auf dem Eckgrundstück zwischen B 65 und B 442 in Waltringhausen. Eine Planierraupe trägt Schicht für Schicht des Erdreiches ab, bis von Grabungsleiterin Veronica König das "Halt!" kommt. Dann geht es nur noch per Hand weiter. Ein Knochenjob, der an den Nerven zerrt - vor allem bei Regenwetter. Von einem rund 100 Meter langen so genannten Suchgraben aus arbeitet sich König gemeinsam mit ihrer Kollegin Ute Bartelt mit Kratzer und Kelle vertikal durch die vom Regen aufweichenden Erdschichten, bis sie auf Verfärbungen stoßen, dann geht es horizontal weiter (siehe großes Bild). Mit dieser Taktik legen die Archäologinnen Stück für Stück den Verlauf der ehemaligen Schaumburger Landwehr-Anlage auf, die an dieser Stelle nicht mehr "obertägig" liegt. "Dies hängt mit der Beackerung der Fläche zusammen", sagt Bartelt. Dabei hätten die Archäologen einen Vorteil: "Nichts ist so unverwüstlich, wie ein Loch." Gräben und andere künstlich angelegte Vertiefungen ließen sich meist über tausende Jahre mit dieser Abtragungsmethode und Suchgraben anhand der Bodenstruktur nachweisen und zurückverfolgen. Die Archäologinnen waren von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Zuge des Bauvorhabens der Hellweg-Baumarktkette verständigt worden. Dies sei ein Routinevorgang, wie Franziska Henschel von der Behörde erklärt. "Wir hatten zudem Vorkenntnisse, dass in Waltringhausen etwas verborgen liegt", sagt Bartelt. Bis zum 18. Mai müsse die Rettungsgrabung abgeschlossen sein. Sonst gebe es Verzug im Hellweg-Bauvorhaben. "Wir halten engen Kontakt nach Dortmund", erläutert Bartelt. Dass der "Archäologe der natürliche Feind des Bauherren" ist, treffe hier nicht zu. Erste Absprachen hätte es im September gegeben. Mit Arbeitern und einem Bagger unterstütze Hellweg die Wissenschaftler. Bei der freigelegten Anlage in Waltringhausen handele es sich um ein Stück eines parallel verlaufenden Wall-Grabensystems, sagt Bartelt. Anhand der "Kurhannoverschen Landesaufnahme", einem Kartenwerk aus dem 18. Jahrhundert, verfolgt das Archäologenteam den Verlauf der Landwehr. Jedes Fundstück werde gewogen, die gesamten Arbeiten unter anderem fotografisch dokumentiert und per Satellitennavigation exakt vermessen. Die Sicherung der Landwehranlagen ist aus Sicht der Archäologinnen eine "ziemlich fruchtlose Angelegenheit". Jedoch markierten die Wall-Graben-Anlagen ein deutliches Stück Landesgeschichte. Knochen würden nicht zutage gefördert, auch keine Fundamente von Siedlungen. Und doch hatten die beiden Frauen aus dem Landesamt Glück. Im Grabungsteil in Richtung B 65 wurden Tonscherben eines Kruges sowie ein lasierter Henkel einer Kanne gefunden. Diese stammten mit Sicherheit aus dem 13. Jahrhundert und seien durch Erosion in eine Mulde hineingetragen worden. Hinweise auf Siedlungen gebe es nicht. Und noch etwas hatten König und Bartelt nicht erwartet. "Die Gräben, die wir hier verfolgen, hören unvermittelt auf", erklärte Bartelt. Nun wollen die Wissenschaftlerinnen klären, ob sich in dem Bereich möglicherweise ein Grenzdurchlass befunden haben könnte. Hinweise auf ein Zollhaus seien auf einer Karte verzeichnet.

Ute Bartelt vor "ihrem" Werk: Deutlich zu erkennen sind im Hinte
  • Ute Bartelt vor "ihrem" Werk: Deutlich zu erkennen sind im Hintergrund die Gräbenverläufe, die unvermittelt enden. Dort könnte ein Durchlass mit einem Schlagbaum gestanden haben. Fotos: fox


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