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Grabungen auf 140 Bestattungen umfassendem Gräberfeld / Untersuchungen in Cammer-Päpinghausen

Archäologen erforschen Weg ins vorgermanische Jenseits

Cammer/Päpinghausen (bus). Dass im Abschnitt Cammer/Päpinghausen der Bückeburger Aue bereits in grauer Vorzeit Menschen siedelten, ist seit vielen Jahren bekannt. Erste Funde traten vor mehr als neun Jahrzehnten beim Bau des Mittellandkanals zutage. 1998 rückte ein im heutigen Päpinghauser Industriegebiet liegendes Gräberfeld ins Blickfeld der Archäologen. Spezialisten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) vermuten, dass hier insgesamt an die 140 Tote bestattet wurden.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 15:57 Uhr

Hannelore Kröger (links) stellt die Ergebnisse der aktuellen Gra

Die zum Abschluss der diesjährigen Kampagne von Ausgrabungsleiterin Hannelore Kröger vorgetragene Schätzung basiert auf festem Fundament. "In diesem Jahr haben wir sechs weitere Gräber untersucht", erläuterte die Archäologin. Damit seien jetzt 82 Bestattungen des weit mehr als 2000 Jahre alten Gräberfeldes bekannt. Auf dem Feld setzten Menschen ihre Verstorbenen vom 8. Jahrhundert vor Christus bis etwa 300 vorchristlicher Zeitrechnung bei. Relativ neu ist das (durch Fortschritte in der Wissenschaft beflügelte) Interesse der LWL-Experten für die seinerzeit hier siedelnden Menschen. "Wir vollziehen sozusagen eine Abkehr von der reinen Keramik", verdeutlichte Kröger. "Zwar stehen wir noch am Beginn der Auswertungen, doch erlauben uns erste Ergebnisse bereits jetzt einen Einblick in die Lebens- und Glaubenswelt der Frauen und Männer, die hier lebten uns starben." Den damaligen Sitten entsprechend sind alle Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und in Urnen aus gebranntem Ton oder in Lederbeuteln bestattet worden. Den meisten von ihnen waren kleine Becher oder Töpfe beigegeben, deren Inhalt den Verstorbenen vermutlich als Nahrung für den Weg ins vorgermanische Jenseits oder für das Leben nach dem Tod dienen sollten. Um den Vorfahren dichter auf die Spur zu kommen, veranlassten die LWL-Archäologen in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen anthropologische Analysen der Funde. Die Wissenschaftler brachten erstaunliche und aussagekräftige Ergebnisse ans Tageslicht. So stammt der Leichenbrand aus Grab 82 von einem etwa 50-jährigen, 1,75 Meter großen Mann. Er hatte eine Zyste im Oberkiefer, litt an starker Paradentose und an Arthrose. Aus den anderthalb Kilo Brand des Grabes 46 lasen die Gelehrten heraus: Wahrscheinlich eineFrau im Alter von etwa 40 Jahren, Knorpelknötchen an einem Wirbel lassen auf Rückenbeschwerden schließen. Ein großer Teil der Gräber liegt recht regelmäßig angeordnet und in einheitlichem Abstand zueinander in zwei parallelen Reihen. Was womöglich auf einen Weg, eventuell sogar einen Fernhandelsweg hinweist. Kröger machte unterdessen darauf aufmerksam, dass das Areal für so genannte Sondengänger, die mit ausgeklügelter Technik historischen Bodenschätzen hinterherjagen, wenig hergibt - mit dem Ende der Bronzezeit kamen Grabbeigaben aus Metall völlig aus der Mode. Ihre Neugier gilt eher einem komplett erhaltenen Tonkrüglein, in dem sich Überreste der Nahrungsbeigaben für die Jenseits-Reise finden könnten. "Die Untersuchungen werden richtig spannend," freut sich Archäologin auf weitere Untersuchungen.

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