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Kupferdieb aus Luhden für Projekt im Bauhof beschäftigt / Gemeinde bleibt auf Kosten für Ersatz sitzen

"Arbeit statt Strafe": Und das ist der Dank ...

Luhden (tw). Die Sache mit den "Kupferdieben" aus Luhden hat für die Samtgemeinde einen üblen Nachgeschmack - und das, abgesehen vom Diebstahl selbst, gleich in zweierlei Hinsicht. Denn: Einer der beiden 29-jährigen Deutschrussen war im Rahmen des Projekts "Arbeit statt Strafe" im Bauhof beschäftigt. Und: Luhden wird auf den Kosten von rund 3000 Euro fürneue Kupferfallrohre für die Sporthalle sitzen bleiben.

veröffentlicht am 20.10.2006 um 00:00 Uhr

Besagte Mitteilungen machte Gemeindedirektor Heinz Wischnat während der jüngsten Sitzung des Ortsparlaments unter Vorsitz von Hartmut Büscher (SPD). Wie berichtet, waren den Tätern 15 Meter Rohr in den Längen von 2,50 und vier Metern in die Hände gefallen. Ein Zeuge hatte zwar in der Nacht Klempnergeräusche gehört, allerdings an einen werkelnden Nachbarn gedacht. Nach einem weiteren Hinweis richtete sich der Tatverdacht schließlich gegen die zwei arbeitslosen Deutschrussen aus Luhden, die vorläufig festgenommen wurden. Tags darauf hatte Ratsmitglied Thomas Hahne in seiner Eigenschaft als Samtgemeindemitarbeiterüber Handy im Rathaus angerufen und hörbar aufgeregt berichtet: "Wir sind hier gerade am Rasenmähen. Unsere Sporthalle hat keine Fallrohre mehr!" Wischnat gegenüber dem Rat: "Wir haben dem 29-Jährigen im Rahmen des Projekts der Gerichtshilfe die Chance gegeben, tagsüber bei uns zu arbeiten und nachts darüber nachzudenken, wie er wieder ein ordentliches Leben führen kann. Leider hat er diese Variante des Strafvollzugs missbraucht ..." Auch in Heeßen,wo er gleichfalls für den Diebstahl des Kupfers an der Grundschule verantwortlich sei. Frühere Taten, aufgrund derer er verurteilt wurde, habe der Mann dagegen im Sauerland begangen. Wie auch immer. Jetzt muss sich die Gemeinde um Ersatz für die "versilberten" Rohre kümmern - und wird dabei trotz des derzeit hohen Preises wieder auf Kupfer setzen. "Zink", erinnert der Gemeindedirektor, "wird durch die Dämpfe von Ölheizungen zersetzt". Sie würden bei Regenfällen gleichsam in die Dachrinnen "gespült". Aufgrund der offensichtlichen "Brutalität", mit der die Täter bei der Demontage der Rohre an der Sporthalle zu Werke gegangen seien, sei eine Neuinstallation des Kupfers durch Mitarbeiter des Bauhofs nicht möglich. Übrigens: Die Samtgemeinde hat an dem Projekt "Arbeit statt Strafe" laut Wischnat in der Vergangenheit bereits häufig teilgenommen. Obwohl das "Rathaus" dabei jedesmal ein hohes Risiko eingehe, habe es in aller Regel keinen Grund zur Klage gegeben respektive seien keine Diebstähle begangen worden. Im Rahmen des Projekts werden erwachsene Straffällige, die nicht in der Lage sind, die auferlegten Geldstrafen zu bezahlen, in gemeinnützige Arbeit vermittelt. Dadurch soll die Vollstreckung der "Ersatzfreiheitsstrafe" abgewendet werden, um der Allgemeinheit Haftkosten zu ersparen und überfüllte Gefängnisse zu vermeiden.

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