weather-image
19°
Gefährdetenhilfe feiert 20-jähriges Bestehen / Leiter erläuft 3700 Euro für neues Projekt in Blomberg

"Arbeit gilt denen, die durchs soziale Netz fallen"

Bad Eilsen (sig). Seit zwei Jahrzehnten besteht die Gefährdetenhilfe Bad Eilsen, deren Gebäude sich in Heeßen befinden. Diese weithin anerkannte Gemeinschaft leistet eine hervorragende Arbeit bei der Resozialisierung junger Menschen, die gestrauchelt sind. Sie bringt sich auch im Eilser Raum erfolgreich ein, unter anderem bei den Ferienaktionen. Ihre innere Einstellung wird deutlich durch das Motto, das sie sich zum Jubiläum gegeben hat: "Gemeinsam statt einsam."

veröffentlicht am 30.09.2008 um 00:00 Uhr

0000500931.jpg

Am Sonnabend gab es aus diesem Grund einen Aktionstag, zu dem in den Konzertgarten und in den Kursaal eingeladen wurde. Bei herrlichem Herbstwetter füllten sich nach und nach die Sitzreihen. Zu den ersten Gästen zählten junge Familien, denn für die Kinder gab es ein umfangreiches Angebot. Die besonders Mutigen lockte ein Astro-Trainer, bei dem der sitzende und gut festgezurrte Akteur in alle möglichen Richtungen gedreht wird. Wer da nicht schwindelfrei ist, bekommt Probleme. Keine Mutprobe, sondern einfach nur Spaß bereiteten ein großes Trampolin und eine Hüpfburg, in der man sich verlaufen konnte. Am Kickertisch fanden sich auch junge Mütter, die den - allerdings meistens erfolglosen - Versuch starteten, ihren Zöglingen Paroli zu bieten. Für besonders gute Leistungen gab es übrigens Preise, die außerdem bei einem Glücksrad zu gewinnen waren. Wer sich zusätzlich verschönen wollte, bekam dazu die Chance an einem Schminkstand. Besonders lohnend war für den Veranstalter ein Sponsorenlauf, der von der Musikmuschel rund 400 Meter durch den Kurpark führte. Das meiste Geld brachte dabei der Leiter der Eilser Gefährdetenhilfe ein, Viktor Brakowski. Er muss in den letzten Tagen viel Konditionstraining gemacht haben, denn seine über 40 Runden bedeuteten eine Einnahme von über 3700 Euro. Der Gesamterlös, zu dem rund 40 Erwachsene, Jugendliche und auch Kinder beitrugen, ist für eine Baumaßnahme der neuen Wohngruppe der Gefährdetenhilfe in Blomberg bestimmt, über die man sich an einem Dokumentationsstand ausführliche Informatinen einholen konnte. Um 16 Uhr begann im Kursaal der offizielle Teil des Jubiläums. Die Moderation dieser Veranstaltung hatte Dr. Heinrich Klassen aus Detmold. Zum Beginn gab es eine kurze visuelle Präsentation, die deutlich machte, welche Qualität das Wirken der Gefährdetenhilfe hat. Diese Betreuung von Menschen, die sich vorher in einem gefährlichen Kreislauf von kriminellen Handlungen, Alkohol und Drogen befanden, bietet erfreuliche Erfolgschancen. Durch die Eingliederung in Wohngemeinschaften, durch integrative Jugendarbeit, durch Sport, Gesprächskreise, Sozialarbeit und gemeinsame Freizeitbeschäftigung wachsen Vertrauen, Selbstbewusstsein und die Chance zu einer neuen Lebensgestaltung. Viktor Brakowski brachte diese Pläne auf den kurzen Nenner: "Wir wollen den Menschen helfen, die sonst durch das soziale Netz fallen würden." Lob dafür gab es vom Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Schönemann, vom Pastor i. R. Hans-Peter Fiebig und vom Gefängnisseelsorger Reinhard Koller aus Steinbergen, der bei den Gottesdiensten von der Gefährdetenhilfe unterstützt wird. Kontaktgruppen unterhält diese Gemeinschaft in Bückeburg, Herford und Hameln. Der frühere Leiter der Bückeburger Strafvollzugsanstalt, Hans-Jürgen Feldmann, wies in einem Kurzreferat darauf hin, dass über 80 Prozent der Strafgefangenen aus sozial gestörten Familienverhältnissen kommen. Es sei alles andere als leicht, deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft und in ein Leben ohne Rückfälle zu bewerkstelligen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare