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Messingsberg: Umweltausschuss des Kreistages reagiert mit Kritik und Zweifeln auf Abbaukonzept

Appell an NNG: "Stellen Sie keinen Antrag"

Landkreis/Rinteln (wer). Den Vorwurf mangelnder Informationsbeschaffung wird sich der Umweltausschuss des Kreistages nicht machen müssen: Am Donnerstag referierten die Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG) und der Naturschutzbund erneut über das Pro und Contra eines Kammabtrags am Messingsberg. Inhaltlich haben sich die Positionen nicht verändert. Der Termin bot eher Gelegenheit, das politische Klima zu testen. Im Gegensatz zum Nabu, der für eine "Null-Lösung" plädiert, musste sich die NNG mit ihren Abbauplänen fast durchweg kritische Fragen gefallen lassen.

veröffentlicht am 13.10.2007 um 00:00 Uhr

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Während der vom Steinbruch-Betreiber beauftragte Landschaftsplaner Georg von Luckwald von der "Verantwortung" des Unternehmens sprach, den abgerutschten Messingsberg "vernünftig zu sanieren", korrigierten Mitglieder des Ausschusses bereits die Wortwahl. Hartwig Dankwerth (Grüne) und Manfred Spenner (SPD) wollten eher von "Maßnahmen zur Fortsetzung des Abbaus" als von "Sanierung" sprechen. NNG-Geschäftsführer Uwe Werner bestätigte auf Nachfrage, dass drei bis vier Millionen Tonnen des durch den Kammabtrag gewonnenen Gesteins verkauft werden sollen. Trotz dieser zusätzlichen Entnahme wusste NNG-Betriebsleiter Thomas Wolff zu prognostizieren, dass eine Selbstüberlassung des Berges zu einer doppelt so tiefen Absenkung des Kamms ("fast 30 Meter tiefer") führen würde wie bei der "Sanierung". Luckwald konnte beipflichten, dass man vom Abbau des Kamms aus Blickrichtung Rintelns "nur ganz ganz wenig erkennen" werde. Der Planer wörtlich: "Der Kamm wird wiederhergestellt, nur in anderen Strukturen." Im Ausschuss dominierten die Zweifel. "Wer garantiert uns, dass sich die Gutachter jetzt weniger irren als bisher?", fragte Günther Maack (CDU) spitz nach. "Wer garantiert, dass das aufgeschüttete Material nicht auch wieder abrutscht?", gab Dr. Wilhelm Dreves (CDU) zu Bedenken. Werner Vehling (SPD) forderte, auch "alternative Lösungen" zum Abtrag zu untersuchen, selbst wenn diese kostspieliger wären. Luckwald ging auch auf ein aktuelles Thema ein und betonte, dass sich die NNG ihrer "besonderen Verantwortung" für den in der Steilwand brütenden Uhu bewusst sei. Allerdings eigne sich der Steinbruch nicht besonders als Schutzgebiet, er spiele eine eher untergeordnete Rolle für den Uhu. Damit verteidigte Luckwald indirekt die Politik von Niedersachsens Umweltminister Heinrich Sander, der Steinbergen - gegen die Forderungen der Fachwelt - aus den Plänen für Vogelschutzgebiete gestrichen hatte (wir berichteten). Dr. Holger Buschmann, Artenschutzreferent des Naturschutzbundes, erklärte dem Ausschuss, dass Steinbergen der erfolgreichste Uhu-Brutplatz in Niedersachsen sei und sich als Schutzgebiet geradezu aufdränge. Auch haftungsrechtlich führe am Abbau des Kamms kein Weg vorbei, argumentierte Luckwald auch auf juristischer Ebene. Die Firma wolle und müsse ihre Betriebsstätte sicher hinterlassen. Falls der Landkreis die für den Abtrag notwendige Teillöschung des Landschaftsschutzgebietes nicht genehmige: "Man wird sehen, wie es dann weitergeht", blieb Luckwald vieldeutig. Wer wollte, konnte daraus auch eine Klagedrohung hören. Die andere Sicht der Dinge präsentierte Dr. Holger Buschmann vom Naturschutzbund. Deutlich schneller als durch Abtrag und Wiederaufforstung würde sich der Steinbruch von selbst begrünen, zwar nicht als dichter Forst, aber als halboffene Fläche, ideal für eine hohe Artenvielfalt. Als gutes Anschauungsbeispiel könne in dieser Hinsicht der Steinbruch Liekwegen gelten. Jeder Steinbruch mit Steilwand stelle ein potenzielles Risiko dar, relativierte er das von der NNG strapazierte Gefahrenargument. Ein Zaun als Sicherung würde auch in Steinbergen vollkommen ausreichen. Inzwischen sei der Steinbruch sogar sicherer als vor dem Bergrutsch, weil man die Gefahrenquelle jetzt kenne. Mehr noch: Buschmann erneuerte seinen Vorschlag, den Bergrutsch zur Attraktion für Naturtouristen zu machen, wofür es in den Alpen gute Beispiele gebe. Der Naturschutz-Experte appellierte an die NNG, keinen Antrag auf Abtrag des Bergkamms zu stellen: "Das würde uns allen viel Ärger ersparen."



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