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Ein kleiner Rückblick in die heimische Bergbaugeschichte / Die Anfänge bleiben im Dunkeln

Antriebsmotor „Schwarzes Gold“

Über den Schaumburger Kohlebergbau ist viel geforscht und geschrieben worden. Zu Recht. Das „schwarze Gold“ war über Jahrhunderte hinweg Antriebsmotor der heimischen Wirtschaft, prägte das Zusammenleben und das politische Bewusstsein der Menschen und veränderte Gesicht und Aussehen der hiesigen Landschaft.

veröffentlicht am 02.06.2012 um 00:00 Uhr

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Bis heute ist nicht ganz klar, wann und wo sich die ersten „Kohlbrecher“ (Bergleute) an den zwischen Harrl und Deister lagernden Flözen zu schaffen machten. Die dunkle, mancherorts nur knapp unter der Erdoberfläche liegende und bei der Suche nach Fundament- und Begrenzungssteinen und beim Abgraben von Lehm sichtbar werdende Gesteinsschicht war zwar seit alters her bekannt, ihr Abbau schien jedoch lange nutzlos und uninteressant. Man wusste zwar, dass das Zeug brannte, doch zum Feuermachen und Heizen stand genug (und noch viel leichter erreichbares) Holz zur Verfügung. Ein gewerbsmäßiger Abbau kam erst durch das Aufblühen des Schmiedehandwerks in Gang.

Die ersten schriftlichen Hinweise auf gezielte und regelmäßige Förderung stammen aus der Zeit Anfang des 16. Jahrhunderts. Damals sollen in der Gegend rund um Obernkirchen bereits etliche Stollen vorgetrieben und Schächte abgegraben worden sein. Das war nach damaligem Wissensstand nur so weit und so tief möglich, wie genügend Sauerstoff zum Atmen nach dringen konnte und der Wasserzufluss beherrschbar blieb. Kurz danach dürfte auch die Obrigkeit hellhörig geworden sein. Der verborgen im Boden lagernde Schatz wurde kurzerhand zum Eigentum der Herren von der Schaumburg erklärt. Nur sie konnten fortan bestimmen, wo, von wem, wie viel und wie lange geschürft werden durfte und was dafür an Steuern abzuliefern war. Eine der ersten Vorgaben dieser Art brachte 1560 der damalige Landesherr Otto IV. mit der „Verordnung betr. Betrieb der gräflichen Kohlenbergwerke“ auf den Weg.

Die älteste Beschreibung über die Anfänge des heimischen Abbaus stammt aus dem Jahre 1614. Der Titel: „Wie Gott sonderlich die Graffschaft Schawenburg mit dem Steinkohlen Bergwerk begabet und was sich dabey denkwürdiges begeben und zugetragen“. Die Ausführungen waren Bestandteil der von dem seinerzeit bekannten Theologen und Historiker Cyriacus Spangenberg (1528-1604) zu Papier gebrachten und einige Jahre nach dessen Tod gedruckten „Historischen Beschreibung der löblichen alten Graffschaft Schaumburg“.

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Spangenberg sah die Kohlevorkommen als Geschenk und Gnadenbeweis Gottes. Eindringlich warnte er davor, die Güte des Allmächtigen überzustrapazieren. Man dürfe nie vergessen, „daß der, welcher das zu geben vermag, freilich auch das, waß er gibt, baldt ehe man sich recht umbsihet, wider hinnemen“ könne. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entstehung und Beschaffenheit fossiler Lagerstätten gab es zu damaliger Zeit noch nicht. Auch die Erforschung der Abbau- und Fördermethoden steckte noch in den Kinderschuhen. Technisch interessierte Leser verwies Spangenberg auf die Erkenntnisse von Georgius Agricola (1494-1555). Der aus Sachsen stammende Gelehrte galt schon zu Lebzeiten als brillanter Kopf. Er hatte sich wie zuvor kein anderer Forscher mit Gesteinskunde und Erzgewinnung beschäftigt. Seine zwölfbändige, mit zahlreichen Holzschnitt-Illustrationen angereicherte Veröffentlichung „Vom Bergkwerck XII Bücher“ wurde zu einer Art „Bibel der Mineralogie“.

Exakte Angaben über die Anfänge der heimischen Zechengeschichte konnte Spangenberg in seiner Chronik nicht machen. „Wann aber und zu welcher Zeit viel benandtes Steinkohlen Bergwerk allererst seinen anfang genommen, ist unwissend und habe dies bißhero von niemandt gründlich bericht bekommen können“, ließ er die Leser wissen. Sicher sei jedoch, dass der Startzeitpunkt „nicht so gar newe“ und der Abbau seit mindestens „218 Jahren im Brauch gewesen“ sei. Zur Begründung für das Vorhandensein eines regelmäßigen Abbaubetriebs schon im Jahre 1386 gab er den Inhalt eines Schriftstücks zum Besten, das er nach eigenem Bekunden „Anno Christi 1580 zu Bassinghausen“ (Barsinghausen) beim Studieren eines „alten Memorien Buchs“ gefunden und gelesen hatte. Danach waren am 27. Oktober 1386 „drey Menner, Johann Meyer, Clawes Falthur und Heinrich Möller, des Abendts späte, auch zimblich und wol bezecht, auß Obernkirchen gangen“, hatten „sich verirret und auch verloren, also das niemand gewußt noch erfahren mögen, wo diese Menner hinkommen seyn“. Man habe die Drei „allenthalben zu Holz, Felde und an den Wasserflüssen gesucht, auch sonsten an mannichen ort in und ausser der Graffschaft nachforschungen gethan, aber davon nichts vernehmen“ können. Erst „im vierten Jahr darnach, Anno Christo 1390, habe man daselbst zu Obernkirchen im Steinkohlenbergwerk eine alte Gruben aufreumen müssen, in welcher man drey todte Körper mit Erden befallen gefunden, und an denselben so viel uhrkundt und warzeichen gesehen und vermerkt, daß es die vor vier Jahren verlohrne Menner sein müssten“.

Der Chronist Cyriacus Spangenberg (1528-1604, Bild links).

Zu den bedeutendsten Produktionsstätten und Zeugnissen des heimischen Bergbaus gehörte und gehörtdie auch als Ruine noch eindrucksvolle Koksfabrik Obernkirchen.



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