weather-image
Sündenbock Wasserunterhaltungsverband: Ufer nicht gepflegt, Bachbett nicht regelmäßig geräumt?

Anrainer: Exter wuchert zu und verlandet immer mehr

Exten (wm). Für viele Anlieger an der Exter in Krankenhagen, Uchtdorf und Exten gibt es kaum einen Zweifel daran, wie der Sündenbock beim letzten großen Exter-Hochwasser im Juli 2002 heißt, nämlich Wasserunterhaltungsverband. Der habe sich, so klagten Hochwassergeschädigte am Dienstag bei Besichtigungsterminen an der Exter, seit Jahren nicht mehr ordnungsgemäß um die Räumung des Bachbettes gekümmert, das immer mehr zuwachse und versande.

veröffentlicht am 08.06.2006 um 00:00 Uhr

Selbst Diplom-Ingenieur Carsten Schwitalla vom Ingenieurbüro Stadt-Land-Fluss aus Hannover, ein Mann, der nicht zu voreiligen Schlüssen neigt, räumte auf den Terminen vorsichtig ein, es gebe dafür zumindest gewisse "Indizien" wie Auflandungen vor allem in den Brückenbereichen. Auch hier Zustimmung von Anliegern, gerade da habe es sich gestaut. Die Anwohner in Exten nannten ein weiteres Problem: Den "Flaschenhals" am Gutshof - hier müsste etwas getan werden. Schwitalla nahm den Wasserunterhaltungsverband allerdings auch in Schutz - ausökologischen Gründen könne das Exter-Bachbett nicht einfach wie früher radikal ausgeräumt werden, hier müsse man Rücksicht auf die Natur nehmen. Schwitalla und seine Mitarbeiter sollen jetzt im Auftrag der Stadt Rinteln im Rahmen eines EU-Förderprojektes ermitteln, wie sich künftige Hochwasser auswirken und welche Schutzmaßnahmen es geben könnte. So genannte Retentionsräume zu schaffen, Rückhaltebecken, in denen Hochwasserspitzen abgefangen werden, hält Schwitalla für schwierig, auch deshalb, weil gerade mal 12 Prozent des Einzugsgebiets der Exter in Niedersachsen liegt - hier müsste man also mit den Nachbarn in Nordrhein-Westfalen sprechen. Auch individuelle Schutzmaßnahmen, wie wasserdichte Kellerfenster und Türen, würden nur begrenzt helfen, da Wasser bei vielen Häusern als Grundwasser durch das Mauerwerk dringe. Das konnten viele Anwohner bestätigen: Wahre "Wasserfälle" seien zwischen Grundmauern in die Keller gerauscht. Denkbar seien Schutzmauern an der Exter, beispielsweise auf der Insel in Exten, doch hier stelle sich sofort die Kostenfrage. Dass auch künftig Exter-Anlieger mit "Land unter" rechnen müssen, daran gibt es für den Gutachter aus Hannover keinen Zweifel. Der von Meteorologen befürchtete Klimawandel mit extremen Wettereignissen könnte langfristig dabei eine Rolle spielen. So kalkulieren die Gutachter unter Auswertung der Daten desHochwassers von 2002 ein so genanntes "Jahrhunderthochwasser" in ihre Modellrechnungen ein - und das könnte mit einem weit höheren Wasserstand aufwarten.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare