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Angst vor Gewalttaten

veröffentlicht am 08.10.2009 um 09:45 Uhr

Hameln (tis). „Auf der Bahnhofstraße in Hameln kann man nachts nicht mehr unterwegs sein“, sagt ein 81-jähriger Hamelner und spricht damit aus, was vermutlich viele Hamelner denken. Frauen erzählen, dass sie sich nachts nicht mehr allein durch Fußgängertunnel trauen. Oder den oberen Bereich der Bäckerstraße und Teile des Pferdemarktes zu nächtlicher Stunde meiden. Brutale Überfälle auf offener Straße, wie am vergangenen Wochenende, schockieren – und schüren bei vielen Hamelnern die Angst, selbst eines Tages zum Opfer zu werden.

Oft reicht es schon, aus einer Gruppe heraus rüde angesprochen oder angepöbelt zu werden. Eine gefühlte Bedrohung. Doch wie reagiert man darauf? Schweigend das Weite suchen, oder aber darauf eingehen und Prügel riskieren? Da entscheiden sich viele lieber für die Flucht.
 Für die Polizei sind die Sorgen und die Ängste der Bürger durchaus nachvollziehbar: Dies sei aber eher eine gefühlte Sicherheits- beziehungsweise Unsicherheitslage. „Und die hat mit der objektiven Sicherheitslage nichts zu tun“, betont Polizeihauptkommissar Michael Rohde.
 Nach den brutalen Überfällen am Wochenende im Bereich Bahnhof- und Deisterstraße fragen sich viele Hamelner: Wie sicher ist man noch auf den Straßen der Rattenfängerstadt? Gibt es Brennpunkte für Straßenkriminalität? Etwa im Bahnhofsbereich, in der Hamelner Nordstadt oder an der Leipziger Straße in Afferde? Oder ist das Ganze tatsächlich nur eine gefühlte Bedrohung? Bürger müssten sich keine Sorgen machen, wenn sie in Hameln unterwegs sind, sagt die Polizei. Zwar ließen sich Straftaten nie ganz verhindern, aber eine besondere Häufung gebe es nirgends.

 Aus polizeilicher Sicht sind Hamelns Straßen sicher: Es gebe keine Brennpunkte für Straßenkriminalität, wie Rohheitsdelikte oder Raubüberfälle. „Wir haben keine Bereiche, wo sich derartige Fälle besonders häufen“, erklärt Michael Rohde. Straftaten ließen sich aber nicht ganz verhindern, auch in Hameln gebe es Kriminalität. „Die Polizei unternimmt etwas dagegen“, betont Rohde. Straftaten würden regelmäßig ausgewertet, um so Hinweise auf mögliche Brennpunkte zu erhalten, um dann gegebenenfalls sofort entsprechende Kontrollmaßnahmen einleiten zu können. Zudem sei in Hameln eine Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität eingerichtet worden. „Die Beamtinnen und Beamten arbeiten sehr erfolgreich und erzielen gerade in diesen Deliktbereichen eine hohe Aufklärungsquote“, so der Kriminalhauptkommissar.
 Konkrete Fälle, die in Erinnerung blieben: Zwei Raubüberfälle in der Bäckerstraße und Sandstraße innerhalb weniger Tage im Juli dieses Jahres. Die Beute: Personalausweise, Handys, Geldbörsen. Und der Überfall auf einen 61-Jährigen am Lidl-Markt an der Ohsener Straße im März: Dem Hamelner wurde die Geldbörse geraubt, er wurde schwer im Gesicht verletzt.
 Bei allen Beteuerungen der Polizei, dass es keine Brennpunkte gebe, scheint die Bahnhofsgegend doch am unsichersten zu sein. Reinhold Klostermann, dessen Krankentransportfirma dort eine Wache rund um die Uhr besetzt hält, wies bereits im vergangenen Jahr darauf hin, dass es im Bahnhofsbereich an Wochenenden und in den Nachtstunden immer wieder zu Schlägereien und zu Diebstählen komme. Zwei Gewalttaten im September vor zwei Jahren machten dort Schlagzeilen: Erst wurde der Handball-Bundesligaspieler Jendrik Meyer so schwer zusammengeschlagen, dass er einen Jochbein- und Augenhöhlenbruch davontrug. Eine Woche später erwischte es einen 22-Jährigen: Auch er wurde brutal zusammengeschlagen.
 16 Körperverletzungen und zwei Raubüberfälle habe es im Bahnhofsbereich und in den umliegenden Straßen im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres gegeben, bestätigt Hauptkommissar Rohde die Häufung von Gewalttaten in dem Raum und vergleicht: „Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es 14 Körperverletzungen, also eine geringe Abnahme, und keinen Raub. Die ersten beiden Raubüberfälle ereigneten sich eben erst am vergangenen Wochenende“, so der Polizeisprecher. Hier laufen inzwischen die Ermittlungen auf Hochtouren. Auch will die Polizei auf die Vorfälle reagieren. Aber, betont Rohde noch einmal, derartige Straftaten würden sich über das ganze Stadtgebiet verteilen und nicht gehäuft an bestimmten Stellen auftreten.

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