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Bürgerinitiative „Pro Polle“ veröffentlicht Informationen des Robert-Koch-Institutes und des Gesundheitsamtes Holzminden

Angst – ist das Q-Fieber demnächst im Weserbergland?

Weserbergland (kv). Viele Menschen im Weserbergland haben Angst. Sie fürchten, Europas größte Milchziegenanlage mit 7500 Tieren und 12 000 Ablammungen im Jahr birgt Gefahren für das Weserbergland. Die Bürgerinitiative „Pro Polle“ informiert jetzt bei Wesio über eine gefährliche Infektionskrankheit, die besonders bei Ziegen und Schafen auftritt, und die von den Tieren auf Menschen übertragen wird. Der Erreger des Q-Fiebers heißt Coxiella burnettii. Er ist hitzebeständig und überlebt lange im Staub.

veröffentlicht am 16.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:21 Uhr

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Die Informationen, die Pro Polle bei Wesio veröffentlicht, bestehen größtenteils aus Auszügen von umfassenden Informationen des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsamtes des Landkreises Holzminden:

„Infizierte Tiere scheiden bei Fehlgeburten und in der Nachgeburt den Erreger millionenfach aus. Die Coxiellen werden auch über Kot, Urin und Milch ausgeschieden. Der Erreger ist hochansteckend. Die Übertragung erfolgt meist durch Inhalation kontaminierten Staubs, der Kontakt mit den Tieren ist nicht erforderlich. Der Staub kann im Umkreis von 2 Kilometern ansteckend wirken. Die Ausbringung des Mistes auf den Feldern verbreitet den Erreger. Coxiella wird durch Staub, Tröpfchen und Zeckenkot übertragen. Die Bakterien haben eine sehr lange Überlebensfähigkeit: In Milch bei 4-6 Grad Celsius 90-273 Tage. Bei 20 Grad in Butter und Weichkäse 42 Tage. In trockenem Staub, Wolle und Zeckenkot ein bis zwei Jahre.

Die akute Infektion beginnt meist mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, häufig sind ausgeprägte Stirnkopfschmerzen zu beklagen. Q-Fieber führt zu Lungenentzüpndugen, Hepatitis und Lebervergrößerungen. Auch Gehirn- und Gehirnhautentzündungen, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei Schwangeren werden Fehl- oder Frühgeburten ausgelöst.

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Gefährdet sind die Beschäftigten der Massentierhaltung, Anwohner der Orte Heinsen, Polle, Heidbrink, Brevörde und Reileifzen, Benutzer der Weserfähre Polle sowie des Weserradweges und alle Gäste in diesem Gebiet.

Betroffen ist insbesondere der Weserbergland-Tourismus, denn einige wenige schwer Erkrankte mit dieser meldepflichtigen Krankheit dürften das Buchungsverhalten beeinflussen.“ Soweit die Bürgerinitiative Pro Polle.

Unter der Überschrift „Fast jede vierte Ziegenherde könnte mit Q-Fieber infiziert sein“ schreibt Vetion.de, das unabhängige Internetportal für Tiergesundheit und Tiermedizin, am 10. November: „In den Niederlanden wird eine Zunahme der Fälle von Q-Fieber beim Menschen beobachtet. Dies lenkt vermehrt auch die Aufmerksamkeit auf die Tierarten, von denen der Erreger auf den Menschen übertragen werden kann. In diesem Jahr wurden offiziell bisher vier Ziegen haltende Betriebe in den Niederlanden als mit dem Erreger infiziert eingestuft. Allerdings basiert dies auf einer Methode, bei der der Betrieb als infiziert eingestuft wird, wenn die Zahl der Aborte mehr als fünf Prozent beträgt. Dem zuständigen Landwirtschaftsministerium sind aber weitere 41 Betriebe bekannt, in denen der Erreger – basierend auf Untersuchungen von Milchproben – vorkommt. Der Tiergesundheitsdienst in Deventer geht sogar davon aus, dass bis zu 80 der 360 Ziegen haltenden Betriebe in den Niederlanden mit dem Erreger belastet sind.“

Bei Wikipedia liest man unter anderem: „Bedingt durch den Infektionsweg und die Ausbildung von Dauerformen, stellt Q-Fieber eine geeignete biologische Waffe dar, die bei militärischem Einsatz prognostizierte 23–77 % Ausfälle bewirkt ... Laut einer Schätzung würde ein solcher Einsatz von 50 Kilogramm Coxiella burnetii als zwei Kilometer lange Linie in einer betroffenen Stadt mit 500.000 Einwohnern etwa 150 Tote und 125.000 Kampfunfähige bewirken, davon etwa 9.000 mit chronischen Folgen. Insbesondere diese chronischen Folgen, wie auch die Wirkung auf Nutztiere in Form von Missgeburten und Fehlbildungen und die daraus resultierende Angst vor Verzehr derselben machen Q-Fieber durch seine psychologische Wirkung zu einem geeigneten bioterroristischen Agens.“

Bei Wesio.de finden Sie die Informationen von Pro Polle sowie die Links zum Gesundheitsamt Holzminden, zum Robert-Koch-Institut und zum Landesgesundheitsamt.

Ein völlig neues Bedrohungspotenzial für den Weserbergland-Tourismus?Foto: Bilderbox

Coxiella burnettii, Q-Fieber-Erreger ist Bestandteil des biologischen Waffenarsenals. Grafik: Wikipedia

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