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Mutmaßlicher Kinderschänder in anderes Gefängnis verlegt / „Ich wurde zusammengeschlagen“

Angeklagter wird selbst zum Opfer

Landkreis/Bückeburg (ly). In der Knast-Hierarchie stehen Kinderschänder ganz unten. Zu spüren bekommen hat dies offenbar auch ein 54 Jahre alter Schaumburger, der drei Mädchen und einen Jungen aus der eigenen Familie sexuell missbraucht haben soll (wir berichteten). Vor dem Landgericht in Bückeburg berichtete der Angeklagte gestern von Übergriffen anderer Gefangener. „Ich wurde zusammengeschlagen“, sagte er.

veröffentlicht am 26.11.2012 um 15:55 Uhr

Zwischenzeitlich ist der Häftling in eine andere Justizvollzugsanstalt verlegt worden. Solange ein Angeklagter nicht rechtskräftig verurteilt ist, gilt die Unschuldsvermutung. Den Mob hinter Gittern interessiert das anscheinend wenig. An Sexualstraftätern werden häufig Aggressionen abgelassen, während Bankräuber oder Zuhälter in der Rangordnung die Spitzenplätze einnehmen.

Dem Schaumburger legt Staatsanwältin Denise Homann 81 Taten zur Last, nach Erkenntnissen der Anklagebehörde begangen im Zeitraum von 18 Jahren. Beim Prozessauftakt hatte der mutmaßliche Täter zugegeben, ein Kind mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben. Er bestritt jedoch, sich an dem kleinen Mädchen ebenfalls vergangen zu haben, als es sechs Jahre alt war. Die Stieftochter war bei der Geburt 16. „Ich habe sie zu nichts gezwungen“, behauptet der Angeklagte. Zum Geschlechtsverkehr mit der anfangs 14-Jährigen sei es „immer freiwillig“ gekommen.

Zu den Opfern soll auch ein 13 Jahre alter Stiefsohn gehört haben, als die Familie noch in einem anderen Bundesland lebte. Diesen Vorwurf weist der Angeklagte weit von sich. „Das entspricht nicht seinen sexuellen Neigungen“, so Verteidiger Oliver Theiß gestern in einer kurzen Erklärung für den 54-Jährigen. „Er hat noch nie etwas mit Männern gehabt.“ Theiß’ Mandant kann sich die Vorwürfe nach eigener Darstellung nur so erklären, dass Teile der Familie ihn aus dem Haus haben wollen.

Den Stiefsohn hat das Gericht gestern wie alle mutmaßlichen Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. Über Details wurde nichts bekannt. Eingeräumt hatte der Mann auf der Anklagebank zuvor den sexuellen Missbrauch eines Mädchens, das zu Beginn sechs Jahre alt war.

Nach dem bisherigen Zeitplan von Richterin Birgit Brüninghaus soll das Urteil der 1. Großen Jugendkammer im Dezember verkündet werden. In Untersuchungshaft sitzt der Angeklagte seit Anfang Mai.

Viel hängt in diesem Verfahren von den Ausführungen eines Sachverständigen ab. Im Fall eines Schuldspruchs könnten dem angeklagten Schaumburger nicht nur mehrere Jahre Gefängnis drohen, sondern auch anschließende Sicherungsverwahrung. Dazu müsste der 54-Jährige vom psychiatrischen Gutachter als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft werden.

Mit der Anordnung von Sicherungsverwahrung tun sich deutsche Gerichte allerdings schwer, seitdem das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Regelungen im Mai 2011 für verfassungswidrig erklärt hat.



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