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Vor Gericht: Prozess um Entführung von Multi-Millionär Mike H. (32) aus Bad Münder vertagt

Angeklagtem aus Lindhorst droht Abschiebung

Landkreis/Hannover (ube). Für den geständigen Entführer Bassam S. (28) aus Lindhorst geht es um mehr als fünf bis 15 Jahre Haft. Der Familienvater, der 1986 als Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland kam, ist libanesischer Staatsbürger - und Ausländer, die mit mehr als drei Jahren Gefängnis bestraft werden, müssendas Land verlassen.

veröffentlicht am 21.11.2006 um 00:00 Uhr

Bassam S. ist ein freier Mann auf Zeit. Weil er bereits sechs Monate in Untersuchungshaft saß (länger geht nicht), ist er auf Kaution freigekommen. Daheim hat er eine schwangere Frau und zwei kleine Kinder, fünf und sieben Jahre alt. Sein Verteidiger Claus Roggemann lässt nichts unversucht, das Strafmaß - die Mindeststrafe für erpresserischen Menschenraub ist fünf Jahre - zu verkürzen. Gestern stellte er vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover einen Beweisantrag. Der Anwalt fordert einen auf dem Gebiet der Spielsucht erfahrenen Fachmann, denn: Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Christoph Aselmeier vom Landeskrankenhaus in Wunstorf, hat bei seinem Mandanten zwar die Diagnose "pathologisches Glücksspielen" gestellt, gleichzeitig jedoch auch erklärt: Bassam S. ist nicht vermindert schuldfähig. Das hieße: Gefängnis und Abschiebung. Ob die Kammer einen zweiten Gutachter zulassen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin hat Dr. Aselmeier eingeräumt, es sei sein erstes Spielsucht-Gutachten in einem Strafprozess gewesen. Die Frage lautet: Würde ein ausgewiesener Experte einen Spielsüchtigen als vermindert schuldfähig ansehen? Der spektakuläre Entführungsprozess gegen die so genannte Dreier-Bande aus dem Landkreis Schaumburg, die zugegeben hat, Multi-Millionär Mike H. (32) aus Bad Münder gekidnappt und Geld erpresst zu haben, war gestern schneller als erwartet zu Ende. Burkhard Papendick, Verteidiger des ehemaligen Werkstattbesitzers und mutmaßlichen Haupttäters Gunther K. (55) aus Auetal-Rehren, war überraschend erkrankt. Und so schloss der Vorsitzende Richter Helfried Teschner die Hauptverhandlung nach einer halben Stunde. Am 1. Dezember um 9.30 Uhr dürfte die Kammer über Roggemanns Antrag entscheiden. Zwei Wochen später, am 15. Dezember (9 Uhr, Saal H 2) werden die Plädoyers gehalten. Vermutlich wird Richter Teschner an diesem Tag auch die Urteile verkünden.

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