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Bildhauer Peter Lechelt fertigt auch Grabsteine an, ungewöhnlich und individuell

"Anders alsüblicher Granit werden meine Steine auch mal grün..."

Schaumburg (cok). Yanic war sieben Jahre alt, als er durch einen Verkehrsunfall starb. Sein Grab ist anders als die meisten anderen. Der Grabstein bildet ein Herz, eine kleine Grotte nimmt ein Windlicht auf und weil der Junge so gerne an der Weser spielte, ist der Flusslauf symbolisch in die Umrandung gemeißelt. "Wirklich, es muss nicht immer polierter Granit sein", sagt Bildhauer Peter Lechelt, der dieses schöne Grab gestaltete.

veröffentlicht am 13.03.2007 um 00:00 Uhr

Bildhauer Peter Lechelt ist auch in der Rintelner Innenstadt geg

Wenn ein Todesfall besonders tragisch war, haben die Angehörigen oftmals das Bedürfnis, ihre Trauer und das Angedenken auf eine besondere Weise auszudrücken. Die meisten aber glauben, dass die Friedhofsordnung außergewöhnliche Grabmale gar nicht gestattet. "Das ist aber nicht so", sagt Peter Lechelt. "Solange man sich an die vorgegebenen Maße hält,gibt es unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Und oft freuen sich die Ämter sogar, denn ein ausdrucksvoller Grabstein ist ja auch ein Gewinn für den ganzen Friedhof." Tatsächlich wäre es eine phantastische Vorstellung, wenn unsere Friedhöfe ein wenig dem "Garten der geliebten Steine" gleichen würden, Peter Lechelts stilles Paradies oben an der Paschenburg, wo Steinskulpturen zwischen Bäumen stehen und zum Schauen, Staunen, Nachdenken einladen. Schon manchmal haben ihn Besucher, beeindruckt von der Stimmung im Steingarten, angesprochen, ob er nicht einen individuellen Gedenkstein anfertigen kann. "Natürlich kann ich das!", sagt er. "Solche Aufträge sind eine besondere Herausforderung für mich." Die Herausforderung besteht vor allem darin, in langen, persönlichen Gesprächen möglichst viel über einen Verstorbenen zu erfahren und mehr noch, sich einzufühlen in die Gefühle der Hinterbliebenen. Für die Eltern einer jung verstorbenen Tochter machte er einen Engel, noch nicht ganz aus dem umgebenden Sandstein befreit, Symbol für ein unvollendetes Leben. In den Grabstein eines alten Mannes fügte er Steinrosen ein, die dieser wenige Tage vor seinem Tod noch für den Garten gekauft hatte. Und auf dem Grab eines Künstlerfreundes steht die Steinkopie einer Graphik, ein mit wenigen Strichen stilisierter Mensch vor einem durchbrochenen Gitter, durch das das Licht immer wieder anders hindurchscheint. Auch wenn man es kaum glauben kann, Peter Lechelts Bildhauerarbeiten sind nicht teurer als dieüblichen Grabsteine vom Steinmetz. "Ich greife ja die alte Tradition auf, dass ich nur Steine wähle, die aus der Region stammen: Obernkirchener Sandstein, Thüster Kalkstein oder den roten Weserberg. Dadurch habe ich einen wesentlich geringeren Aufwand, als wenn ich, wie heute oft üblich, das Material aus Indien oder Korea kommen ließe." Und warum sind dieüblichen Granitsteine dann trotzdem so beliebt? "Nun ja, sie sind pflegeleicht, poliert, abwaschbar - das passt wohl gut zur gegenwärtigen Friedhofskultur", meint er. "Meine Steine werden auch mal grün...". Das ist aber gar nicht schlimm. Wenn man sie einmal im Jahr mit einer Wurzelbürste abschrubbt, können sie sich in Sachen Gepflegtheit ohne weiteres zwischen den Graniten sehen lassen. Und dass eine gewisse Patina auch ihren Reiz haben kann, entdeckt man bei einem Spaziergang durch den "Garten der geliebten Steine", oder weiter oben im Buchenwald, wo sich mitten in der Landschaft einige von Lechelts Skulpturen verstecken. Überhaupt sind im Steingarten so viele Anregungen zu finden. Ein romantischer Turm mit eingesetzten lichtschimmernden Halbedelsteinscheiben; ein durchbrochenes Fenster im rundherum fast naturbelassenem Sandstein; eine Vogelfigur, die wie ein strenges mythisches Wesen wirkt. Öffnungszeiten: Freitags und sonnabends ist Peter Lechelts Garten von 15 bis 19 Uhr geöffnet, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 20 Uhr.

Aus der Graphik eines Künstlerfreundes.....
  • Aus der Graphik eines Künstlerfreundes.....
...wurde der Grabstein mit dem Gitterraster. Fotos: cok
  • ...wurde der Grabstein mit dem Gitterraster. Fotos: cok


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