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Beschwerdenüber zudringliche Teams / "Aktion Tier" als DTHW-Nachfolger?

An Werbern ist kein Vorbeikommen

Rinteln (ur). An den massiv auftretenden Männern dieses Werbeteams in der Fußgängerzone ist einfach kein Vorbeikommen. Mit Sprüchen wie "Sind Sie damit einverstanden, dass Tiere rechtlich immer noch als Sache gelten?" oder auch ganz allgemein "Interessieren Sie sich für Tierschutz?" lotsen die Burschen in grünem Anorak die Passanten im Radius von mindestens zwanzig Metern an einen Stand, um sie dort mit Fotos gequälter Tiere zu konfrontieren und gleich im Anschluss darauf zu drängen, an Ort und Stelle "eine Unterschrift für den Tierschutz" zu leisten - bei der es sich um den Erwerb der beitragspflichtigen Mitgliedschaft im Verein "Aktion Tier" handelt.

veröffentlicht am 10.05.2007 um 00:00 Uhr

"Für die Rechte der Tiere" tritt "Aktion Tier" ein - am Stand in

Wenn man den Ausführungen glauben möchte, gibt es so gut wie kein tierschützerisches Feld, auf dem dieser Verein nicht aktiv ist: Die Skala reicht vom Robbenschutz über den Kampf gegen Tierversuche bis hin zur Unterstützung von Artenschutzprogrammen und Wildtierstationen. Warum man von dieser anscheinend bedeutsameren Organisation als Greenpeace, Tierschutzbund und Nabu zusammen noch nicht viel gehört hat, ist für die gewandten Werber schnell erklärt: Zum einen fördere Aktion Tier Projekte vor Ort und "außerdem haben wir uns erst vor kurzem umbenannt". Umbenannt. Ach ja, da gab es mal das Deutsche Tierhilfswerk (DTHW) - ein Verein, der im Mittelpunkt eines der größten kriminellen Spendenskandale stand. Unter spektakulären Umständen wurde einst der ehemalige Drückerkolonnenchef und langjährige Vorsitzende Wolfgang Ullrich in Thailand verhaftet, wo er viele Millionen in Bauprojekte investiert hatte. Millionen, die seine Werbekolonnen gutgläubigen Tierfreunden über Mitgliedschaften abgenommen hatten. Das Landgericht München verurteilte Ullrich zu einer Haft von zwölf Jahren, auch Stellvertreter und Steuerberater wurden mit langen Haftstrafen bedacht. Das Gericht hielt es für erwiesen, dass mindestens 54 Millionen Mark veruntreutworden waren. Das Verfahren machte erhebliche Schlagzeilen - und damit war der Begriff "Tierhilfswerk" offenbar zu suspekt geworden. Jetzt also Mitgliedswerbung unter "Aktion Tier" - ein Verein, dessen Mitgliederzahl trotz seiner kurzen Existenz mit 260 000 Tierfreunden angegeben wird, die Größenordnung also, mit der auch das Tierhilfswerk argumentierte. Sitz des neuen Vereins ist übrigens die kleine bayerische Gemeinde Ziemetshausen. Da, wo früher auch schon der Ullrich-Clan des DTHW domizilierte. Nur ein Zufall oder etwa ein Indiz für die Fortführung alter Geschäfte unter neuer Flagge? Angesichts mehrerer Leserbeschwerdenüber zudringliche Straßenwerbung durch diese und andere Werbekolonnen für Luftrettung, Altenhilfe oder Tierschutz fragte unsere Zeitung bei der Stadt Rinteln an, auf welcher rechtlichen Grundlage Genehmigungen für solche Stände erteilt werden. Erster Stadtrat Jörg Schröder: "Anträge auf gebührenpflichtige Sondernutzung der Fußgängerzone wurden bei uns bislang nach dem Kriterium entschieden, ob der ungehinderte Durchgang gewährleistet bleibt. Wir werden aber in Zukunft beim ,Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen' (DZI) nachfragen, ob dort Erkenntnisse über Spendenwerber vorliegen, dort strömen die meisten Informationen darüber zusammen."



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