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Sieht aus wie Großbritannien, ist aber Bulgarien: von Nesebar bis zum Kap Kaliakra

An der schönen blauen Schwarzmeerküste

Družba. In einem „Peanuts“-Cartoon mit Snoopy, Linus und Woodstock heißt es: „Glück ist, mit Freunden Reisepläne zu schmieden.“ Noch mehr Glück ist es, mit Freunden zu verreisen, die kreativ sind: Auf unserer Bootsrundfahrt vom Hafen in Nessebar entlang der südlichen Schwarzmeerküste – insgesamt ist die bulgarische Küste 376 Kilometer lang – zieht Rainer überraschend eine Flaschenpost aus seiner Tasche. Er hat sie aus Berlin mitgebracht. Hier möchte er sie ins noch frühlingskühle Nass des Schwarzen Meeres werfen. Stefan hat den passenden Spruch für das Briefchen parat: „Ich kam, weiß nicht, woher. Ich bin, weiß nicht, wer. Ich fahr, weiß nicht, wohin. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.“ Nachdem wir alle drei unterschrieben haben, wandert das Briefchen zurück in die Flasche und diese in hohem Bogen über die Reling.

veröffentlicht am 01.06.2011 um 14:03 Uhr

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Fröhlich schippert das Boot weiter auf dem Schwarzen Meer, das ganz und gar nicht schwarz, sondern dunkelblau ist und eines der größten Binnenmeere der Erde. Aufgrund fehlender Gezeiten soll es ideal zum Schwimmen und Tauchen sein, was wir im Mai bei einer Wassertemperatur um die 15 Grad nur mit der großen Zehe ausprobieren. Im Sommer kann das Wasser in Küstennähe bis zu 28 Grad warm werden.

Statt zu schwimmen faulenzen wir an Deck und werden mit einem Mittagessen verwöhnt. Das entschädigt auch für den Ausblick auf die sozialistisch funktionale Architektur vieler Hotelbauten an der Küste. Nach drei Stunden legen wir wieder im Hafen von Alt-Nessebar an. Das geschichtsträchtige, 4000 Jahre alte Städtchen liegt auf einer inselartigen Landzunge. 1983 ernannte die UNESCO Nessebar zum Weltkulturerbe. Beim Bummel durch die Gassen der Altstadt fühlt man sich in vergangene Zeiten versetzt. Nur die auffallend vielen Souvenirshops holen einen immer wieder in die Gegenwart zurück. Wenigstens herrscht in der Vorsaison noch kein Menschengedränge.

Beeindruckend ist die Fassade der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Pantokratorkirche Christos Pantokrator, ein Kreuzkuppelbau mit drei Altarnischen. Nicht minder imposant sind die Überreste der Alten Metropolitenkirche Starata Metropolia aus dem fünften Jahrhundert. Auf der Terrasse des altehrwürdigen Kapitänshauses Kapitanska Sreshta genießen wir den Ausblick auf Hafen und Fischerboote bei einem Gläschen Wein. „Hier könnte man ein lauschiges Wochenende zu zweit verbringen“, schwärmt Stefan. Doch die Aussicht, gemeinsam mit Rainer einen sportlichen Golftag an der nördlichen Schwarzmeerküste zu verbringen, ist weitaus verlockender.

3 Bilder

Bei der Fahrt von Nessebar Richtung Norden kommen wir am acht Kilometer langen Sonnenstrand vorbei. Halt machen wir in Varna, der „Perle am Schwarzen Meer“. Nachdem mich Pope Iwan in der Kathedrale Mariä Himmelfahrt gesegnet hat, flanieren wir durch die belebte und auch bei Möwen beliebte Fußgängerzone zum Meerespark Primorski Park. Er ist die grüne Lunge Varnas. Hier gibt es sogar ein Delfinarium.

Nordöstlich der Stadt übernachten wir im ältesten internationalen Kurort Bulgariens. Zu sozialistischen Zeiten hieß er Družba (Freundschaft). 1993 erhielt er den Namen des Klosters Sveti Konstantin i Elena (Heilige Konstantin und Elena). Am nächsten Morgen setzen wir unsere Reise entlang der nördlichen Schwarzmeerküste fort und passieren den bei Pauschalurlaubern beliebten Goldstrand. In Balcik trennen sich unsere Wege: Ich spaziere zum Botanischen Garten. Stefan und Rainer fahren zum 18-Loch-Golfplatz nicht weit vom Kap Kaliakra, einer Steilküste am östlichsten Punkt Bulgariens.

Für Pflanzenliebhaber lohnt sich ein Besuch des Botanischen Gartens in Balcik. 1955 gegründet, wird er heute von der Universität Sofia St. Kliment Ohridski betreut. Mit mehr als 2000 verschiedenen Kakteen- und 40 Opuntienarten gilt er nach dem botanischen Garten von Monaco als zweitgrößter. Die Anlage ist abwechslungsreich auf mehreren Ebenen angelegt, von Wasserkanälen durchzogen und bietet herrliche Ausblicke aufs Meer. Eine Attraktion im Garten ist der Schlosskomplex Tihoto Gnezdo (Stilles Nest). Königin Marie von Rumänien ließ ihn als Sommerresidenz zwischen 1926 und 1937 von italienischen Architekten erbauen. In ihrem „Nest“, das ein Museum beherbergt, vereinigen sich europäische mit orientalischen Stilelementen – Minarett neben christlicher Kapelle – und sind Ausdruck ihres Bahai-Glaubens. In einigen der königlichen Gemächer kann man übernachten.

Abends treffen wir uns auf dem Gelände des neu eröffneten Golfplatzes Thracian Cliffs wieder. Er liegt spektakulär an den Klippen des Schwarzen Meeres in einer atemberaubenden Landschaft. Mit einem Elektro-Kart unternehme ich meinen ersten Ausflug über die Grünflächen. Vom Up- und Downhill-Fahren bin ich begeistert. Stefan und Rainer sitzen mit im Wagen, sonnenverbrannt und zufrieden. So macht die bulgarische Schwarzmeerküste selbst in der Vorsaison jeden glücklich: mit Freunden, aber auch ohne. Darauf einen Mastika!

Der ADAC-Reiseführer „Bulgarische Schwarzmeerküste. Sofia, Bergklöster, Naturschönheiten“ ist ein hilfreicher Reisebegleiter, auch dank seiner Straßenkarte. Im Internet: www.bulgarien-web.de.

Zwischen Kavarna und dem Kap Kaliakra liegt die Muschelfarm Dalboka (oben links). Die zweitgrößte Kathedrale in Bulgarien ist Mariä Himmelfahrt in Varna. Und die Botanischen Gärten in Balcik (unten) wurden 1955 angelegt. Fotos: Keller



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