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Bückeburger Gastronomie eröffnet die Nichtraucherschonzeit relativ dezent

Am Tag eins: Mischung aus Verdruss, Unsicherheit und dickem Fell

Bückeburg (bus). Die von den niedersächsischen Politikern mit überwältigender Mehrheit zum 1. August beschlossene "Nichtraucherschonzeit" hat ihren Anfang in Bückeburg am Mittwoch relativ dezent genommen. Der Umsetzung der auf Dauer kalkulierten gesetzlichen Vorgaben wohnte, vielerorts geprägt von einer Melange aus Unsicherheit,Verdruss und dickem Fell, ein überwiegend abwartender Charakter inne. "Gut Ding will Weile haben", merkte Hermann Fenkner, der Doyen der residenzstädtischen Wirtsleute, schmunzelnd an.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 11:46 Uhr

Im "Brauhaus" stehen die Aschenbecher sauber und unbenutzt unter

Eine am Mittwochabend belichtete Momentaufnahme unserer Zeitung ergibt für den gastronomischen Abschnitt der Obrigkeitsweisung einen sehr individuellen Umgang mit dem Willen des Gesetzgebers. "Die Ankündigung einiger schmökender Stammgäste, demnächst nicht mehr erscheinen zu wollen, versetzt mich nicht in Panik", verdeutlicht Fenkners Hermann quasi stellvertretendfür die gesamte Zunft. Der Chef des Traditionshauses setzt wie viele Kollegen auf die Einsichtsfähigkeit der Nikotinliebhaber. Anderenorts beeinflussen bauliche Konstellationen die Meinungen. Wo die strikte Befolgung der Nichtraucherschutzpolitik, respektive die Ausweisung separater Tobakkabinette, nur schwierig oder gar nicht möglich ist, überwiegen gradlinige Aussagen - "wir werden in der Entfaltung unserer Persönlichkeit beschränkt" - die Szenerie. Wo die baulichen Umstände ohne weiteres Gesetzeskonformität gestatten, dominieren entspannte Erklärungen - "das wird sich wunderbar einpendeln" - die Einschätzungspalette. En détail bleibt festzuhalten, dass viele Gastronomen (wie beispielsweise die Betreiber von Minchen, Park Café und Hofapotheke) in ihren Innenräumen das Rauchen generell untersagen. Brauhaus, Ratskeller und Jetenburger Hof verfügen über abgetrennte Bereiche. Etliche Betriebe größeren (Falle) undkleineren (Oskar) Umfangs stellen Aschenbecher auf Wunsch zur Verfügung. Im Schäferhof (Wirt Karl-Friedrich "Carlo" Kerkhoff-Schäfer: "Wir sind ein Glücksfall") und im Petzer Krug ("Wer kontrolliert uns eigentlich?") stehen die Kippengräber nach wie vor auf den Theken. Vermeintlich ganz Gewitzte stellen sich dumm: "Uns hat bislang keiner informiert, wir wissen von nichts." Bemerkenswert ist am Mittwochabend die einhundertprozentige Einhaltung der gesetzlichen Neuerungen in zahlreichen gastronomischen Treffpunkten ausländischen Zuschnitts. Im chinesischen (Bei Xanie) und griechischem (Melathron) aber auch im gutbürgerlich-deutschen (Bückeburger Hof) Segment herrscht - wegen Betriebsferien - völlige Nikotinfreiheit, beim Italiener (Ferrari) wegen Ruhetag, im ehedem bosnischen Altstadtkeller wegen mangelnden Publikumsverkehrs. Ein völlig anders Bild vermittelt unterdessen das Gilde-Stübchen. Die behagliche Einkehr an der Trompeterstraße präsentiert sich qualmgeschwängert wie eh und je. "Wenn ich die Raucher vor die Tür schicke, stehe ich alleine hier", erläutert die Wirtin. Was ihre geschäftliche Existenz nicht nur bedrohe sondern vernichte. Die Chefin agiert allerdings nicht blauäugig. "Ich habe mich bei den zuständigen Stellen schlau gemacht und zunächst für die dreimonatige Karenzzeit Grünes Licht bekommen." Für die Zukunft denke sie darüber nach, den (gesetzeskonformen) Tabakgenuss über eine Club- oder Vereinsregelung zu ermöglichen.

Gäste der "Falle" dokumentieren ihre Einstellung mit einem Still
  • Gäste der "Falle" dokumentieren ihre Einstellung mit einem Stillleben - das Foto dokumentiert eine Szene im Außenbereich der Gaststätte. Rechts: Qualmgeschwängert wie eh und je: Im "Gilde-Stübchen" dominieren die Raucher die Thekenszenerie. Fotos: bus
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