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1224 Kilometer Paris-Brest: Ahnser Max Holz fährt ältestes Radrennen der Welt - und kommt ins Ziel

"Am Schlimmsten ist der Schlafentzug"

Ahnsen (mig). Einmal Bretagne und zurück: Am traditionsreichen Fahrradmarathon Paris-Brest-Paris hat in diesem Jahr auch ein Pedaleur aus Ahnsen teilgenommen. Beim 1224 Kilometer langen, ältesten Rennen der Welt startete Max Holz mit über 5300 Teilnehmern als einer von 400 deutschen Radlern. "Ich bin stolz, das geschafft zu haben",meinte Holz nach der kräftezehrenden Langstrecken-Fahrt. Trotz Massensturz, Reifenpannen, Sauwetter und Halluzinationen bewältigte der Pedaleur die Strecke in 72 Stunden.

veröffentlicht am 07.09.2007 um 00:00 Uhr

Endlich auf der Piste: Max Holz. Auf dem kleinen Bild gratuliert

Die gute Gesamtzeit bei einer Durchschnittgeschwindigkeit von 28 km/h ist für den Schaumburger allerdings nicht so entscheidend. "Es zählt vor allem der olympische Gedanke", sagt der Ahnser über das älteste Rennen der Welt, an dem auch Fahrer mit einem Liegerad oder mit Rückwärtsschaltung teilgenommen haben. Sechs lange Tage war Holz unterwegs, manchmal allein, manchmal in einer Gruppe. "Am schlimmsten ist der Schlafentzug", betont der Randonneur, "es war interessant zu sehen, was der Mensch in so einer Situation für Wandlungen durchmacht." Auch das schlechte Wetter machte den Fahrern zu schaffen; rund 1500 der 5300 Fahrer (sogenannte Resignees) gaben sicher auch deshalb in den ersten drei Tagen auf. "Bei mir war die Motivation größer als die Resignation und spätestens wenn man in Brest ist, will man es auch bis Paris schaffen", meinte Holz bei seiner Ankunft. Ein besonderes Lob haben sich aber auch die zahlreichen Zuschauer verdient, die im traditionell fahrradbegeisterten Frankreich sogar nachts an der Strecke standen. "Das hatte teilweise Volksfestcharakter und hat mich ziemlich weitergebracht", sagt Holz nach dem Rennen. Der Stellenwert von Paris-Brest zeigt sich am Internetauftritt der Organisatoren. Im Web-TV konnte man die Fahrer teilweise live verfolgen, es gab viele Berichte von den einzelnen Etappen. Die Vorteile neuester Technik nutzt auch Max Holz. Dank eines engagierten Providers kann man sich dortüber die Tourvorbereitung des Ahnseners informieren und den Rennverlauf aus Sicht des Schaumburgers verfolgen (www.tabula-raser.de). Vor allem die letzten Eintragungen sind schonungslos ehrlich: mit starken Schmerzen in der Wirbelsäule quält Holz sich Richtung Ziel und ist zeitweise den Tränen nahe. "Zu allem Überfluss geht ein eiskalter Gewitterguss hernieder, in mein lädiertes Knie und meine OP-Narbe am Handgelenk bohren sich meterdicke Eiszapfen. Ich trete wie besinnungslos, noch 15 km, kalt, rein, raus, nimmt das denn kein Ende, ich will eine heiße Suppe, Dusche, Bett, Bier, schlafen, schlafen", schreibt er in sein Tagebuch. Als Saint Quentin en Yvelines nach 1224 Kilometern endlich erreicht ist, ist der Ahnsener fix und fertig: "PolizeiZieleinfahrtLeuteklatschenstempelnhinsetzenendeendlichschlafen". "50 Kilometer vor dem Ziel war ich am Ende, würde aber nie so kurz vorher aufgeben", sagt Holz, "ich wusste nicht, dass es noch schlimmer wird." Im Ziel angekommen, wechselt er erst einmal sein Quartier: "Auf dem Campingplatz gab es nur kalte Duschen, und ich war total durchgefroren." Im warmen Hotelbett schläft er mit seiner bis jetzt aufgesparten Jever-Flasche in der Hand ein. Seine nächste Herausforderung sucht Holz im Weserbergland. "Ich will erst einmal hier fahren, im nächsten Jahr geht es dann vielleicht zu den schottischen Randonneuren", sagt er. Allerdings kann er sich gut vorstellen, in vier Jahren wieder beim "ältesten Rennen" der Welt anzutreten. Dann vielleicht sogar mit Sponsor Wolfgang Ermrich. "Ich habe jetzt die Erfahrung, ihn bis zum Ziel durchzubringen", meint Holz. Der sportlich sehr aktive Friseurmeister will sich den Vorschlag überlegen: "Ich werde bis dahin trainieren."

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