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Am Ende nur Mittelmaß

Andreas Kühne-Glaser

veröffentlicht am 01.03.2008 um 00:00 Uhr

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Superintendent

Zu den Wundern der Schöpfung Gottes gehört, dass es unter über sechs Milliarden Menschen keinen Mann und keine Frau gibt, die identisch mit auch nur einem ihrer Geschlechtsgenossen irgendwo auf der Welt wären. Jedes Exemplar der Gattung Mensch ist bislang einzigartig. Mit ganz eigenen Fähigkeiten geboren. Der eine macht mehr daraus, die andere weniger. Es ist eine Aufgabe aller Eltern herauszufinden, wo die besonderen Begabungen ihres Kindes liegen und sie zu fördern. Es ist eine Aufgabe von Schule wohl allen Kindern ein Grundmaß an Wissen mitzugeben - aber jedes Kind zugleich auch seiner besonderen Individualität entsprechend zu stärken und weiterzubilden. Aufgrund der individuellen Unterschiede können nicht alle Menschen alles gleich gut können. Wer sie aber dorthin bringen will, wird im Mittelmaß für alle enden und keinen glücklich machen. Ich fand jetzt von einem unbekannten Verfasser eine schöne Fabel, die genau dies zum Ausdruck bringt: "Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Das zu Lernende bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet. Die Ente war gut im Schwimmen; besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zuüben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten aber waren akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken, außer der Ente. Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachsichtig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Fliegerklasse alle anderen schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden. Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es bekam einen Nervenzusammenbruch wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen und musste von der Schule abgehen. Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr "Dreier" im Klettern und "Fünfen" im Rennen. Die mit Sinn fürs Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Lernstoff aufzunehmen. Am Ende des Jahre hielt ein mutierter Aal, der etwas schwimmen, etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache." Also, liebe Leserinnen und Leser, konzentrieren Sie sich heute auf das, was Sie können. Für das, was nicht zu Ihren Fähigkeiten gehört, finden Sie gewiss jemanden, der es gerne und besser macht als Sie. Nur so funktioniert jedenfalls gutes Zusammenleben unter Menschen.

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