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Die Osnabrücker Spielleute "Obscuratis" verbinden souverän alte Musik mit heutiger Rhythmik

Alternativ rocken - Made im Mittelalter

Obernkirchen. Sie verdienen ihr Geld als Lagerist und Systemadministrator, sie sind Schüler und Student - und damit von Berufs wegen vom Mittelalter weiter entfernt als Klaus Zumwinkel von einer wahren Steuererklärung. Doch bei "Obscuratis" geht die Post ab - und zwar ganz ehrlich. Singend und klingend schiebt sich das Quartett aus Wallenhorst bei Osnabrück um 18 Uhr durch die Obernkirchener Innenstadt, es kann ruhig jeder hören, dass eine neue Band in der Stadt ist. Und nach wenigen Minuten ist nachvollziehbar, wie es damals gewesen sein könnte in Hameln, als der Rattenfänger vorwegschreitend erst die Nager und dann die Kinder einsammelte: Immer mehr Menschen schließen sich "Obscuratis" an, gemeinsam marschiert man schließlich in Kompaniestärke in das "Café Sonnengarten" ein, wo die Band an einem deftig-rustikalen Grillabend für das musikalische Rahmenprogramm zuständig sind.

veröffentlicht am 18.02.2008 um 00:00 Uhr

Es ist eine neue Band in der Stadt: Filia von Museberg, Morti Mo

Autor:

Frank Westermann

Nein, nein, es sei keineswegs die Faszination für das Mittelalter gewesen, die zur Gründung der Band geführt habe, erklärt wenig später Magister Sabellicus im Pressegespräch: "Es war die Liebe zur Musik, die sich auf vielen mittelalterlichen Märkten, die wir privat besucht haben, entwickelt hat", erklärt der Osnabrücker, der seinen bürgerlichen Namen nicht preisgeben möchte - ein bisschen Geheimnis muss sein. Aber er lässt durchblicken, auf welcher Basis die Truppe spielt: auf der der Freundschaft, man kennt sich schon ewig. Gegründet wurde "Obscuratis" vor zwei fast genau zwei Jahren. Da traf sich Magister Scabellicus mitMorti Monumentalis - ein wahrer Hüne, dessen Name sich nach dem ersten Blick erklärt -, die ihre Gemüter zu erwärmen und das triste Grau des Tages zu vertreiben suchten und dafür lustige Klänge auf ihren wunderlichen Instrumenten spielten. Am Ende dieses Abends befand man, dass es an der Zeitwar, sich zu formieren, um durch die Lande zu ziehen, in dem Geheiß, das Volk mit eben diesen Klängen zu unterhalten. Doch die einzige Verbindung zum mittelalterlichen Musik sind die Noten und die Instrumente, die sie zum Teil selbst bauen. Ansonsten, so Magister Sabellicus, "sind wir modern". Soll heißen: "Obscuratis" rocken. "Obscuratis" machen eine Musik aus dem Hier und Jetzt, die von der Rhythmik dem Techno oder dem Heavy Metal deutlich näher steht als dem gediegenen Schalmeienklängen eines Walter von der Vogelweide. "Wir betrachten uns als mittelalternativ", erklärt Filia von Museberg, die Schalmeien, Sackpfeifen und Violine spielt. Sie spielt mit, weil sich für das Gründerduo bei der Straßenmusik schnell herausstellte, dass es schier unmöglich war, dass die zwei Gesellen allerlei Instrumente gleichzeitig spielten. So kam es dazu, dass sie sich auf den Weg machten, um neue Gefährten zu finden. Heute sind es bis zu sechs Mitglieder, die mittelalterlich rocken. Zwar beherrschen sie auch die leisen Töten, wie sie später beim mittelalterlichen Schmaus der Gäste beweisen, aber gut, so richtig gut sind sie erst, wenn sie die höheren Betriebstemperaturen erreichen. Und so mag Magister Sabellicus den Vergleich mit Apocalyptica, der finnischen Musikgruppe, die neben eigenen Stücken auch bekannte Metal-Lieder auf Cello spielt und so normale Genrebezeichnungen sprengt, zwar nicht so gerne hören ("Ist deutlich eine Nummer zu groß"), aber die Vorstellung, eines Tages mit seiner mittelalternativen Band in Wacken auf der Bühne zu stehen - nun ja, "warum eigentlich nicht?" Längst ist die Band dazu übergegangen, ihre eigenen Lieder zu schreiben, immer nur die Klassiker zu spielen, das reicht ihnen nicht mehr, "obwohl sich natürlich die bekannten Lieder zu Anfang immer am besten spielen lasen", erklärt der Magister. Erst nach fünf Monaten wurde auch ein passender Name verwendet. Wo haben sie ihn gefunden? "In der Disko", erklärt Morti Monumentalis von der Höhe seiner sicher gut zwei Meter herab. Doch ob es an den durchaus obscuren Persönlichkeiten lag, die sich da zusammengefunden haben, oder ob doch eher der Met schuld war, das vermag heute niemand mehr zu sagen. "Obscuratis" sind heute ganz gut im Mittelalter-Geschäft. Zwei, drei Auftritte pro Monat in der Saison sind es in aller Regel, passt die Zusammenstellung, dann begleiten die klingenden Musikanten einen der vielen Mittelalter-Märkte auch über einen längeren Zeitraum. Dass es ihnen Spaß macht, dass sie mit großer Begeisterung dabei sind, ist ihnen in jeder Sekunde des Auftritts anzumerken. Wie ernst sie ihre Passion nehmen, zeigt sich in der Stunde vor dem Auftritt: Das Quartett schaut sich gemeinsam die Innenstadt an, schnell wird überlegt, ob hier ein mittelalterlicher Markt hinpassen würde. Er würde, vor allem auf dem Kirchplatz, sind sich die vier Osnabrücker Musiker einig. Wer weiß, vielleicht haben sie Sonnabend ja nicht das letzte Mal in der Bergstadt alternativ gerockt. Dann dürfte wieder die Post abgehen.



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