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219 Plätze gegenüber 300 in Stadthagen / Zwei Projekte fertig in der Schublade: "Wann tut sich was?"

Altenpflegeheime: "Rinteln hat Nachholbedarf"

Rinteln (crs). Die alternde Gesellschaft stellt die Kommunen unter Handlungsdruck, aber in Rinteln bleiben die fertigen Pläne für zwei Alten- und Pflegeheime seit Monaten in der Schublade. Die "Desiderya GmbH" will am Behringweg ein 72-Betten-Haus bauen - seit April rührt sich die Stadt in dieser Angelegenheit nicht. In das Projekt für das Gelände des früheren Bauunternehmens Distelmeier am Ostertor kommt hingegen langsam Bewegung: Das DRK möchte hier ein Pflegeheim betreiben, die Sparkasse als Eigentümerin hofft auf einen "Durchbruch bis zum Herbst".

veröffentlicht am 27.02.2009 um 14:39 Uhr

Liebevoll umsorgt werden die alten Menschen im Azurit-Seniorenze

"Wir br auchen definitiv mehr Pflegeplätze für alte Menschen", bewertet Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz beide Vorstöße grundsätzlich positiv. Gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels habe Rinteln hier Nachholbedarf. Ob es in der Stadt aber Bedarf für gleich zwei neue Pflegeheime gebe, wagt der Bürgermeister nicht zu prognostizieren: "Das ist wohl an der Kante." Um genau diese Frage zu klären, hatten Bauausschuss und Verwaltungsausschuss im April die Beratung über die Änderung des Bebauungsplans am Behringweg verschoben. Reinhard Brandt als Leiter des Kreissozialamtes bestätigt grundsätzlich Nachholbedarf für Rinteln. "Rein rechnerisch kann die Stadt weitere Pflegeplätze gutverkraften", sagt der Experte. Eine Auskunft allerdings ohne Gewähr für Investoren: "Jeder Betreiber handelt auf eigenes wirtschaftliches Risiko." Im Stadtgebiet gibt es derzeit drei reine Altenpflegeeinrichtungen - das Seniorenheim in der Landgrafenstraße (89 Plätze), den Marienhof in Steinbergen (52 Plätze) und das Azurit-Seniorenzentrum in Friedrichshöhe (78 Plätze). Hinzu kommen das privat betriebene Pflege- und Betreuungszentrum Steinbergen mit einem hohen Anteil psychiatrischer Betreuung (99 Plätze) sowie der DRK-"Wiesengrund" im gleichen Ort mit ebenfalls gemischter Belegung (102 Plätze). Das macht für Rinteln als größte Stadt im Landkreis 219 Pflegeheimplätze. Bückeburg und Stadthagen haben mit 278 respektive 300 Plätzen ein deutlich höheres Angebot, von den Hochburgen der Seniorenheime ganz zu schweigen: Die Samtgemeinde Nenndorf bietet rund 500 Plätze, in Eilsen sind es 762. Trotz des rechnerischen Nachholbedarfs gibt es auch vorsichtige Stimmen in Rinteln. Eine Auslastung von weniger als 80 Prozent und "lau belegte Häuser" befürchtet Markus von Puttkamer vom Azurit-Seniorenzentrum bei der Eröffnung weiterer Heime. "Ganz offen und ehrlich: Das könnte für die eine oder andere Einrichtung den Genickbruch bedeuten", meint der Geschäftsführer der Friedrichshöher Einrichtung, der sein eigenes Haus aufgrund der Randlage und der Nachbarschaft zu Nordrhein-Westfalen jedoch außerhalb der dann umkämpften Innenstadt sieht. Auch der demographische Wandel ist für von Puttkamer kein zwingendes Argument. "Die Medizin ist viel weiter, die Menschen leben gesünder, es droht kein Pflegenotstand." Gute Marktchancen für ihre Projekte sehen hingegen das DRK und die Desiderya GmbH. "Der Standort verträgt ein weiteres Pflegeheim", ist Brigitte Stern vom DRK-Landesverband - der das Haus am Ostertor in Kooperation mit dem Kreisverband betreiben will - überzeugt. Sie hofft auf ein positives Ergebnis der Verhandlungen: Seit einigen Monaten führt die Sparkasse Gespräche mit Investorengruppen, bezüglich des Betreibers hat Sparkassen-Vorstand Günther Klußmeyer einen klaren Favoriten: "Das DRK ist unser Wunschkandidat." Mit dem Haus will das DRK neue Wege in der Pflege beschreiten. Kern des Konzepts sind "Hausgemeinschaften": Die Senioren leben wie in einer Großfamilie zusammen und werden mit kleineren Arbeiten in den Alltag eingebunden. Nicht zuletzt die Innenstadt-Lage spielt für das DRK eine zentrale Rolle: "Mobile Bewohner können mit Rollstuhl oder Rollator in die Stadt gehen", sagt Brigitte Stern, daher sei ein lebendiges Umfeld von großer Bedeutung. Noch deutlicher: "Wir würden kein Projekt außerhalb der Stadt machen." Genau das plant die Desiderya GmbH, die in Bad Eilsen bereits das "Haus Désirée" mit 54 Plätzen betreibt und am Behringweg in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus bauen würde. An ihren Plänen hält die GmbH weiter fest: "Wir warten - wann tut sich endlich was?", kann Geschäftsführerin Gönül Maffert die zögerliche Haltung der Stadt nicht nachvollziehen. Mittlerweile hat sie den Eindruck gewonnen, dass "das DRK vorgezogen wird, das finde ich nicht in Ordnung".

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