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Seit zehn Jahren: Uchtdorfer Mühle im Dornröschenschlaf / Erbe der Familie Schneider soll erhalten bleiben

Als würde der Müller gleich um die Ecke kommen...

Uchtdorf (who). Die Mühle der Familie Schneider an der Exter in Uchtdorf hat zu den Zeiten, als der Ort und die Umgebung noch von der Landwirtschaft geprägt waren, zentrale Bedeutung gehabt. Seit Willi Schneider als letzter Müller im Jahr 1996 verstorben ist, liegt die Mühle im Dornröschenschlaf und macht mit ihrem teils archaischen Innenleben den Eindruck, als bräuchte sie nur wach geküsst zu werden, um aus dem Stand wieder feines Mehl für die Bäckerei und groben Schrot für die Tierfütterung zu mahlen.

veröffentlicht am 08.05.2007 um 00:00 Uhr

Viel vom Innenleben der Uchtdorfer Mühle stammt noch aus der Zei

Die Mahlwerke, Schrotgänge und Siebvorrichtungen auf drei Etagen ruhen für immer, obwohl alle technischen Einrichtungen noch voll funktionsfähig sind, zeigt Karin Schneider. Zusammen mit ihrer Familie bemüht sie sich um den Erhalt des Lebenswerks ihrer Eltern. "An Denkmalschutz und den damit verbundenen Auflagen haben wir aber kein Interesse, deshalb wollen wir unser Anwesen lieber selber schützen", stellt die couragierte Müllerstochter klar. Beim Rundgang durchs Gebäude wird schnell deutlich, wie ernst sie es meint und wie tief sie innerlich mit ihrer Mühle verbunden ist. "Ich bin hier direkt am Wasser aufgewachsen und habe meinen Eltern schon als Mädchen bei der Arbeit geholfen,deshalb kenne ich jeden Winkel ganz genau", erklärt sie. Und so sei es auch bei ihrem Vater gewesen, denn: "Er ist mit Leib und Seele Müller gewesen und dazu gelernter Mühlenbauer." Im Jahre 1953 habe er die 1877 erbaute Mühle gepachtet und 1957 gekauft. Wer Willi Schneider und seine Mühle gekannt hat, könnte glauben, ihm im nächsten Moment wieder zu begegnen zwischen den hölzernen Anlagenteilen, die er teils noch selbst gebaut hat. Die an einem Balken lehnende Sackkarre, Reste von Mehl in den Sieben und offen stehende Säcke, sogar noch mit Getreide darin, verstärken den Eindruck. "Dass die Säcke offen stehen, ist in jeder Mühle so, weil so die Mäuse, die es auch in jeder Mühle gibt, die Säcke nicht durchnagen", verrät Karin Schneider schmunzelnd. Vor allem im Interesse ihrer Mutter wolle sie das Gebäude und sein Inneres so belassen, wie es ist. Es habe vor Jahren allerdings auch andere Optionen gegeben, als sich das Freilichtmuseum Cloppenburg für den Erwerb einer Wassermühle interessiert habe, so Karin Schneider weiter. "Das Museum wollte die Mühle komplett abbauen und in Cloppenburg wieder errichten." Dass die Mühle im Dorf geblieben ist, habe mehrere Gründe gehabt, "auch den, dass meine Mutter sich schließlich doch nicht von der Mühle trennen mochte und weil sich das Ganze bis zu 15 Jahren hingezogen hätte". Karin Schneider scheint heute selber froh darüber, dass die Mühle doch nicht umgezogen ist. "Es macht zwar viel Arbeit, aber jetzt tun wir, was wir aus eigener Kraft können, um alles zu erhalten." Wie viel Arbeit dieser Entschluss bedeutet, haben Karin Schneider und ihre Familie vorher geahnt und längst bestätigt bekommen. Immer wieder zeigt die Exter, die direkt an den Grundmauern vorbeifließt und durch den Kanal der Antriebsturbine unter dem Gebäude strömt, ihre zerstörerische Kraft. Wenn das Wasser wieder an den Fugen der Bruchsteinmauern genagt und ganze Quader herausgelöst hat, wird Karin Schneider schon mal zur Maurerin. "Wenn sich die Exter wieder beruhigt hat und flach genug geworden ist, lasse ich mich von meinem Mann von oben mit dem Seil sichern und bessere die beschädigten Stellen selber mit Steinen und Mörtel aus", erklärt sie. Das immer wieder angeschwemmte Treibgut am Schutzgitter vor dem Turbinenkanal sei ein anderes ständiges Arbeitsgebiet. "Ich staune immer wieder, welche dicken Baumstämme uns die Exter ans Ufer legt oder gegen die Mauern stößt. Darüber hinaus wissen wir anhand der aufgelaufenen Flaschen nach jedem Hochwasser immer ganz genau, was zurzeit gerne getrunken wird", philosophiert sie mit einem guten Schuss ihres trockenen Humors. Nach Interventionen von außen war die Familie vor einiger Zeit aufgefordert worden, wegen der Hundehaltung auf dem Grundstück die beiden Zufahrten mit Metalltoren zu verschließen. "Deshalb glauben jetzt viele Leute, wir wollten mit niemandem etwas zu tun haben, was aber gar nicht so ist", klärt Karin Schneider ein Missverständnis auf, das im Ort aufgekommen sei. Der vor einigen Wochen an dieser Stelle geäußerte Gedanke aus der Dorfgemeinschaft, die Mühle eventuell als eine Art Museum zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen, habe sie zunächst befremdet. Karin Schneider: "Ich stelle mir zumindest vor, dass man auf uns zukommt und mit uns spricht. Eine gelegentliche Besichtigung wäre möglich, aufgrund meiner Berufstätigkeit allerdings nur nach vorheriger Absprache."

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