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Ausstellung mit historischen Bildern begleitet Erntefest Hülsede / "Bester Besuch seit 15 Jahren"

Als Jungbauer Reese erstochen worden war...

Hülsede (nah). Jungbauer Reese ist erstochen worden. Das Unglück, das irgendwann im 19. Jahrhundert über eine Familie aus Messenkamp hereinbrach, hat die Zukunft ihres Hofes völlig verändert. Der vertraute Name erlosch. Fortan bewirtschafteten die Lohmanns das Anwesen - bis auf den heutigen Tag. Besucher des Erntefestes der Hülseder Ägidiengemeinde aber konnten noch viel mehr über das Schicksal hiesiger Güter erfahren: Eine kleine Ausstellung begleitete den Tag.

veröffentlicht am 06.10.2006 um 00:00 Uhr

Zufrieden blickte Pastor Heinz-Dieter Wittenborn auf den Trubel, der rund um das Gemeindehaus herrschte. Bereits am Morgen war die Kirche voll besetzt. Mit 170 Christen "ist das der beste Besuch seit mehr als 15 Jahren", resümierte der Seelsorger zufrieden. Helfer hatten den Altarraum mit Blumen und Früchten geschmückt. Andere trugen zum Gelingen des Kindergottesdienstes bei und zum anschließenden gemütlichen Stelldichein zwischen Bratwurstbude und Kuchenbüfett. Musikalische Unterhaltung lieferte die Kapelle Hülsede/Kathrinhagen. Zwar hätte sich Wittenborn viel mehr alte und neue Fotos gewünscht als die tatsächlich an Stellwänden angebrachten. Die Auswahl galt jedoch als beispielhaft dafür, wie sehr sich die Landwirtschaft und die einst dafür genutzten Gebäude gewandelt haben. Scheunen wurden zu Versammlungsstätten, Fabriken oder riesigen Garagen. Selbst die eigene Pfarrscheune, in der frühere Pastoren Tiere hielten und Vorräte lagerten, ist lange zweckentfremdet. Dort hat der Kinderspielkreis sein Reich. Interessant waren auch die Hinweise zum Wandel der Technik: Auf dem Messenkämper Hof Lohmann wurde die Entwicklung für nur 70 Jahre dargestellt - vom ersten Bindermäher bis zum heutigen Fünf-Schar-Pflug. Einen kleinen Vorgeschmack auf weiter notwendiges akribisches Stöbern in der Hülseder Vergangenheit lieferte Kirchenvorsteher Clemens-Christian Stummeyer. Alte Bilder aus dem Dorfleben sollten die Einwohner animieren, selbst in Alben und Schuhkartons zu graben. Denn 2009 feiert die Gemeinde ihr 950-jähriges Bestehen. Und bis dahin soll noch eine ganze Menge dokumentiert werden. Pastor Wittenborn hat indes seine Einladung an Gemeindeglieder und an andere Interessierte ausdrücklich erneuert: Am heutigen Freitag wird um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus ein Experte erwartet, der seine Gedanken zum Wandel dörflicher Strukturen vorstellen möchte. Auch dazu erhofft sich der Seelsorger wie bereits beim jüngsten Kirchgang "ein volles Haus".

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