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Sonntagsausflug ab Feggendorf

Als im Deister noch Steinkohle abgebaut wurde

Von Ingeborg Müller

veröffentlicht am 17.04.2010 um 06:10 Uhr
aktualisiert am 19.04.2010 um 15:13 Uhr

Vor einigen Jahren wurde auch die ehemalige Verladerampe nachgeb

Der Norden des Deisters ist reich an Wanderzielen unterschiedlicher Art inmitten einer ausgeprägten Gebirgslandschaft mit schönen Wäldern. An dem Rundweg, der in Feggendorf beginnen und enden soll, liegen zwei als Kulturdenkmale eingestufte Burganlagen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, die Wirkes- und die noch bedeutendere Heisterburg. Bei beiden informieren Tafeln über ihre vermutete oder erwiesene Bedeutung, außerdem sind die Wälle von Vor- und Hauptburg vor allem bei der Heisterburg gut zu erkennen.

Für den Laien noch interessanter ist allerdings der Feggendorfer Stollen, zumal der Stollenvorplatz liebevoll gestaltet wurde. Er ist ein Zeugnis des einstmals bedeutenden Steinkohleabbaus im Deister. 1831 wurde der Stollen von der hannoverschen Bergbauverwaltung aufgefahren und mit ihm ein Jahr später nach über 100 Metern das Steinkohlenflöz erreicht. Zunächst bis 1879 und dann noch einmal von 1919 bis 1949 wurde hier jene Kohle abgebaut, die wie der Deistersandstein aus der nach der englischen Stadt

Weald benannten Wealdenzeit stammt, einer Formation der Untersten Kreide.

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  • Liebevoll saniert wurde das Mundloch des Feggendorfer Stollens vor einigen Jahren. Fotos: i-r

Vor etwa 135 Jahren verflachte sich das Jurameer, und in der riesigen Strandregion entstanden Moore und Dickichte von üppiger Vegetation. Flüsse aus dem Süden schufen Deltas in diesem Flachmeer und lagerten Sande aus dem Festland ab, die im Verlauf von Jahrtausenden die Waldsümpfe bedeckten. Der Luftabschluss und der Druck der zu Sandstein gewordenen Ablagerungen ließen aus den Pflanzen die Wealdenkohle entstehen, deren Abbau im Deister vermutlich schon im Mittelalter erfolgte, vor allem im 19. Jahrhundert jedoch einen bedeutenden Wirtschaftszweig darstellte. So waren 1910 im Feggendorfer Stollen 65 Bergleute beschäftigt, die 158 Familienangehörige hatten. Fast 40 Prozent der Feggendorfer Bevölkerung war zu dieser Zeit im Bergbau beschäftigt.

Auch der Sandstein wurde in zahlreichen Brüchen im Deister abgebaut, wenn er auch nie jene Bedeutung erlangte wie der aus der gleichen geologischen Formation stammende Obernkirchener Sandstein, der noch heute in den Bückebergen gebrochen wird.

Unser Wanderparkplatz in Feggendorf ist über den an der Bundesstraße 442 liegenden Ort Lauenau zu erreichen, an dessen nördlichem Ende wir nach rechts in Richtung Deister abbiegen. Wir durchfahren Feggendorf auf der Deisterstraße, halten uns rechts und finden im Wald einen großen Parkplatz vor. Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs haben kaum Chancen, Feggendorf zu erreichen, da die Busse dorthin nur an Schultagen zu den entsprechenden Zeiten verkehren.

Rechts vom Parkplatz gibt es einen gut besuchten Waldkindergarten, wir aber gehen geradeaus und folgen damit den Hinweisen zum Feggendorfer Stollen und zur Kreuzbuche. Vorbei an dem Gebäude einer Wassergewinnungsanlage erreichen wir nach kurzem Anstieg links am Weg die Informationstafel über die Wirkesburg, deren fast kreisförmige Wallanlage durch die Bahntrasse zum Feggendorfer Stollen durchschnitten wurde.

Geologische Sondierungsmaßnahmen Anfang des 20. Jahrhunderts haben keine Hinweise auf das Alter der Anlage erbracht, die Bauweise lässt jedoch eine früh- bis mittelalterliche Burg vermuten. Um zum ehemaligen Bergwerk zu gelangen, wechseln wir von dem schmalen Wanderweg nach rechts auf den breiten Schotterweg. Während dieser einst der Kohleabfuhrweg war, handelt es sich bei jenem um den alten Bremsweg.

Oben erwartet uns der erst im Jahr 2005 aufgebaute Nachbau der Verladerampe, wie sie bis 1921 in Betrieb war. Auch sonst gibt es viel zu entdecken, so das Mundloch des inzwischen ständig weiter frei gelegten Stollens, vor dem sehr dekorativ ein Förderwagen steht und anderes mehr.

Für uns beginnt links von dem Gelände auf schmalerem Weg ein gebirgiger Anstieg, ehe wir auf den mit XR gekennzeichneten Roswitha-Fernwanderweg stoßen, dem wir nach links zur Kreuzbuche folgen. Zwar ist kaum auszumachen, welche von den Buchen nun die richtige ist, dagegen überragt das hölzerne Gedenkkreuz deutlich die Vegetation. Eine Schutzhütte an der zum Platz erweiterten Kreuzung lädt zur Ruhepause ein. Dann wandern wir auf dem zur Heisterburg beschilderten Weg nach links weiter und würden deren eindrucksvolle Wallanlage nach etwa 400 Metern über den Europäischen Wanderweg X1 erreichen, wenn wir nicht noch ein weiteres Wanderprogramm vor uns hätten. So stellen wir die Besichtigung der Burg zunächst zurück und biegen auf halbem Weg bei der Gabelung nach rechts ab auf den Roswithaweg.

Der Roswithaweg ist nach Bad Nenndorf ausgeschildert und führt oberhalb der Burganlage im Bogen zu Tal, ehe er unten auf eine Forststraße stößt. Sie bringt uns nach links in eine romantische Schlucht mit der Teufelsbrücke und der beliebten gleichnamigen Waldgaststätte, die irreführend ebenfalls als Heisterburg in den Wanderkarten verzeichnet ist. Hier kann man sich gut für den Rückweg stärken, der jenseits der Gaststätte ansteigt. Er ist nun wieder mit X1 markiert, nachdem sich beide Fernwanderwege bei der Teufelsbrücke gekreuzt haben.

Es läuft sich gut hier bergan. Oben führt bei einem auch auf die Nordic-Walking-Strecke hinweisenden Wegweiser auf der linken Seite ein schmaler Weg nach rechts zum Steilhang der Rodenberger Höhe mit der Aussichtskanzel auf der sogenannten Rodenberger Hütte. Einen prächtigen Weitblick haben wir von hier aus über das Tal der Rodenberger Aue hinüber zu dem nördlichen Teil der Bückeberge. Zum Hauptweg zurückgekehrt, stoßen wir bald auf einen gepflasterten Weg, der uns nach weiteren 700 Metern zur Heisterburg bringt.

Leider gibt es hier am westlichen Eingang in die quadratische Anlage keine Information, die finden wir am anderen Ende des von einem hohen Wall umgebenen Gevierts. Interessante Funde haben bei früh durchgeführten archäologischen Untersuchungen Hinweise auf eine Bau- und Nutzungszeit im 11. Jahrhundert ergeben. Ehemalige Brandstätten mit reichlichen Schlackenfunden beweisen, dass hier einst Eisen geschmolzen wurde.

Kurz vor unserem Einbiegen zur Burganlage waren wir am Fernwanderweg von einem Wegweiser auf den direkten Abstiegsweg nach Feggendorf aufmerksam gemacht worden, zu dem wir nun zurückgehen. Auf dem teilweise bewachsenen Wanderweg geht es zunächst allmählich bergab, ehe wir nach einer scharfen Rechtskurve nach links auf einen schmalen und etwas steileren Pfad geführt werden. Er bringt uns in Höhe der Wassergewinnungsanlage auf unseren Anstiegsweg und zum Parkplatz zurück.

Nahe der Teufelsbrücke

liegt in einer Schlucht die Waldgaststätte Heisterburg.

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