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Plattdeutscher Abend kommt in Ahnsen gut an / Erinnerungen an gute und schlechte Zeiten / Strenge Sitten bei der Brotzeit

Als ein Jagdbomber auf dem Golfplatz Bruch machte ...

Ahnsen (sig). "Genau so hatten wir uns das vorgestellt; keine langen Vorlesungen aus irgendwelchen Büchern, sondern freie Vorträge, das Erzählen von Döneken und eigenen Erlebnissen auf Plattdeutsch", versicherten Friedrich Winkelhake und Dieter Gutzeit dieser Zeitung. Auf diese Weise ist der Plattdeutsche Abend auf der Diele der Familie Drinkuth in Ahnsen für alle Teilnehmer zu einem wiederholenswerten Erlebnis geworden.

veröffentlicht am 26.05.2008 um 00:00 Uhr

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Eine erstaunliche Feststellung gleich zum Anfang: Es waren deutlich mehr Frauen als Männer dar. Natürlich gehörten bereits alle den "besseren Jahren" an. Bei der jüngeren Generation ist es offensichtlich nicht weit her mit den Kenntnissen vom heimischen Dialekt. Mit dem Sterben der Bauernhöfe in den Dörfern scheint die hier einst sehr beliebte Mundart immer mehr abzunehmen. Zu Wort kamen bei Bier und Wein oder auch Mineralwasser alle am langen Tisch. Besonders viel aus dem "Nähkästchen" hatten Heinrich Struckmeier (Krainhagen) und Friedrich-Wilhelm Lohmann (Ahnsen) zu plaudern. Natürlich ging es vorrangig zunächst um Erlebnisse aus der Schulzeit, auf den landwirtschaftlichen Höfen, bei der Ernte und bei besonderen Ereignissen wie Familienfeiern. Es kamen auch strenge Sitten zur Sprache. Früher war Schluss mit der Brotzeit, wenn der Chef fertig war. Was bedeutete, dass diejenigen, die länger gearbeitet oder langsam gegessen hatten, hungrig wieder aufstehen mussten. Eben deshalb versuchte man den Chef möglichst in ein längeres Gespräch zu verwickeln. Auch beim Zusammenstellen der Speisen war man nicht gerade zimperlich. "Wenn's sein musste, haben wir auch Butter und Mettwurst auf den Potkaken geschmert (Topfkuchen geschmiert)", versicherte Heinrich Struckmeier, der zur Gesprächsrunde der Stadthäger "Frünne" (Freunde) gehört. "Zur Mittagszeit wurden erst einmal die Pferde versorgt, denn sie waren unser wichtigstes Arbeitsgerät", ergänzte der Krainhäger. Den Unterschied zu früher stellte Friedrich-Wilhelm Lohmann mit der Feststellung heraus: "Wenn du heute zu einer Verwaltung kommst, und der Computer ist ausgefallen, dann können sie dort nur noch Kaffee trinken, mer jat nich (mehr geht nicht)." Besonders interessant waren natürlich die Berichte über Bombenabwürfe und den Absturz feindlicher Flugzeuge im letzten Weltkrieg. Auch das landwirtschafliche Anwesen der Familie Drinkuth in Ahnsen war im März 1944 von einer Luftmine getroffen worden. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude musste danach abgerissen und ein Jahr später wieder aufgebaut werden. Ein Pilot wollte offensichtlich die Jägerkaserne treffen; seine Bomben landeten aber 500 Meter weiter südlich und vernichteten eine Gastwirtschaft und zwei Wohnhäuser. Von einem anderen Jagdbomber erzählte man, dass er eine Bruchlandung auf dem heutigen Golfplatz gemacht habe. Dessen Pilot sei in den Harrl geflüchtet, wurde dort aber gefangen genommen. Friedrich Winkelhake wusste zu berichten, dass eine Maschine in Baumhöhe aus Richtung Bückeburg gekommen sei und vor dem Heeßer Friedhof auf die Böschung stürzte. Niemand wollte sich vorstellen, dass sie wenige Augenblicke später auf das Schulgebäude gefallen wäre. Es gab so viel Gesprächsstoff, dass sicherlich weitere Abende mit "Platt op de Deel" in der Samtgemeinde folgen werden.

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