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Was historische Landkarten verraten: Ausstellung des Stadtmuseums in der Info-Galerie /Älteste Karte von 1591

Als die Stiftsdamen in Sicherheit gebracht wurden...

Obernkirchen (sig). Wer historische Landkarten zu lesen versteht, dem verraten sie viel Aufschlussreiches aus der Entwicklungsgeschichte einer Region. Rolf-Bernd de Groot, der das Obernkirchener Berg- und Stadtmuseum leitet, hat eine Reihe echter "Schätzchen" zusammengestellt und zeigt sie zurzeit in der Info-Galerie. Am vergangenen Wochenende eröffnete er diese ungewöhnliche Ausstellung im Beisein einer interessierten Besucherschar, die nicht nur aus der Bergstadt kam.

veröffentlicht am 23.09.2008 um 00:00 Uhr

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Rolf-Bernd de Groot ist ein herausragender Kenner der Heimatgeschichte und weiß Karten zu lesen und zu deuten. Aus dem erstaunlichen Fundus seines Museums hat de Groot eine Art Querschnitt herausgesucht. Dabei ging es ihm nicht nur um eine chronologische Folge, sondern auch um die verschiedenen Arten von Plänen und um ihre jeweils ganz eigene Entwicklungsgeschichte. Als kleine wertvolle Kunstwerke bezeichnete er vor allem die frühen handkolorierten Exemplare. Der besondere Wert dieser Ausstellung liegt auch darin, dass es sich bis auf zwei Objekte um Originale handelt. Dasälteste Exemplar stammt aus dem Jahre 1591. Es wurde zur Vorbereitung eines Prozesses vor dem Reichskammergericht gezeichnet. Damals ging es um Auseinandersetzungen zwischen dem Hildesheimer Bischof und dem Stiftsadel. Bei dem Überfall einer 500 Mann starken Militäreinheit aus Hildesheim wurden die Obernkirchener Stiftsdamen noch rechtzeitig nach Bückeburg in Sicherheit gebracht. Um 1680 wurde in Amsterdam eine Karte gestochen und koloriert, die den sogenannten westfälischen Reichskreis zeigt. Sie stimmt nicht mit den Landesgrenzen überein. Auch Straßen wird man hier vergeblich suchen. Für ein deutlich später angefertigtes Exemplar war der Bückeburger Hofmaler Strack zuständig. Er wollte mit der Karte, die nicht sehr genau ist, vor 200 Jahren auf die touristischen Angebote desdamals von der Fürstin Juliane gegründeten Heilbades Eilsen hinweisen. Dazu gehörten Wassermühlen, Burgen und Ruinen. Eine Grenzkarte von Kurhessen, zu dem einst die Grafschaft Schaumburg gehörte, lässt bereits erkennen, dass Trampelpfade wie zum Beispiel die Kirchwege zu wichtigen Verkehrsverbindungen wurden. Die endgültige Grenzziehung zwischen den beiden Schaumburger Kreisen zeigt ein Grenzatlas von 1733, dazu noch die damaligen Stadttore und Stadtgräben. Ein Katasterplan von 1778, hergestellt von einem hessischen Landvermesser, führt in einer Agenda unter anderem folgende Baulichkeiten auf: Gefängnis und Spritzenhaus, Brauhaus, Armenhaus, drei Schulhäuser, zwei Pfarreien, eine Stiftsverwaltung, eine herrschaftliche "Propstey" und ein "Wohnhaus reitender Fürst". Als "Grubenriss" bezeichnete Rolf-Bernd de Groot ein Kartenwerk, das die Lage sämtlicher Stollen und Schächte sowie der Abbau- und Förderstrecken rund um Obernkirchen um 1865 festgehalten hat. Der Stiftsbezirk ist offensichtlich von der Steinkohlengewinnung ausgenommen worden - vor dem "Sonnenhof" stoppte der Abbau. Außerdem gibt es einen Bebauungsplan der Innenstadt, in dem spätere Bauten wie die katholische Kirche schon rot unterlegt waren. Offensichtlich eine ganz andere Funktion hatte eine preußische Militärkarte aus dem Obernkirchener Raum. Sie sollte einem Artillerieoffizier zu einer Übersicht über erhabene Punkte im Gelände und wichtige Gebäude verhelfen. Feindliche Truppenbewegungen sollten darin ebenfalls erfasst werden. Dieses naturgemäß nicht kartografisch genaue Werk stammt aus dem Jahre 1865. Insgesamt können in der Info-Galerie 18 solcher Karten und Stadtpläne besichtigt werden, und zwar bis zum 20. November. Sie stehen unter dem Motto "Grenzen, Gräben und Geografen".

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