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Und manchmal bekamen die müden Mitkonfirmanden sogar 20 Pfennige für ihre Hilfe

Als die Jungs beim Orgeln noch einschliefen

Hilligsfeld. Auf einer kleinen Anhöhe mitten in Klein Hilligsfeld steht die St. Martini Kirche. Beeindruckend ist auf den ersten Blick die Geradlinigkeit mit der Altar, Kanzel und Emporen zu einer Einheit verschmelzen, wobei das den Raum erhellende Weiß an Wänden und Holzverkleidungen sein übriges zu diesem Eindruck beiträgt. Helgard Wittkopf erklärt: „Es handelt sich hier um einen streng klassizistischen Bau. Es ist die fünfte Kirche hier, die 1815 gebaut wurde.“ Vier Jahre später, also 1819, sei der Turm hinzugekommen, führt die 64-jährige angehende pädagogische Kirchenführerin aus.

veröffentlicht am 07.12.2009 um 13:21 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 13:30 Uhr

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Mit der romantischen Meyer-Orgel aus dem Jahre 1836 verbindet Wittkopf aber nicht nur einen schönen Klang, sondern vor allem den Menschen, der sie seit fast 70 Jahren spielt. Kirchenvorstandsmitglied Anneliese Ketelhake stimmt zu und berichtet: „Schon als kleiner Junge hat Ernst Rautmann diese Orgel gespielt und damals war es hin und wieder seine Mutter, die die Bälge für ihn getreten hat.“ Der heute 78-jährige Rautmann erinnert sich noch gut an das Jahr 1944, als er zu Ostern die Orgel spielte. „Meine Mitkonfirmanden haben an dem Tag durchgehalten“, sagt Rautmann scherzend und erzählt, dass das nicht immer so gewesen sei. „Hin und wieder sind die Jungs auch eingeschlafen und manchmal habe ich ihnen auch 20 Pfennig für ihre Hilfe gezahlt“, fügt er an. Als „seine alte Dame“ – wie Rautmann das Musikinstrument liebevoll nennt – 1952 einen elektrischen Motor bekam, war er auf das Ausgeschlafensein der Bälge-Treter nicht mehr angewiesen.

Der Hochaltar mit seiner reliefartigen Gestaltung soll laut Pastor Jürgen Harms die hohe Stadt Jerusalem darstellen. Die beiden mit Vorhängen drapierten Eingänge zur Sakristei sehen aus wie Portale in die berühmte Stadt. Fenster und konisch zulaufende Säulendarstellungen komplettieren den fassadenartigen Eindruck.

„Früher gab es in dieser Kirche eine feste Sitzordnung“, sagt Harms und erklärt, dass bis 1964 die Hilligsfelder links und die Rohrser Gläubigen rechts gesessen hätten. Wer in Gut Oehrsen lebte, hatte einen ganz besonderen Platz in der Kirche, wie der Pastor erzählt: „Auf der Empore über dem Altar saß rechts von der Kanzel die Familie des Pastors und links eben die Gut Oehrser Bevölkerung.“ Heute gibt es diese sehr spezielle Hilligsfelder Platzordnung nicht mehr und von der hohen Kanzel predigt Harms heute nur zu hohen Festen, denn der Kontakt zur Gemeinde sei ihm sehr wichtig.

Einen kleinen Schatz birgt der vom Weiten eher unscheinbare Taufstein im Chorraum der St. Martini Kirche. Zwar ist der Bergkristall, der den Berg Moses symbolisieren soll, auf dem Deckel des Taufsteins schon ein echter Hingucker, aber erst wenn eben dieser Deckel gelüftet wird, zeigt sich das Glanzstück des Taufsteins. Ketelhacke berichtet: „Die Taufschale wurde 1894 von Friedrich Strüver, einem Hilligsfelder Bauern, gestiftet.“ Und Wittkopf ergänzt: „In der Mitte ist die Schale nach außen gewölbt, was man heute nur noch sehr selten in Kirchen bestaunen kann. Die Taube in der Mitte symbolisiert den Heiligen Geist.“ Ketelhake dreht die Schale um und zeigt die eingravierte Widmung an den Stifter. Beide Frauen und auch der Pastor betrachten die Schale mit der Widmung mit einer gewissen Ehrfurcht, die ihre Verbundenheit zu ihrer Kirche mehr als deutlich zum Ausdruck bringt.

Die angehende Kirchenführerin Wittkopf führt aus, dass man annimmt, dass es schon im 8. Jahrhundert eine Kirche in Hilligsfeld gegeben habe, und dass das Hamelner Münster ein Ableger der Hilligsfelder Kirche sein könnte. Gewissheit über diese Zusammenhänge bestehe indes nicht, aber viele Indizien deuten darauf hin, dass es tatsächlich so gewesen sein könnte. Heute zeichne sich die Hilligsfelder Kirchengemeinde durch ein vielfältiges Gemeindeleben aus, meint Pastor Harms. Der Theologe, der seit 1997 in Hilligsfeld arbeitet erzählt: „Während unserer ‚Sommerkirche am Bach‘ haben wir beispielsweise mit Bachwasser getauft. Dazu gibt es ein Picknick mit Gottesdienst.“

Und ganz besonders stolz ist Harms auf den lebendigen Adventskalender. „An jedem Tag treffen wir uns bei einem anderen Gemeindemitglied und verbringen dort rund 20 Minuten eines jeden Abends in der Adventszeit. Nachbarn und Freunde sind immer herzlich willkommen.“



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