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Kirchenbücher und Standesamtsregister – unverzichtbare Quellen für Ahnenforscher, Heimatkundler und Ortschronisten

Als der Pastor zu Tinte und Federkiel griff

Unsere Pastores und Prediger sollen auch beständige Jahrbücher halten, worin sie alle dieselben, so von ihnen getaufet, confirmirt, und ehelich zusammen gegeben wurden, mit Fleiß verzeichnen, und solche Bücher von Jahren zu Jahren bey der Kirche verwahrlich hinlegen“, heißt es in der im Jahre 1614 in Kraft gesetzten schaumburgischen Kirchen-Ordnung. Der damals amtierende Graf und spätere Fürst Ernst (1601-1622) bestätigte und bekräftigte damit eine bereits zuvor in seiner Grafschaft geübte Praxis: das Eintragen und Festhalten von „Personenstandsdaten“.

veröffentlicht am 11.02.2012 um 00:00 Uhr

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So waren derartige Aufzeichnungen zuvor bereits in den Kirchengemeinden Deckbergen (nachweislich seit 1580), Fuhlen (seit 1586), Hessisch Oldendorf (seit 1598) sowie in Weibeck und Probsthagen (jeweils seit 1600) üblich. Wann und warum damals hierzulande tätige „Pastores und Prediger“ zu Tinte und Federkiel griffen, um Geburt, Ehe, Tod und andere Ereignisse aus dem Leben ihrer Zeitgenossen auf Papier festzuhalten, ist noch unerforscht. Sicher ist nur eins: Die seinerzeit begonnenen Nachweise stellen heute eine kostbare und einzigartige Fundgrube für die genealogische (familiengeschichtliche) Forschung dar (siehe „Tipps und Hinweise Ahnenforscher und Ortschronisten“).

Allerdings sind Art, Umfang und Ergiebigkeit der Eintragungen von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Ob, wie und was aufgeschrieben wurde, hatte auch und vor allem mit Bildungsstand und Schreibfertigkeit der Pfarrer sowie mit den glaubensmäßig geprägten Rahmenvorgaben zu tun. In etlichen Fällen ist bei Neugeborenen zwar das Tauf-, aber nicht das Geburtsdatum vermerkt. Bei Verstorbenen sucht man des Öfteren das Todesdatum vergebens. Stattdessen ist der Tag der Beisetzung angegeben. Größtes Hindernis für viele heutige Hobbyhistoriker ist die (alt-) deutsche Schrift. Darüber hinaus erscheinen nicht wenige Dokumente beim ersten Hinsehen „unleserlich“.

Etwas besser wurde es mit den Schreibbemühungen erst, als sich die Obrigkeiten für das „Gekritzel“ zu interessieren begannen. Eine 1829 von der Regierung in Kassel erlassene und auch für ihr hessisches Territorium Grafschaft Schaumburg verbindliche „Verordnung über die Führung der Kirchen- oder Pfarrbücher“ gab exakte Weisungen für die Art der Eintragungen vor. Sie seien „mit eigener, gleichförmiger Hand, in deutscher Sprache, richtig und deutlich, wenigstens durchaus leserlich, mit haltbarer, möglichst schwarzer Tinte, auch ohne allzu nachher an den Rand der Seiten zu schreiben“, vorzunehmen, ließ der damalige Kurfürst Wilhelm II. die Pfarrer wissen. Besondere Sorgfalt müsse auch auf die korrekte Schreibweise der Namen gelegt werden. Sie dürften „nicht nach Gutdünken oder nach dem bloßen Klange, sondern gerade so, wie sie der Anzeigende selbst oder wie man sie in seinem Wohnorte zu schreiben pflegt“, übernommen und zu Papier gebracht werden, „so daß z. B. nicht einmal Bäcker, Kaiser, Möller oder Schmied, an anderer Stelle oder in ähnlichen Fällen aber Becker, Kayser, Müller oder Schmitt geschrieben wird“.

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Bei der Vorbereitung des Kirchenbuch-Stöberns via Bildschirm helfen Marion Wolthusen und/oder ihre jeweils diensthabenden Kolleginnen und Kollegen.

Spätestens bei der Suche nach den eigenen Vorfahren oder den einst in der Nachbarschaft beheimateten Zuwanderern, Auswanderern, Berufsgruppen und Familien kommt man am Durchforsten von kirchlichen und/oder staatlichen Personenstandsregistern nicht vorbei. Wichtigste, weil einzige für die Zeit bis 1875 greifbare Quelle sind die Kirchenbücher. Spätere Angaben im Zusammenhang mit Geburt, Ehe und/oder Todesfall sind auch in den zum 1.7.1876 reichsweit eingeführten staatlichen, von kommunalen Standesbeamten zu betreuenden Registern zu finden.

Erste und wichtigste Anlaufstelle für heimische Spurensucher ist das Staatsarchiv Bückeburg. In der im östlichen Vorflügel des Residenzschlosses untergebrachten Einrichtung kann man alle Kirchenbücher aus dem einstigen und heutigen Gebiet Schaumburg sowie das Gros der seit 1875 in den hiesigen Standesämtern vorgenommenen Eintragungen nachlesen. Nicht bzw. noch nicht in Bückeburg einsehbar sind die Register der Standesämter Stadthagen und Rinteln. Die Verlagerung aus Stadthagen wird derzeit vorbereitet. Die Stadt Rinteln will ihre Unterlagen vorerst behalten.

Das Stöbern in den schaumburgischen Kirchenbüchern ist nur im Staatsarchiv möglich (Öffnungszeiten Mo-Fr 8.00 bis 16.00 Uhr). Die gewünschten Seiten können via Bildschirm sichtbar gemacht und bei Bedarf ausgedruckt werden. Computerkenntnisse sind nicht erforderlich. Bei der Vorbereitung stehen fachkundige Mitarbeiter (-innen) zur Verfügung. Wer sich darüber hinaus ausführlich über das A und O erfolgreicher Familienforschung informieren möchte, findet dazu ausführliches Info-Material.

Hinweis: Wer tiefer in die Nutzungsmöglichkeiten des im Bückeburger Archiv aufbewahrten Kulturguts einsteigen möchte, der sei auf ein entsprechendes Angebot der VHS Schaumburg hingewiesen. Dort geht Ende Februar/Anfang März an drei aufeinanderfolgenden Dienstagen (28.3 sowie 6. und 13.4., jeweils 18.00 bis 19.30 Uhr) ein Einführungskurs zur Recherchearbeit in der Bückeburger Einrichtung über die Bühne. Neben einer Führung ist auch eine Anleitung in das Lesen älterer Dokumente (deutsche Schrift) – wie beim Lesen und Verstehen der alten Kirchenbücher erforderlich – vorgesehen. Dozent ist der Chef des Staatsarchivs, Dr. Stefan Brüdermann.

Den Erfolg ihrer Bemühungen verdankt die wachsende Zahl der heute hierzulande tätigen Ahnenforscher und Ortschronisten nicht zuletzt dem Grafen und späteren Fürsten Ernst. Der vor 400 Jahren amtierende Landesherr schrieb das Führen von Kirchenbüchern im Lande verbindlich vor.



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