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In der Vorweihnachtszeit erzählt die Dewezet wieder Geschichten aus unseren Kirchen

Als der Pastor an den Leuchter donnerte

Thüste. Vor sechs Jahren haben die Thüster das 250-jährige Bestehen ihrer St.-Jürgen-Kapelle gefeiert. Das kleine Gotteshaus an der Hauptstraße des Ortes wurde seinerzeit in nur einem Jahr erbaut und 1753 feierlich eingeweiht. Bereits vor der Reformation soll an derselben Stelle eine andere Kirche gestanden haben – Aufzeichnungen belegen, dass diese frühere Kirche den Namen „St. Georg“ trug, wie Dorfchronist Horst Stüben erzählt.

veröffentlicht am 03.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.12.2009 um 10:35 Uhr

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Stüben erinnert sich selbst gut an die Zeit der St.-Jürgen-Kapelle in der 60er-Jahren. Damals, so berichtet er, habe sich der Glockenturm noch direkt über dem Altar befunden. „Wenn die Jungen zum Gottesdienst läuteten, dann sah das schon sehr urig aus“, fügt der 81-Jährige an. Während die ersten Gemeindemitglieder bereits auf den Bänken Platz genommen hatten, wurde der junge Glockenläuter jedes Mal von dem Seil in die Höhe gehoben.

In der kleinen Saalkirche sind Orgel, Kanzel und Taufstein auf der linken Seite der Kirche zu einer Einheit verschmolzen, während auf der anderen Seite weitere Bänke aufgestellt sind. Getrennt werden beide Seiten quasi von dem Altar, der mit Thüster Sandstein verkleidet ist. Stüben: „Früher war die Kanzel über dem Altar.“ Dass gerade in diesem kleinen und für eine Kirche auch recht niedrigem Raum einst ein Hochaltar gestanden haben soll, ist nur schwer vorstellbar – wird aber durch alte Fotos und Dokumente bewiesen. Gerade die Höhe des Innenraums hatte ihre Tücken, wie Stüben erzählt: „Heute hängt der Kronleuchter immerhin so hoch, dass selbst große Menschen sich nicht den Kopf stoßen können.“ Das sei aber nicht immer so gewesen. Er erinnere sich noch sehr genau an Pastor Schwabe, der wie der heutige Pastor Siedersleben mit einer enormen Körperlänge gesegnet war. Eines Tages sei Pastor Schwabe nicht aufmerksam gewesen und habe sich den Kopf an dem Kronleuchter gestoßen. „Der Zusammenprall war halb so schlimm, aber der Kronleuchter baumelte fast den ganzen Gottesdienstes lang, und für mich und auch die anderen Kirchgänger war es sehr schwierig, sich auf die Worte des Pastors zu konzentrieren.“

Umso erstaunlicher ist es, dass trotz der geringen Höhe eine Empore das Gotteshaus ziert. An der Westseite, direkt über dem Eingang gelegen, ist sie heute eher funktional denn als sakrales Interieur zu verstehen. Wie die meisten Dörfer im Osten des Landkreises, war auch Thüste nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erste Anlaufstation für die vielen Flüchtlinge aus dem Osten. Die Zahl derer, die katholischen Glaubens waren, sei enorm groß gewesen, berichtet Stüben und so sei die St.-Jürgen-Kapelle bis 1978 auch Gotteshaus für die Katholiken gewesen. Als Tischler habe er die Flüchtlinge aber nicht nur in der Kirche begleitet, erzählt Stüben, sondern auch für viele von ihnen Möbel und Einrichtungsgegenstände gebaut. „Die hatten ja fast nichts und viele mussten von vorn anfangen.“

In dem 1951 angebauten Westvorbau und heutigen Eingangsbereich der Kirche findet sich die ehemalige Eingangstür der Kirche. Horst Stüben hat sie aufwendig restauriert und konserviert. Zwar sei nur der Unterteil zu retten gewesen, berichtet Bestattungsunternehmer Stüben, aber immerhin sei ein einmaliges Stück Zeitgeschichte in Thüste erhalten worden.



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