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Rinteln unterhält die letzten Flüchtlingsheime im Landkreis Schaumburg

Als Asylbewerberin angekommen - bald Ausbildung als Zahnarzthelferin

Rinteln (wm). Nachdem das Asylbewerberheim am Fasanenweg in Stadthagen vor kurzem geschlossen worden ist (wir berichteten) gibt es im ganzen Landkreis Schaumburg nur noch zwei Flüchtlingsheime: in Rinteln. Ein Heim ist am Bahnhofsweg, das zweite an der Waldkaterallee. In beiden Häusern sind zurzeit rund 60 Asylbewerber und Flüchtlinge aus 15 verschiedenen Nationen untergebracht, darunter fünf Familien, betreut von Sozialarbeiter Norbert Rose. Weitere 23 Flüchtlinge werden in Rinteln noch erwartet - dann sind beide Heime voll belegt. Die Zahlen sind, betonte Erster Stadtrat Jörg Schröder, aber immer nur Momentaufnahmen, bedingt durch die Fluktuation. Um die Asylbewerberheime ist es still geworden, sie sind aus den Schlagzeilen wie dem Bewusstsein der Öffentlichkeit so gut wie verschwunden und das hat zwei Gründe:

veröffentlicht am 22.02.2008 um 00:00 Uhr

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Die Aslybewerberzahlen sind deutlich zurückgegangen. Zu Hochzeiten der Flüchtlingsbewegung zwischen 1992 (mit Beginn des Balkankrieges) und 1998, waren zeitweise über 350 Flüchtlinge in Rinteln untergebracht. Es gab Heime in Strücken, Deckbergen, Schaumburg, Möllenbeck, Friedrichswald und mehrere Unterkünfte in der Kernstadt. Zeitweise waren Asylbewerber sogar auf Matratzenlagern in der Mehrzweckhalle in Engern und im Keller der Grundschule Nord untergebracht. Obwohl nach wie vor viele Flüchtlinge aus Westafrika, der Elfenbeinküste und Algerien in Rinteln im Wohnheim wohnen, sind auch Drogen kein Thema mehr, die letzten Dealer vor Jahren gefasst und verurteilt worden. Trotzdem halte sich das Vorurteil hartnäckig in der Stadt, bei Afrikanern könne man Drogen kaufen. Seine Asylbewerber, erzählt Rose, würden in der Stadt von Konsumenten gezielt darauf angesprochen und kämen dann zu ihm und wollten verblüfft wissen, "was da überhaupt läuft". Im Gegensatz zu früher seien Konflikte unter den unterschiedlichen Nationalitäten wie religiösen Bekenntnissen selten, betont Rose. Man verständige sich auf Englisch, Französisch, mit Händen und Füßen, viele, die schon länger in Deutschland lebten, würden inzwischen auch schon ganz gut Deutsch sprechen. Und es gibt Beispiele gelungener Integration. So könne eine achtköpfige Familie aus Syrien mit Kindern im Alter von acht bis 22 Jahren - drei gehen hier zur Schule - demnächst in eine eigene Wohnung umziehen. Seit acht Jahren lebt die Familie in Rinteln. Eine Tochter wird demnächst eine Ausbildung als Zahnarzthelferin beginnen. Rose: "Nach einem Schulpraktikum war der Arzt so überzeugt, dass er sich sogar persönlich dafür eingesetzt hat, dass das Mädchen eine Ausbildung machen kann." Mehrere Familien kommen aus dem Irak, Einzelpersonen aus Albanien, China, Osteuropa und Vietnam.



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