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Kuchen, Führungen, Informationen und Musik: Starker Andrang bei Museumsfest auf dem Kirchplatz

Alles und alle für den Erhalt des Museums

Obernkirchen (jaj). "Wir helfen dem Museum - vollkommen ehrenamtlich!" wäre der perfekte Leitsatz für all diejenigen, die am Sonnabend das große Museumsfest auf dem Marktplatz initiiert und unterstützt haben. Schon am frühen Nachmittag gab es Kaffee und Kuchen, gebacken von Mitarbeitern des Museums, des Kulturfensters und von vielen Freunden, die sich dem Museum verbunden fühlen. Die Auswahl war riesig. Von der Friesentorte bis zum Zuckerkuchen war alles vorhanden, und Nachschub gab es am laufenden Band. Während die einen ihre leeren Platten wieder in Empfang nahmen, kamen bis in den späten Nachmittag hinein immer wieder Frauen mit ihren Torten auf den Marktplatz, um so ihren Teil zu der Veranstaltung beizutragen, denn der Reinerlös dient dem Unterhalt des Berg- und Stadtmuseums.

veröffentlicht am 09.09.2008 um 00:00 Uhr

Mal klassisch, mal melancholisch: Die Greentown Jazzband beweist

Und auch hinter den Kulissen wurde fleißig geholfen. Angelika Dell und Ina Kosbart, beide 17, übernahmen als Praktikantinnen des Jugendzentrums das Kaffee-Kochen und das Abspülen des Geschirrs. Um den Eltern einen ruhigen Gang durch das Museum zu ermöglichen, hatte sich das "Lokale Bündnis für Familien in Obernkirchen" die Kinderbetreuung zur Aufgabe gemacht. Mit vielen bunten Farben wurden Steine bemalt, zusammengeklebt und zu schönen Skulpturen gemacht. Auch Hufeisenwerfen und das Spielen mit Bauklötzen standen auf dem Programm. Vor allem das Steinebemalen fand die siebenjährige Melina toll. "Ich hab solche Steine schon mal gesehen, als ich mit meinen Eltern an der Ostsee war", erinnert sie sich. Und nun hat sie die begehrten Objekte auf dem Museumsfest selbst gemacht. Aufregend ging es auch bei den von Siegfried Hoffmann geführten Aufstiegen auf den Kirchturm zu. Vor allem für die Jüngsten stellte schon der Aufstieg über ungleichmäßige Sandsteintreppen eine Herausforderung dar. Doch die Möglichkeit, einmal ein Kirchengewölbe von oben zu sehen und natürlich der tolle Ausblick über dasSchaumburger Land entlohnten für alle Mühen. Und interessierte Ohren erhielten auch die ein oder andere Hintergrundinformation von Hoffmann, der seit mehreren Jahren ehrenamtlich für das Museum arbeitet. So erzählte er, dass der kleine grüne Turm auf dem Kirchdach eine Glocke beherbergt, die immer nur dann geläutet wird, wenn eine Stiftsdame stirbt. Ein weiterer Höhepunkt des Festes war ein Besuch in der alten und gerade sanierten Schlosserei Bornemann. Die Werkstatt wurde 1930 geschlossen, umso erstaunlicher ist es, dass die Schmiede nach fünfzig Jahren, in denen sie nicht genutzt wurde, immer noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Die Geräte funktionieren und auch die ursprüngliche Aufteilung eines Wirtschaftshauses ist noch gut zu erkennen: Neben den wirtschaftlich genutzten Räumen gehörten ein Stalltrakt und Wohnräume zu solch einem Haus. Den Stalltrakt hätte Historiker Rolf-Bernd de Groot gerne mit ein oder zwei lebenden Schweinen bestückt, um die Nutzung zu verdeutlichen. Aus Gründen der Lebensmittelhygiene war es jedoch nicht möglich, sich Tiere von einem landwirtschaftlichen Betrieb auszuleihen. So verdeutlichte dann ein fast lebensgroßes Papp-Schwein den früheren Zweck des Raumes. Wer immer noch nicht genug von der Kultur Obernkirchens hatte, konnte an einer Führung durch die Zehntscheune teilnehmen und dabei einen der seltenen Blicke in das Magazin der Schaumburger Museen werfen. Über Spinnräder, alte Schaumburger Truhen bis zu Kartoffelsortiermaschinen: Hier werden Kulturgüter gelagert, die Aussagekraft für die Schaumburger Vergangenheit haben. Doch auch Gegenstände, die Einzelschicksale dokumentieren, gab es dort zu sehen: So zum Beispiel einen kleinen Wagen, den ein Bückeburger als Transportmittel nutzte, nachdem er im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren hatte. Auch der Garten Brockmann wurde wahrgenommen: Rund hundert Besucher wurden in den vier Stunden gezählt, in denen der Bürgergarten geöffnet war. Am frühen Abend wurde es gemütlich. Über 200 Gäste jeden Alters nutzten die Gelegenheit, den sonnigen Abend bei Wein, Bier und Gegrilltem auf dem Kirchplatz ausklingen zu lassen. Für eine außergewöhnliche Stimmung sorgte dabei die Band "Jojo goes Jazz" aus Schaumburg, sowie die über Europas Grenzen hinaus bekannte "Greentown Jazzband" aus Ljubljana, Slowenien. Die Plätze waren gefüllt und auf dem ein oder anderen Tisch deuteten viele Weingläser auf eine lange Aufenthaltsdauer hin. Sie werden ihr Kommen nicht bereut haben: Die "Greentown Jazzband" präsentierte sich in bester Spiellaune,neben Klassikern wie "Ain't she sweet" oder "It's a long way to Tipperary" intonierte das Sextett auch Blues-Stücke wie "Real Love" von Duke Ellington oder das wunderschöne "Black& blue" von Fats Waller, dessen anrührende Melodie sogar die Steine auf dem Kirchplatz zum Weinen brachte...

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