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Plakatiert haben bisher nur Linke und Piraten / Erst nach Weihnachten legen auch die anderen los

Alles hat seine Zeit – auch der Wahlkampf

Hameln (CK). Alle Herzen werden warm, und es sei Friede auf Erde – die Adventsbotschaften sind eindeutig. Doch eins scheint in diesem Jahr zu stören: der Wahlkampf, mit dem die Parteien für ihre Kandidaten zur Landtagswahl am 20. Januar werben wollen. Eigentlich, ja eigentlich soll das noch nicht so sein, heißt es vielerorts. Doch es hängen in Hameln bereits – wenn auch kleine – Plakate von Linken und Piraten.

veröffentlicht am 07.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.01.2014 um 11:01 Uhr

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„Seit etwa einer Woche haben wir plakatiert, aber nicht so massiv wie sonst“, gibt Peter Kurbjuweit, Ratsherr der Linken, unumwunden zu. Warum seine Partei – sie hat sich im Rat mit den Piraten zusammengeschlossen – das in der Vorweihnachtszeit gemacht hat, begründet er allerdings auch: „Statt Spekulanten Kinder beschenken – das soll die zentrale Botschaft sein.“ Und die passe eben in die Vorweihnachtszeit, weshalb gestern auch der Nikolaus im Auftrag der Linken unterwegs gewesen sei.

„Manche dieser Plakate hängen bereits seit Wochen, Tündern ist geradezu zugepflastert“, kritisiert jedoch Werner Sattler den Aktionismus der politischen Mitbewerber. Die Sozialdemokraten, so der SPD-Stadtverbandsvorsitzende, wollen erst Ende des Monats plakatieren, und zwar am 27. und 28. Dezember, dann aber „möglichst flächendeckend in Hameln und den Ortsteilen“. Geplant sind sogenannte „A0-Plakate plus Ständer, dazu die üblichen A1-Plakate und insgesamt elf Riesenplakate, „Wesselmänner“ genannt. „Wir wollten das nicht vorher machen, um den Bürgern erst einmal eine besinnliche Weihnachtszeit zu gönnen“, begründet Sattler den relativ späten Termin. Briefwähler, die schon vier Wochen vor dem Termin ihre Stimme abgeben können, seien in aller Regel sowieso schon festgelegt. Und im Übrigen werde der Effekt von Wahlplakaten überschätzt: „Untersuchungen haben ergeben, dass Plakate nur zu rund einem Prozent ausschlaggebend sind“, so Sattler. Was die Auswahl angeht, gilt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

„Stimmt“, so Jörgen Sagawe, Ratsherr der Piraten in Hameln. Denn bei der Plakatierung gelte das Windhundprinzip, deshalb habe sich seine Partei auch schon in der Nacht zum 20. November die besten Plätze gesichert. Sagawe ist überzeugt von der „längsten Wirkungsdauer“ und kündigt an: „Großplakate folgen, am Fort Luise und vor dem Schulzentrum Nord stehen sie schon.“

Bei der CDU ist man darüber nicht gerade begeistert. Geschäftsführer Walter Klemme macht deshalb auch ausdrücklich darauf aufmerksam, dass seine Partei, genau wie die SPD, erst am 27. Dezember mit der Plakatierung beginnen werde. „Die Landesgeschäftsführer der großen Parteien haben sich in Hannover auf diese Vorgehensweise verständigt, um die Adventszeit von Wahlwerbung freizuhalten und den Wählern noch ein bisschen Ruhe zu gönnen“, sagt er.

Das sehen im Übrigen auch die heimischen Grünen so. „Wir fangen erst nach Weihnachten mit den Plakaten an“, sagt Landtagskandidatin Anja Piel. Auch sie führt als Grund dafür an, dass die Bürger erst in Ruhe die Weihnachtszeit überstehen sollten. Dass andere bereits jetzt Plakate aufgehängt haben – „das liegt in jedermanns Ermessen“, sagt sie. Sie jedenfalls sei froh darüber, dass die Grünen den Wählern eine Verschnaufpause gönnen.

Froh, geradezu erleichtert – das ist auch Klaus Wennemann. Der Stadtverbandsvorsitzende der Hamelner FDP verweist ebenfalls auf die auf Landesebene getroffenen Absprachen und sagt, seine Partei werde ebenfalls erst ab 27. Dezember plakatieren. Und er kann sich vorstellen, für den Bundestagswahlkampf eine „noch defensivere Plakatierung“ vorzunehmen – nicht flächendeckend, sondern nur noch an sechs Standorten für Großplakate. „Nach spätestens drei Wochen geht mir doch mein eigenes Gesicht auf den Geist.“

Die Kirche sieht die Aktivitäten der Linken und Piraten mit Skepsis. „Ich finde es umsichtig von den anderen Parteien, sich zurückzuhalten. Besinnlichkeit zum Advent gehört ja auch zu unserem Kulturkreis“, so Friedrike Grote, Pastorin der Münsterkirchen-Gemeinde. Und auch Pastor Martin Hoffmann von der evangelisch-reformierten Gemeinde findet es „schön, wenn man abwartet“. Sein Credo: „Alles hat seine Zeit.“



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