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Vor Gericht: Bewährung wegen Untreue

Alles auf eine Karte: 8000 Liter Diesel abgezapft

Auetal/Bückeburg (ly). Die Preise klettern und klettern, Sprit wird zum kostbaren Gut. Wer in solchen Zeiten kostenlos tanken kann, mag sich wie an einer sprudelnden Quelle vorkommen und ist manchmal sogar ein gefragter Mann. "Es war so verlockend", erinnert sich ein 50-Jähriger. Mit Tankkarten seines Arbeitgebers, einer Schaumburger Spedition, hatte der Kraftfahrer innerhalb eines Monats fast 8000 Liter Diesel für eigene Zwecke gefasst und in Fässern abtransportiert.

veröffentlicht am 14.11.2006 um 00:00 Uhr

Die Tatorte: Tankstellen im Auetal, in Hannover und Stadthagen. Der Schaden: rund 8400 Euro inklusive Mehrwertsteuer. In einem Prozess vor dem Bückeburger Amtsgericht ging es jetzt um 14 Fälle von Untreue. Richter Armin Böhm verurteilte den Angeklagten zu sieben Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Als Auflage muss der zwischenzeitlich gefeuerte Fahrer den Schaden wiedergutmachen. "Sie haben einen großen Vertrauensbruch gegenüber ihrem Arbeitgeber begangen", schrieb Staatsanwalt Dieter Liese dem 50-Jährigen ins Stammbuch. Den Sprit will der untreue Mann zum halben Preis an Russen verkauft haben, die er angeblich in einer Discothek in Porta Westfalica kennen gelernt hatte. Sein Motiv: "Es ging nur ums Geld." An einigen Tagen war der entfesselte Zapfer gleich zwei Mal an die Säule gerollt. Im Schnitt liefen pro Füllung etwa 570 Liter durch den Schlauch. Der Rekord lag bei 800 Litern. Vor Gericht gab der Angeklagte all' dies zu, machte einen reuigen Eindruck und versicherte, die Sache sei ihm eine Lehre gewesen. Aufgeflogen war der Spritklau, nachdem in der Spedition Rechnungenüber Tage eintrafen, an denen der Lastwagen überhaupt nicht bewegt worden war, geschweige denn betankt. Eine Tankwartin aus dem Auetal fand es überdies mehr als erstaunlich, dass jemand mit einer Limousine vorfährt und 600 Liter Kraftstoff aus der Zapfsäule ins Spritfass laufen lässt. So vielgeht da nämlich beim besten Willen nicht einmal annähernd rein. Des Rätsels Lösung lieferte die Überwachungskamera: In gestochen scharfen Bildern war zu sehen, dass der 50-Jährige im Personenwagen mit Anhänger vorgefahren war. Hinter der Plane stand ein Fass mit ausreichend Volumen. Auch dies weckte den Spürsinn der Tankwartin. Weil der Kunde keine Kennzeichnung für gefährliche Güter hatte, rief die aufmerksame Frau bei der Polizei an. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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