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Geschwister restaurieren Zwillings-Vierständerhäuser von 1820 / Offen am Tag des Denkmals

"Alleine hätten wir das niemals geschafft"

Feggendorf (nah). Die beiden alten Anwesenöffnen sich einem wie überdimensionale Lehrbücher. Wer etwas über den Bau niedersächsischer Vierständer-Hallenhäuser oder die Lebensweise seiner Bewohner vor rund 190 Jahren erfahren will, sollte sich in Feggendorf umschauen. Zwei historische Gebäude, die sich fast wie ein Ei dem anderen gleichen, erhalten dort ein neues Aussehen. Warum sie geradezu identisch sind, hat seinen Grund: Sie entstanden durch Zimmermeister Heinrich Vos, der damals offenbar viele Aufträge im Deister-Sünteltal erledigte.

veröffentlicht am 04.09.2007 um 00:00 Uhr

"Die Freudeüberwiegt": Noch jede Menge zu tun haben Nicole Paetz

Um die beiden Häuser, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt an der Deisterstraße und Am Brink stehen, ist es auch ein wenig kurios. Denn zwei Geschwister haben sich dafür entschieden, ihr jeweiliges historisches Zuhause nach eher neuzeitlichen Gesichtspunkten herzurichten: Seit zehn Jahren legen Nicole Wehner und ihr Mann Jürgen Langerwisch in jeder freien Minute Hand an Wände und Gefache. Ein Stück weiter sind es seit drei Jahren Matthias Wehner und Nicole Paetzel, die es in Kauf nehmen, eigentlich mitten in einer Baustelle zu leben. Beide Familien wollen nun auch Besuchern am "Tag des offenen Denkmals" den Stand der Bauarbeiten zeigen beziehungsweise etwaigen Nachahmern ihre Erfahrungen schildern. Die Zusage, die Türen der ehemaligen Brinksitzerstellen (siehe: "Zum Thema") zu öffnen, ist sinnvoll, weil der Ausbauzustand sehr unterschiedlich ist: Hier warten nur noch ein Raum, eine Giebelfront und das große Dielentor auf Veränderungen; dort schaut man noch auf kahle und krumme Wände. Natürlich werden Langerwisch und Nicole Wehner stöhnen. "Irgendwann macht es einfach keinen Spaß mehr", gibt die Hausherrin zu. Aber: "Ein altes Haus ist eben eine Lebenseinstellung", fügt sie gleich hinzu. Und anderswo leben als zwischen solchen historischen Wänden wolle sie ohnehin nicht. Geschickt haben beide alt und neu miteinander verbunden. Die Aufteilung der Räume blieb bestehen, deren Deckenhöhe auch. Aber es lebt sich bestimmt weitaus gemütlicher als im vorletzten Jahrhundert: Die große Diele, in der Erntewagen standen und gearbeitet wurde, gilt heute als Mittelpunkt. Hier steht der große Lehmgrundofen. In den Nachbarzimmern, in die seine Strahlungskraft nicht reicht, gibt es eine Fußbodenheizung unter den Fliesen; bei Tochter Larissa im Anbau sorgen Rohre in der Wand für angenehme Wärme. Die eigentliche Atmosphäre aber geht von den Balken und Türen aus. Langerwisch hat das Eichenholz freigelegt, abgeschliffen und sich sogar alte Beschläge besorgt. So wird das kleine Badezimmer mit einem uralten Riegel verschlossen. Und die Türklinken dürften auch schon 150 Jahre alt sein. Auf Schritt und Tritt verraten die beiden Häuser etwas über ihre Geschichte. Noch immer hängen die langen Stangen zur Aufbewahrung der Schinken und Mett-Enden unter der Decke, manche Balken sind vom Räuchern rußgeschwärzt. Bei Nicole Paetzel und Matthias Wehner lassen die Gegebenheiten unschwer erkennen, dass es die ursprünglichen Bewohner etwas leichter hatten als die des Hauses an der Deisterstraße: Das Grundstück ließ sogar eine komplette Durchgangsdiele zu. Mittlerweile haben die beiden jungen Leute fast alle Außenwände erneuert. Auch bei ihnen gab die "Freude am Fachwerk" den Ausschlag, sich für gerade dieses Eigentum zu entscheiden. Feierabende, Wochenenden und teilweise den Urlaub zu opfern, nehmen sie in Kauf: "Die Freude überwiegt", nickt Wehner, "besonders wenn wir einen schwierigen Abschnitt geschafft haben". Und es gibt Freunde. "Allein hätten wir das nicht geschafft." Als erstes entstand der Lehmgrundofen. Es folgten Küche und Bad. Aber: "Wir brauchen bestimmt noch drei Jahre, bis alles fertig ist." Für die Besucher des Denkmal-Tages aber nehmen sie sich Zeit, beispielsweise um die Wandflächenheizung zu erklären, die sie gerade einbauen. Könnte der alte Zimmermeister Vos heute seiner Hände Werk betrachten,würde er den jungen Leuten wohl große Anerkennung zollen. Aber so ein bisschen könnten diese mit ihm auch ins Gericht gehen. Denn Vos hat sich in der Dachkonstruktion entweder geirrt oder verrechnet. Weil an einer Stelle die Traglast zu hoch ist, bog sich im Laufe der Zeit eine Wand leicht nach außen. Kurios: Der Fehler findet sich an beiden Häusern. Zum Thema

Junge Familie zwischen alter Umgebung: Nicole Wehner und Jürgen
  • Junge Familie zwischen alter Umgebung: Nicole Wehner und Jürgen Langerwisch mit Sohn Leo in der Diele ihres Hauses.


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