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Ein wehrhaftes Stück Kulturgeschichte: Ulm und Neu-Ulm feiern in diesem Sommer das 150. Jubiläum ihrer Bundesfestung

Allein die Festungsmauern sind zehn Kilometer lang

Ulm. Ein kahler Baum streckt seine dürren Äste in den blauen Himmel. Tauben lassen sich auf dem spitzenbewehrten Gitter nieder, das das massive Steingebäude vor ungebetenen Besuchern schützt. Hier draußen, nur einen Steinwurf vom pulsierenden Zentrum der Stadt Ulm entfernt, tut sich eine andere Welt auf. Eine Welt aus Stein und Eisen, die in einer Zeit tief greifender politischer Veränderungen errichtet wurde.

veröffentlicht am 03.07.2009 um 15:33 Uhr

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Nach den Wirren der Napoleonischen Kriege wurde 1815 der Deutsche Bund gegründet. Um den neuen Staatenbund nach außen und innen zu sichern, waren politische Maßnahmen und der Bau militärischer Einrichtungen – unter anderem der sogenannten Bundesfestungen Landau, Luxemburg, Mainz oder Rastatt – notwendig. Nach 23 Jahren Planung wurde 1842 mit dem Bau der Bundesfestung Ulm begonnen, deren Fertigstellung sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt. Ein historisches Ereignis, das die württembergisch-bayrischen Schwesterstädte Ulm und Neu-Ulm mit einem großen Festprogramm über mehrere Monate hinweg feiern.

Ein Gefecht gab es hier aber nie

Die Bundesfestung Ulm ist Deutschlands größtes erhaltenes Festungsensemble. Ihre Ausmaße sind enorm: Ein knapp zehn Kilometer langer Gürtel aus Mauern umschließt den älteren Teil der Stadt. In den 16 Außenforts hätten im Falle eines Krieges bis zu 100 000 Soldaten Stellung beziehen können. Dazu aber ist es nie gekommen: „Das einzige Gefecht, das hier stattgefunden hat, war ein Manövergefecht zwischen Bayern und Baden-Württemberg“, sagt Robert Grau und stößt das Eisentor zum Fort Oberer Kuhberg auf.

Der Ulmer im Blaumann ist Mitglied des Förderkreises Bundesfestung Ulm. Jahrzehntelang lag die mächtige Festungsanlage im Dornröschenschlaf, überwuchert von Unkraut, dem Verfall preisgegeben – bis in den 60er Jahren das Interesse an dem militärischen Monumentalbau erwachte. Seit 1974 restaurieren die Mitglieder des Fördervereins den steinernen Zeitzeugen. Steile Wendeltreppen führen hinab in die niederen Gewölbe, in deren dunklen Gängen man sich unwillkürlich duckt. Die schmalen Schießscharten lassen kaum Licht herein.

Gewaltige Mengen von Baumaterial aus der Region wurden verwendet, in der Hochphase des Baus arbeiteten mehr als 8 000 Mann an der Festung. Der preußische Major Karl Ernst Moritz von Prittwitz und Gaffron war vom württembergischen König zum Festungsbaudirektor ernannt worden, da Württemberg über kein eigenes Ingenieurkorps verfügte. Major von Prittwitz und Gaffron plante mit großem Weitblick. Unter anderem verwendete er Entwürfe Albrecht Dürers (1471 bis 1528), der sich neben der Malerei auch mit Mathematik – und dem Festungsbau – befasst hatte. So entwickelte er aus einer Verschmelzung verschiedener Vorgaben und eigener Vorstellungen die „neupreußische“ oder „neue deutsche“ Befestigung, deren Baukosten 16,5 Millionen Gulden betrug, was etwa 400 Millionen Euro wären.

Herzstück der Bundesfestung ist die Wilhelmsburg: Die vier Flügel des Gebäudes umschließen einen 1,3 Hektar großen Innenhof. Hier hätten die Soldaten im Ernstfall die Kasernen bezogen. Heute stehen die rund 800 Zimmer zum großen Teil leer – ohne Großinvestor ist eine Sanierung nicht finanzierbar.



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