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Katharinen-Kirche: Der Restaurator hat die Arbeit beendet und dem Gotteshaus ein einheitliches Aussehen verpasst

"Alle zwei Jahre ein Gerüst aufstellen und nachsehen"

Kathrinhagen. Während seine Mitarbeiterin mit einem Handfön dem Trocknungsprozess auf die Sprünge hilft, steht Paul-Uwe Dietzsch in der Mitte der Kirche und schaut sich prüfend um. Er ist zufrieden: "Gute Arbeit", sagt er. Und: "Das hat dieses Kleinod auch verdient."

veröffentlicht am 26.10.2007 um 00:00 Uhr

Fertig: Die Kontraste zwischen den Wänden und den Malereien sind

Autor:

Frank Westermann

Der akademische Restaurator kann das beurteilen. Sein Atelier bei Bremen hat er 1984 eröffnet, in der letzten Zeit hat er in Hannover die Gartenkirche restauriert ("Unser bislang größtes Objekt"), in Haverbeck hat er der Kanzel die einstige Renaissancefarbigkeit zurückgegeben ("War alles weiß gestrichen"), und in Linse bei Bodenwerder hat er in der Kapelle Malereien des späten 19. Jahrhunderts freigelegt: "Wir haben sie für den Betrachter zurückgewonnen." In Kathrinhagen war nichts freizulegen, nichts zurückzugewinnen, wie Dietzsch sagen würde, aber als reines Handwerk würde er die Arbeit der letzten acht Tage nicht einstufen, da hat er auch seinen beruflichen Stolz: Eine (kleine) Kunst sei es schon, die Malerei zu reinigen und zu festigen. Das habe sie auch nötig gehabt: "Sie war richtig puderig." Puderig? "Na, bei den Ornamenten haben die Mikroorganismen zerstört und zersetzt. Dann fehlt der Farbe die Bindung und man hat rote Farbe an den Fingern, wenn man sie anfasst. Sie fühlt sich dann, na ja, eben pu drig an." Im Mittelpunkt der Arbeiten stand in der Kirche Kathrinhagen die Einheitlichkeit: Bisher waren die Wände weiß gewesen - und standen so in einem doch recht großen Kontrast zu den Malereien und Ornamenten. Dietzsch hat mit seinem Team der Kirche jetzt einen einheitlichen Look verpasst: Ein champagnerfarbenes Rosé, die typische Farbe des Wesersandsteins, wie er erklärt. Dafür hat er auf Kalkfarbe zurückgegriffen, und so riecht es denn auch in der Kirche: Wie früher in den Schweine- und Kuhställen, wenn sie gestrichen wurden, wenn "gewitscht" wurde. Auch damals hat man Kalkfarbe benutzt - für Dietzsch immer noch eine naheliegende Wahl. "Kalk sterilisiert, Kalk macht richtig clean." Jetzt, so sagt der Mann, der aussieht wie Jean Pütz, "jetzt ist die Kirche klar gegliedert." Gut drei Wochen wird es dauern, bis alles abgetrocknet ist, "wobei es aber in der Natur der Sache liegt, dass nicht alles gleichmäßig aussehen wird. Man darf keinen schicken Einheitston erwarten, sondern man wird sehen, wo Ab- und Ansätze sind", erklärt der Restaurator, nimmt einen tiefen Zug an seiner Zigarette, überlegt und schiebt hinterher: "Es wird eher wolkig sein. Der Ton lebt eben." Die Elektriker waren da, die Maurer ebenfalls, jetzt fehlen nur noch der Fußboden und die Bänke: "Dann ist hier alles wieder bestens in Schuss." Das wird es allerdings nicht bleiben, schränkt der Fachmann ein und spricht von einem wieder einsetzenden "Verdunkelungsgrad". Ein ganz natürlicher Prozess, schließlich werden in der Kirche gerne Kerzen entzündet. Aus seiner Lübecker Praxis weiß er, was sinnvoll ist: regelmäßig kontrollieren. "Einfach alle zwei Jahre ein Gerüst aufstellen und nachsehen." Das sei nicht teuer, das sei schnell gemacht und das bringe Gewissheit, erklärt er, zieht wieder an seiner Zigarette und lässt den Blick noch einmal schweifen: "Doch, gute Arbeit. Und Spaß hat es auch gemacht."

Paul-Uwe Dietzsch
  • Paul-Uwe Dietzsch


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