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Alle wollen gedenken, aber keiner lädt ein

Bad Nenndorf (rwe). Am morgigen Freitag jährt sich zum 69. Mal die Reichspogromnacht. Viele Städte richten dazu Gedenkfeiern aus. Auch am Mahnmal in der Bad Nenndorfer Kurhausstraße ist um 15 Uhr eine Kranzniederlegung geplant, doch für eine offizielle Einladung dazu fühlte sich bis offenbar niemand zuständig. Gestern sprang das Bündnis gegen Rechtsextremismus ein und erinnerte an die Gedenkstunde.

veröffentlicht am 08.11.2007 um 00:00 Uhr

"Ich weiß nicht, wer dort Veranstalter ist", sagte Marina Jalowaja. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde hatte in den vergangenen Jahren immer zu der Feierstunde eingeladen, sieht dies aber eher als eine Aufgabe der Stadt. Im März hatte sie sich daher mit Bürgermeisterin Gudrun Olk und Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese getroffen, um die Trauerfeiern im November abzustimmen. Mit dabei waren auch Pastorin Sabine Lambrecht und Werner Paul als Vertreter der örtlichen Vereine. "Es sollte allgemeinüber die Presse zu der Gedenkfeier eingeladen werden", sagt Jalowaja. Doch wer diese Aufgabe übernimmt, das geht aus dem Protokoll nicht hervor. Zudem seien sich alle Beteiligten einig darüber gewesen, vor allem Jugendliche anzusprechen und die Gedenkstunde durch ein besinnliches Musikstück zu begleiten und abzuschließen. Wer die Musik bestellt, wurde ebenfalls nicht festgehalten. Jalowaja: "Ich ging bisher davon aus, dass die Stadt dies erledigt." Das ist offenbar nicht geschehen. "Ich bin nicht informiert, was andere planen", sagt Bad Nenndorfs Bürgermeisterin Gudrun Olk. Die Stadt und die Samtgemeinde legen um 15 Uhr einen Kranz und ein Gesteck nieder. "Und ich halte eine Rede dazu." Das sollte auch öffentlich bekannt gemacht werden. Sie sei davon ausgegangen, dass die Verwaltung eine entsprechende Mitteilung macht. "Das ist so verabredet." Stadtdirektor Bernd Reese war dazu gestern nicht zu erreichen. Auch Jürgen Übel vom Bündnis gegen Rechtsextremismus hatte erwartet, dass die Stadt als Veranstalterin auftritt. Ihm ist nur bekannt, dass es mehrere Ansprachen gibt und Blumen niedergelegt werden. Er hatte als Bündnis-Mitglied per E-Mail die Schulen an den Gedenktag erinnert und nun auch die Presse um eine Veröffentlichung gebeten. "Das ist aber eine politische Aufgabe für die Spitze der Stadt", findet er.



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