weather-image
Der neue Bürgermeister Oliver Schäfer zu Zukunft, Krippenplätzen, Finanzen und Dr. Bögel

"Alle sollen sehen, dass hier was gemacht wird"

Obernkirchen. Es ist fraglos eine Zäsur für die Stadt: Seit drei Tagen ist Oliver Schäfer erster hauptamtlicher Bürgermeister. Im Gespräch mit Chefredakteur Frank Werner und Redakteur Frank Westermann erklärt der SPD-Politiker, was er wie für Obernkirchen bewegen möchte.

veröffentlicht am 04.04.2007 um 00:00 Uhr

Der Neue: Bürgermeister Oliver Schäfer stellt sich den Fragen vo

Was werden Sie besser machen als der ehrenamtliche Bürgermeister Horst Sassenberg und Stadtdirektor Wilhelm Mevert? Ich werde mich um eine andere Perspektive bemühen. Sehen Sie, ich werde 40 Jahre alt und verfüge über eine gewisse kommunalpolitische Erfahrung, habe aber eine andere Sichtweise. Dazu kommt, dass es im Rat eine neue, jüngere Generation gibt. Die Themen stehen ja mehr oder weniger fest: Schulen, Bildung, Kindertagesstätten. Nach meinem Geschmack hätten Verwaltung und Politik noch stärker miteinander arbeiten können. Wir müssen uns ganz deutlich klarmachen, dass wir in Obernkirchen in Konkurrenz zu anderen Städten stehen. Inhaltlich: Welche Ziele wollen Sie umsetzen? Wir wollen die Situation der Kindergärten im Interesse der Kinder und der Eltern verbessern, wir sind das Problem der Krippenplätze angegangen. Wichtig ist mir auch die Frage der regenerativen Energien. Da stelle ich mir einen offenen Prozess vor, eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Privatleuten und Organisationen wie der Lokalen Agenda. Die Menschen sollen sehen, dass in Obernkirchen was gemacht wird, dass man hier was bewegen kann. Bleiben wir bei den Krippenplätzen. Sind zehn in der "Rasselbande" nicht ein bisschen wenig? Wir müssen gucken, dass wir in einer zweiten Gruppen weitere zehn Plätze schaffen. Da sind wir dabei. Wir haben nicht ohne Grund Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den wichtigen Themen befassen, etwa Schule und Kindertagesstätten. Sprechen wirüber Krippenplätze in städtischer Trägerschaft? Wir haben ja seit dem 1. Januar die Verpflichtung zur Kofinanzierung. Aber ehrlich: Ob die Plätze in städtischer Trägerschaft entstehen oder durch die städtische Unterstützung, wird sich zeigen. Hauptsache ist, dass wir welche schaffen. Schwebt Ihnen ein Termin vor? Spätestens 1. Februar 2008. Vielleicht geht es früher. Anderes Thema: Wie kann es Obernkirchen schaffen, wiederüber die Grenze von 10 000 Einwohnern zu kommen? Wir schaffen mit dem Baugebiet "Harden Barracks" und einem möglichen weiteren Baugebiet am "Gelldorfer Weg" innenstadtnahen Wohnbereich, der unseren Vorstellungen recht nahe kommt: In Obernkirchen Bedingungen zu schaffen, dass es weniger Menschen gibt, die wegziehen, als dableiben und hinzukommen. Mut macht auch die wirtschaftliche Entwicklung der BKK 24. Ich hoffe, dass dort einmal nicht nur Pendler, sondern Menschen arbeiten, die hier auch wohnen möchten. Wie stark wollen Rat und Verwaltung denn diese Wohngebiete planungsrechtlich steuern? Da brauchen wir uns, glaube ich, keine großen Sorgen machen. Das Baugebiet "Harden Barracks" wird kein sozialer Wohnungsbau, sondern ein Wohngebiet mit Ein- und Zwei-Familienhäusern. Sprechen wirüber ein Thema, das Politiker immer interessiert: das liebe Geld. Da sind wir weitgehend von Faktoren abhängig, die wir nicht beeinflussen können, etwa den Finanzausgleich. Natürlich würden wir uns über, sagen wir einmal, eine Verstetigung der Einkünfte freuen, weil wir dann berechenbare Einkommen als Grundlage hätten. Aber ich sehe die Finanzen als positive Chance: 2007 wollen wir den Haushaltmit einer Null abschließen. Ob die dann rot oder schwarz ist, ist mir dabei noch egal. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir abhängig sind, etwa davon, was in der Glasindustrie passiert. Zum Beispiel Heye: Können Sie schon beurteilen, welche Auswirkungen die Übernahme der benachbarten Rexam-Glashütten durch die Ardagh-Gruppe haben wird? Ein Termin mit der Heye-Geschäftsführung steht noch bevor. Aber bei Brendan Gorey als Geschäftsführer habe ich das Gefühl, dass in der Führungsetage global gedacht und lokal gehandelt wird. Stichwort Aldi. Der Discounter will ins neue Gewerbegebiet "Rösertor" umziehen. Das wird für die Innenstadt ein Riesenproblem. Wie wollen Sie damit umgehen? Für mich ist dieses zurzeit mit das wichtigste Thema, das ich in meinen neuen Amt zu behandeln habe. Wir wollen deshalb alle Beteiligten im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung an einen Tisch bringen: die Investoren "Rösertor", den Investor am Bornemann-Platz, Aldi selbst, den Wirtschaftsförderverein und die Einzelhändler. Jeder soll seine Positionen darlegen, bislang wurde ja nur über die Zeitung kommuniziert. Unsere Möglichkeiten, auf die wirtschaftliche Entscheidungen von Aldi einwirken zu können, sind begrenzt. Auch wenn es nur 150 Meter Luftlinie wären, so hätte der Aldi-Umzug wohl deutliche Auswirkungen auf die Innenstadt. Aber wir sollten auch sehen, was das "Rösertor" bietet: einen zweiten Vollsortimenter, ein Schuhgeschäft und ein Sortiment, das die Firma Ernsting's Family noch vergrößern könnte. Außerordentlich wichtig wäre dann, dass bei einem möglichen Weggang des Aldi-Marktes vom Bornemann-Platz die Stadt die notwendigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Nachnutzung dieses zentralen Platzes in der Innenstadt schaffen muss. Natürlich muss dann die Anbindung an den Bornemann-Platz verbessert werden, muss über eine Zuwegung von der Neumarktstraße nachgedacht werden, über eine bessere Beschilderung und möglicherweise auch über eine andere Verkehrsregelung. Ohne Fachkompetenz, so viel ist sicher, wird das nicht gehen. Von der Innenstadt zum Bahnhof: Glauben Sie wirklich, dass auf der RStV-Schienenstreckeüber 2009 hinaus noch Züge fahren? Wir sind Gesellschafter und müssen gucken, was beim Schienengüterverkehr geht. Die Personenbeförderung ist eine ganz andere Frage, bei der ich, ehrlich gesagt, nicht so optimistisch bin. Aber wir müssen das Schienennetz aufrechterhalten, auch über 2009 hinaus, damit die Infrastruktur bleibt. Am besten wäre es, wenn die Gesellschaft guckt, ob es Investoren gibt, die übernehmen möchten. Und dann muss gerechnet werden. Ein Defizit kann die Stadt Obernkirchen allerdings nicht übernehmen. In der Ratssitzung am 11. April wird Dr. Konrad Bögel verabschiedet. Bedauern Sie das? Keine Sorge, ich werde Dr. Bögel würdig verabschieden, das hat er auch verdient. Er kam ja von außen zu uns, aus der großen weiten Welt, in der er mit Ministern und Vier-Sterne-Generälen zusammengearbeitet hat. Bögel hat ja auch viele Ideen angerissen. Das ist ganz unstrittig.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt