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Gelldorfs Ortsfeuerwehr lässt sich von zwei Profis schulen / "Heute ist jeder Wagen anders"

"Alle gerettet? Dann lass die Karre brennen"

Gelldorf (rnk). Am Sonnabend, kurz vor Mittag, gibt es im Schulungsraum der Ortsfeuerwehr einen munteren Dialog zwischen dem hauptberuflichen Feuerwehrmann Klaus Krebs und einem führenden Gelldorfer Feuerwehrmitglied. Der ortsfremde Krebs beginnt.

veröffentlicht am 18.11.2008 um 00:00 Uhr

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"Wie heißt die Straße da unten?" "Das ist die B 65." "Okay. Also, auf der B 65 hat es richtig gekracht, ein BMW aus dem Jahre 2005 oder 2006 brennt lichterloh, die Personen habt ihr alle gerettet. Was macht ihr?" "Wir löschen." "Nein, das lasst ihr schön bleiben. Keiner weiß, welche Dämpfe durch das brennende Plastik auftreten, ob Gase oder Blausäure freigesetzt wird. Retten kannst du hier gar nichts mehr, also lass die Karre doch brennen." "Und dann kann ich am nächsten Tag in der Zeitung lesen und sehen, wie wir um einen großen Brandherd herumstehen - und nichts tun?" "Und? Du hast eine Entscheidung getroffen: Das Wohl der Kameraden wird nicht aufs Spiel gesetzt. Das hast du richtig entschieden, damit kannst du leben." Klaus Krebs wird wissen, wovon er redet. Er ist Mitglied der Werksfeuerwehr von Mercedes in Bremen und Teil eines 40-köpfigen Ausbildungsteams der Firma Weber-Hydraulik, ebenso wie Jürgen Gerhards, der der Feuerwehr der Stadt Mönchengladbach angehört. Beide schulen an diesem Tag 20 Gelldorfer Männer und Frauen, die für die Weiterbildung fast den ganzen Sonnabend opfern. Breiten Raum nimmt dabei ein Thema ein, das auf den Ausbildungsplänen der Wehren noch nicht vorkommt: Wagenkunde. Es ist heute, so Krebs, ein erheblicher Unterschied, ob der Blaurock bei einem eher weichen Aluminium im Audi oder beim völlig andersgearteten Blech des Mercedes den Spreizer ansetzt. Und bei den rund zwölf bis 15 Airbags, die ein Auto der höheren Preisklasse durchaus vorweisen kann, sollte man wissen, wo sie sitzen: Öffnen sie sich beim Einsatz, kann es zu Kopf- und Brustverletzungen kommen. Krebs hat ein Video mitgebracht, auf dem das zu sehen ist: Den Feuerwehrmann haut der Airbag voll aus den Einsatzstiefeln. Auch Gasgeneratoren, die sich in einem Auto gleich im halben Dutzend wiederfinden, weil sie die Treibladung für die Airbags zünden, können zu fiesen Verletzungen führen, wenn sie irrtümlicherweise aufgeschnitten werden. Krebs wirft eine Hand voll Dias und Videos an die Leinwand, auf denen deutlich zu sehen ist, dass die Gasgeneratoren bei jeder Automarke einen anderen Platz haben: "Wagenkunde", sagt der Bremer erneut. Natürlich kann sich der Feuerwehrmann im Einsatz auch die Technik zunutze machen: Ein Klick - und die Seitenfenster gehen runter, das Dach für den Einsatz von oben öffnet sich, die Heckklappe sollte geöffnet werden, bevor die Stromzufuhr unterbrochen wird. Dabei gibt es so viele Punkte zu beachten, dass Krebs gar nicht erst davon spricht, ganz profan die Batterie abzuklemmen: "Das ist heute Batteriemanagement." Generell gelte es beim Einsatz, alle Informationen zu bekommen, die man überhaupt nur erhalten könne - "wie die dann umgesetzt werden, muss man schauen", sagt Krebs, der auch daraufhinweist, was beim Einsatz weiterhilft: "Klare Kommandos." Generell gehört die Rettung eingeschlossener Personen bei Verkehrsunfällen und Naturkatastrophen zu den wichtigsten Aufgaben von Feuerwehr und Katastrophenschutz. Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Präzision sind absolute Voraussetzung bei Helfer und Gerät. Und weil alle Theorie zwar nötig ist, aber dennoch grau bleibt, stellen Krebs und Gerhards nach drei Stunden Schulung hydraulische Geräte in der Praxis vor, die zum Trennen von Armierungen, Profilen und Fahrzeugholmen sowie zum Heben oder Wegdrücken von Lasten oder Fahrzeugteilen eingesetzt werden. Drei ausgemusterte Autosstehen für die Vorführungen zur Verfügung, nach drei Stunden Praxisarbeit sind die Autos nur noch ein Haufen Schrott. Krebs und Gerhards sind dann mehr als zufrieden über die Gelldorfer Truppe: "Sehr engagiert." Mehr Bilder gibt es unter: www.feuerwehr-gelldorf.de/html/seminar.html.



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