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Präventionsrat initiiert Testkäufe

„Alkoholkonsum bei Jugendlichen steigt extrem an“

Holzminden (bs). Betrunkene Jugendliche, Koma-Saufen, Randale besonders am Wochenende – „wir haben einfach zu lange zugeguckt“, gibt Alfred Sauer, Präventioner der Holzmindener Polizei, zu. Damit ist jetzt Schluss.

veröffentlicht am 03.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

Jugendliche in Holzminden greifen laut Jugendpflegern häufiger z
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So wie in Göttingen, Hannover oder Duderstadt waren auch in Holzminden jugendliche Testkäufer unterwegs. Zwei 15-Jährige wollten hochprozentigen Alkohol. Bekommen haben sie ihn nicht. „Wir haben keine Verstöße bei den Testkäufen festgestellt, von der Tankstelle bis zum Discounter. Das ist ein hervorragendes Ergebnis. Die Gewerbetreibenden sind sich ihrer Verantwortung bewusst, wenn sie Alkohol verkaufen“, freut sich Holzmindens Bürgermeister Jürgen Daul, gleichzeitig Vorsitzender des Präventionsrates.

Gutes Ergebnis der Testkäufe in Holzminden

Die Arbeitsgruppe, die die Testkäufe in Holzminen generalstabsmäßig vorbereitet hat, atmet auf: In Hannover gab es bei 158 Testkäufen in 110 Fällen Hochprozentiges, in Göttingen erhielten die Jugendlichen in 13 von 29 Fällen Alkohol, in Duderstadt waren die Testkäufer in 10 von 13 Geschäften erfolgreich. Umso erfreulicher ist das Ergebnis in Holzminden: 28 Betriebe, so Ordnungsamtsleiter Burkhard Woitczyk, hätten nach dem Gewerbezentralregister Alkoholika verkauft, 50 Prozent wurden kontrolliert. Alkohol gab es für die Jugendlichen in keinem Laden.

Zwei 15-jährige Jungen aus dem Raum Eschershausen wurden zweimal zusammen auf Einkaufstour geschickt, einmal um die Mittagszeit und einmal am frühen Abend. Die Beiden absolvierten ein Praktikum bei der Polizei. „Wir verführen niemanden. Die Jugendlichen wurden ganz eng begleitet und im Vorfeld haben wir den Kontakt zu den Eltern gesucht. Die fanden die Testkäufe gut“, erläutert Alfred Sauer, für den diese Aktion „ein wichtiger Baustein gegen den auffallenden Jugendalkoholismus ist. Wir werden dran bleiben, in welcher Form auch immer und das landkreisweit.“

Aus gutem Grund: „Der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen steigt extrem an“, muss Stadtjugendpfleger Herbert Dähn-Kirchhoff eingestehen, „die jungen Leute gefährden ihre Gesundheit, ihre Zukunft und ihre Integration in die Gesellschaft. Wenn wir nicht präventiv tätig werden, schließen wir ganze Gruppen aus.“ Wichtig seien die Testkäufe sowohl zur Bestandserhebung als auch um das Kassenpersonal zu sensibilisieren und den Einzelhandel ins Boot zu holen.

„Wir haben erfahren, wie schwierig es vor Ort an der Kasse ist.“ Dort wurde die Aktion begrüßt von Mitarbeitern im Einzelhandel ebenso wie von vielen Kunden. „Jugendliche brauchen eine andere Aufmerksamkeit“, fordert Herbert Dähn-Kirchhoff.

Gefragt sei, das macht auch Klaus Biemelt von der Suchtberatungsstelle in Holzminden deutlich, die Verantwortung aller. „Wir werden tagtäglich mit Jugendlichen konfrontiert, die gravierende Suchtprobleme haben.“ Durch die „mobile Jugendarbeit“, die im Oktober startete, hat die Suchtberatung einen guten Überblick gewonnen. Biemelt: „Unsere Streetworker haben bei rund 30 Prozent der auf der Straße angetroffenen Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahre in Holzminden und Bevern den Konsum von Bier und Hochprozentigem feststellt“, erklärt er, fügt hinzu, „die Anzahl der 14- bis 24-jährigen Klienten in der Suchtberatung hat sich seit 2003 verdoppelt. Und: Mit 14 bis 16 begann bei den meisten der Konsum. Der führe dazu, so Alfred Sauer, dass die Hemmschwelle sinkt. Es gebe mehr Randale gegen Menschen und Sachen. „Damit haben wir jedes Wochenende zu tun.“

Mit Zugucken müsse jetzt Schluss sein, so Sauer. Deshalb wird es auch zukünftig Kontrollen geben. Und Testkäufe. Nicht nur in der Stadt, sondern im ganzen Kreisgebiet. Wer dann auffällt, erhält „die Gelbe Karte“ so Alfred Sauer. Und notfalls gibt es auch ein Bußgeld bis zu 50 000 Euro. „Alkoholverkauf an Jugendliche“, stellt Burkhard Woitczyk klar, „ist kein Kavaliersdelikt.“



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