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Vor Gericht: Süchtiger gesteht Brüche

Alkohol keine Entschuldigung - drei Jahre Haft

Stadthagen (menz). Droge Alkohol - alles kreiste in einem Strafverfahren vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Stadthagen gegen einen jungen Mann um dessen übermäßigen Konsum von Wodka und Bier. Die Trinkgewohnheiten des Stadthägers stellten die Richter vor die Frage, ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig sei. Diverse schwere Wohnungseinbrüche in Stadthagen und den bewaffneten Überfall auf einen Getränkemarkt in der Bahnhofstraße hatte der heute 21-Jährige gestanden.

veröffentlicht am 06.06.2008 um 00:00 Uhr

Bei allen Straftaten in der Zeit zwischen Juli und September des vergangenen Jahres sei er "auf jeden Fall betrunken gewesen", erklärte der Angeklagte. "Ich bin süchtig", sah sich der heute 21-Jährige als Getriebener und hoffte statt auf einen Gefängnisaufenthalt auf die stationäre Therapie in einer Entziehungsanstalt. Die Richter haben anders entschieden, sie verhängten unter Einbeziehung einer alten Verurteilung eine Einheitsjugendstrafe von drei Jahren. Entscheidend für das Votum der Richter war das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen, der keine krankhafte Alkoholsucht hatte erkennen können und den Angeklagten für schuldfähig hielt. Der Stadthäger hat bereits in frühen Jahren angefangen zu trinken, er trank viel und regelmäßig. Doch das Alkoholproblem ist nicht die einzige Bürde, und nach den Erkenntnissen des Gutachters auch nicht nicht die Entscheidende, die der junge Mann mit sich schleppt. Als Grundübel stufte der Psychiater eine "Störung des Sozialverhaltens" ein; dem jungen Mann fehlt es an Strukturen, er habe nie gelernt sich an Regeln zu halten. Der 21-Jährige stamme aus einem "problembeladenen Elternhaus", umschrieb der Jugendgerichtshelfer sacht die desolaten Familienverhältnisse, in denen der Mann groß geworden ist. Bereits in der Grundschule ist er mit Verhaltensstörungen massiv auffällig geworden, zeitweise lebte er in Jugendhilfeeinrichtungen, sechs Vorstrafen stehen im Register, er ist Bewährungsversager und hat Gefängniserfahrung. In der Zukunft sah der Gutachter für den heute 21-Jährigen nichts Gutes, aufgrund der Lebensgeschichte bringe der Stadthäger "nichts an Ressourcen" mit, das aktiviert werden könne. Der Pessimismus der Gutachters gipfelte in der ratlosen, polemisch anmutenden Empfehlung, "das Sinnvollste" sei, dem jungen Mann "soviel Strafe" aufzuerlegen, bis er in Haft eine Ausbildung absolviert habe und beweisen könne, dass er etwas von Lebensführung begriffen habe und auch durchhalte. Das Strafmaß müsse verhältnismäßig sein, leitete die Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes die Urteilsbegründung ein. Von den drei Jahren, die die Richter als Schuld angemessen verhängten, hat der Angeklagte durch U-Haft bereits einen Teil verbüßt. Er hat jetzt noch rund 15 Monate vor sich, das gibt ihm genug Zeit, um den Hauptschulabschluss zu erreichen. Für ein normales Leben müsse er lernen, sich an Regeln zu halten, mahnte die Vorsitzende Richterin. Niemand werde ihn dabei "an die Hand nehmen und führen", appellierte Gudrun van Lessen an dessen Eigeninitiative.



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