weather-image
13°
Blessgans mit Satellitensender macht nach 6000 Flugkilometern Rast am Steinhuder Meer

"Ale" sendet himmlische Grüße aus der Arktis

Steinhuder Meer (rd). "Ale" ist eine Blessgans und trägt einen Satellitensender am gefiederten Körper. Holländische Wissenschaftler haben sie im Januar 2006 damit ausgestattet. Ziel ist es, ihren langen Zugweg zwischen den Niederlanden und der russischen Arktis zu erforschen. Jetzt macht "Ale" Rast am Steinhuder Meer. Sie ist eine von bis zu 8000 Blessgänsen, die dort grasen. Ein schokoladenriegelgroßes Paket auf dem Rücken des etwa 2,5 Kilogramm schweren Ganters verrät, dass "Ale" etwas Besonderes ist, zumindest für Forscher und Naturschützer. Das Paket ist ein Sender, der - mit Solartechnik gespeist - Tag für Tag seinen Aufenthaltsort mit dem GPS (Global Positioning System) bestimmt und diese Daten über einen Satelliten an die Gänseforscher schickt.

veröffentlicht am 28.12.2007 um 00:00 Uhr

0000472388-1.jpg

"Mit den Sendern wollen wir mehrüber die Zugwege der Blessgänse herausfinden", so Dr. Helmut Kruckenberg, Leiter des internationalen Forschungsprojektes. Bislang hatten die Wissenschaftler nur ungefähre Vorstellungen, wo die Vögel brüten. "Die Gänse verteilen sich auf vielen tausend Quadratkilometern der sibirischen Tundra", so Kruckenberg, "doch uns interessiert, welche Vögel im Winter in welches Gebiet ziehen." Aus diesem Grund haben die Forscher mit Unterstützung des Vogelschutz-Komitees e.V. in den beiden vergangenen Jahren Vögel mit Hightech-Sendern ausgestattet. Sie können so fast auf den Meter genau erfahren, wo sich die Vögel aufhalten. Für Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM e.V.), zeigen "Ale" und die anderen Blessgänse, welche große Bedeutung der verhältnismäßig kleine See für den internationalen Vogelzug hat. "In den letzten Jahren", so Brandt, "hielten sich im Winter bis zu 17 000 Blessgänse am Steinhuder Meer auf. Ale, so wissen wir nun, brütete im Sommer auf der russischen Taimyr-Halbinsel." Im August habe der Ganter die 6000 Kilometer lange Reise in sein mitteleuropäisches Winterquartier angetreten, kurz an der Aller gerastet und befinde sich seit ein paar Tagen in den Meerbruchswiesen westlich des Steinhuder Meeres. "Vielleicht", so der Diplombiologe, "wird er den Winter dort verbringen wie viele seiner Artgenossen, möglicherweise aber auch noch weiter nach Westen ziehen." "Ales" vier "Kollegen", die ebenfalls den deutschen und niederländischen Gänseforschern detaillierte Einblicke in den Vogelzug geben, befinden sich aktuell an der Elbe oder sind bereits in den Niederlanden angekommen. "Die Forschung ist kein Selbstzweck. Um die Tiere effizient schützen zu können, muss man deren Zugwege und Rastplätze kennen", erläutert Brandt. Kruckenberg und Brandt müssen immer wieder mit dem Schlimmsten rechnen: "Gut drei Viertel der 19 besenderten Blessgänse sind auf dem Zugweg von Jägern abgeschossen worden. Umso größer ist die Freude der Forscher, dass insgesamt fünf Gänse noch immer unterwegs sind." Enttäuscht zeigen sich die Naturschützer und Wissenschaftler darüber, dass das Land Niedersachsen die bislang geschützten Blessgänse und auch andere Gänsearten zur Jagd freigeben will. Die beiden Biologen wissen, dass zahlreiche Gänse durch Jäger zum Krüppel geschossen werden und dann jämmerlich verenden, denn Graugänse dürfen auch bislang schon bejagt werden. Die starke Beunruhigung führe auch dazu, dass die Vögel scheuer werden, schneller und öfter von Menschen gestört werden und erheblich an Durchhaltevermögen verlieren. "Dann wird es für sie schwierig, den langen Heimzug in die Arktis zu schaffen", sagt Kruckenberg. Auchüber das Internet kann der Aufenthaltsort der Blessgänse aktuell verfolgt werden. Ihren Zug zwischen arktischer Tundra und den Wiesen der norddeutschen Tiefebene kann man unter www.blessgans.de einsehen. Bis zu 2700 Gänsefreunde aus ganz Europa beteiligen sich freiwillig an dem Forschungsprogramm und verbreiten ihre Beobachtungen. Erheblich mehr Menschen nehmen Anteil an dem Schicksal der mit Sendern ausgestatteten Vögel. Mehr als zwei Millionen mal wurden die Gänse 2007 im Internet besucht.

Das Satellitenbild zeigt die lange Wanderroute zwischen den Nied
  • Das Satellitenbild zeigt die lange Wanderroute zwischen den Niederlanden und der russischen Halbinsel Taimyr. Zwischen den Blessgänsen am Steinhuder Meer (unten) hält sich "Ale" auf. Fotos: B. Volmer/EWRP
Blessgans "Ale" bei der Besenderung im Januar 2007. Der kleine S
  • Blessgans "Ale" bei der Besenderung im Januar 2007. Der kleine Satellitensender auf dem Rücken des Ganters verrät seinen täglichen Aufenthaltsort. Foto: G. Müskens
0000472388-13.jpg


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt