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Blessgans mit Satellitensender macht nach 6000 Flugkilometern Rast am Steinhuder Meer

"Ale" sendet himmlische Grüße aus der Arktis

Steinhuder Meer (rd). Ale ist eine Blessgans und trägt einen Satellitensender am gefiederten Körper, mit dem sie im vergangenen Januar von holländischen Wissenschaftlern ausgestattet wurde. Ziel ist es, ihren langen Zugweg zwischen den Niederlanden und der russischen Arktis zu erforschen. Jetzt macht Ale Rast am Steinhuder Meer.

veröffentlicht am 27.12.2007 um 00:00 Uhr

Der morgendliche und abendliche Gänseflug von der Seefläche des

Zwischen den aktuell etwa 6000 bis 8000 Blessgänsen am Steinhuder Meer grast auch die Blessgans Ale. Ein schokoladenriegelgroßes Paket auf dem Rücken des etwa 2,5 Kilogramm schweren Ganters verrät, dass Ale etwas ganz Besonderes ist, zumindest für Wissenschaftler und Naturschützer. Das Paket ist nichts anderes als ein Sender, der - mit Solartechnik gespeist - Tag für Tag seinen Aufenthaltsort mit dem GPS (Global Positioning System) bestimmt und diese Daten dann über einen Satelliten an die Gänseforscher schickt. "Mit den Sendern wollen wir mehrüber die Zugwege der Blessgänse herausfinden", so Dr. Helmut Kruckenberg, Leiter des internationalen Forschungsprojektes. Bislang hatten die Wissenschaftler nur ungefähre Vorstellungen, wo die Vögel brüten. "Die Gänse verteilen sich auf vielen tausend Quadratkilometern der sibirischen Tundra", so Kruckenberg, "doch uns interessiert, welche Vögel im Winter in welches Gebiet ziehen." Aus diesem Grund haben die Forscher mit Unterstützung des Vogelschutz-Komitee e.V. in den letzten beiden Jahren Vögel mit Hightech-Sendern ausgestattet und können so fast auf den Meter genau erfahren, wo sich die Vögel aufhalten. Für Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM e.V.), zeigen Ale und die anderen Blessgänse, welche große Bedeutung das verhältnismäßig kleine Steinhuder Meer für den internationalen Vogelzug hat. "In den letzten Jahren", so Brandt, "hielten sich im Winter bis zu 17 000 Blessgänse am Steinhuder Meer auf. Ale, so wissen wir nun, brütete im Sommer auf der russischen Taimyr-Halbinsel." Im August habe der Ganter die rund 6000 Kilometer lange Reise in sein mitteleuropäisches Winterquartier angetreten, kurz an der Aller gerastet und befinde sich seit ein paar Tagen in den Meerbruchswiesen westlich des Steinhuder Meeres. "Vielleicht", so der Diplombiologe weiter, "wird er den Winter dort verbringen wie viele seiner Artgenossen, möglicherweise aber auch noch weiter nach Westen ziehen." Ales vier "Kollegen", die ebenfalls den deutschen und niederländischen Gänseforschern detaillierte Einblicke in den Vogelzug geben, befinden sich aktuell an der Elbe oder sind bereits in den Niederlanden angekommen. "Die Forschung ist aberkein Selbstzweck. Um die Tiere effizient schützen zu können, muss man deren Zugwege und Rastplätze kennen", weiß Brandt. Kruckenberg und Brandt müssen jedoch auch immer wieder mit dem Schlimmsten rechnen: "Gut drei Viertel der 19 besenderten Blessgänse sind auf dem Zugweg von Jägern abgeschossen worden. Umso größer ist die Freude der Forscher, dass fünf Gänse noch immer unterwegs sind." Enttäuscht zeigten sich die Naturschützer undWissenschaftler darüber, dass das Land Niedersachsen die bislang geschützten Blessgänse und auch andere Gänsearten zur Jagd freigeben will. Die beiden Biologen wissen zur Genüge, dass zahlreiche Gänse durch Jäger zum Krüppel geschossen werden und dann jämmerlich verenden, denn Graugänse dürfen auch bislang schon bejagt werden. Die starke Beunruhigung führe auch dazu, dass die Vögel scheuer werden, schneller und öfter von Menschen gestört werden und erheblich an Durchhaltevermögen verlieren. "Dann wird es für die Tiere schwierig, den tausende Kilometer langen Heimzug in die Arktis zu schaffen", so Dr. Kruckenberg. Auchüber das Internet kann der Aufenthaltsort der Blessgänse tagesaktuell verfolgt werden. Ihren Zug zwischen arktischer Tundra und den Wiesen der norddeutschen Tiefebene kann man unter www.blessgans.de verfolgen. Bis zu 2700 Gänsefreunde aus ganz Europa beteiligen sich freiwillig an dem Forschungsprogramm und berichten ihre Beobachtungen. Erheblich mehr Menschen nehmen Anteil an dem Schicksal der mit Sendern ausgestatteten Vögel. Mehr als zwei Millionen Mal wurden die Gänse 2007 im Internet besucht.

Das Satellitenbild zeigt die lange Wanderroute zwischen den Nied
  • Das Satellitenbild zeigt die lange Wanderroute zwischen den Niederlanden und der russischen Halbinsel Taimyr. Zwischen den Blessgänsen am Steinhuder Meer (unten) hält sich Ale auf. Fotos: B. Volmer/EWRP
Blessgans Ale bei der Besenderung im Januar 2007. Der kleine Sat
  • Blessgans Ale bei der Besenderung im Januar 2007. Der kleine Satellitensender auf dem Rücken des Ganters verrät seinen täglichen Aufenthaltsort. Foto: G. Müskens
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