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Ultimatum an den Entsorger / Stadtverwaltung in Nöten

Aldi und Rewe reicht’s: Glascontainer müssen weg

Hameln (mafi). Es ist so bequem: Auf dem Supermarktparkplatz an der Fischbecker Landstraße werfen die Kunden ihre leeren Weinflaschen und Marmeladengläser in die Sammelcontainer – und in den angrenzenden Filialen von Rewe, Aldi oder Penny können sie sogleich Nachschub für daheim kaufen. Seit mehr als 25 Jahren entsorgen viele Hamelner an dieser Stelle ihr Altglas – doch heute Vormittag soll diese Ära enden. Zum Ärger der Stadtverwaltung, die dann einen neuen Standort in der Nordstadt finden muss.

veröffentlicht am 17.02.2010 um 12:04 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Rewe und Aldi als Mieter und Untermieter des Areals hatten das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier seit dem Herbst mehrfach ultimativ aufgefordert, die Sammelbehälter dort wegzuholen. Es handele sich um ein Privatgrundstück, und es gebe keinen Vertrag zur Nutzung der Flächen. Heute endet die letzte Frist. „Alle Gespräche sind fruchtlos geblieben“, bestätigte gestern Thomas Wahmes als Sprecher der Stadtverwaltung. Und er bedauert: „Es gibt keinen Standort in der Nähe, der auch nur halb so gut wäre.“

Die Rathausmitarbeiter befürchten Beschwerden von Anwohnern, wenn die Altglascontainer in deren Nachbarschaft aufgestellt werden. Denn erfahrungsgemäß halten sich viele Menschen, die ihr Altglas loswerden wollen, nicht an die eingeschränkten Einwurfzeiten – mit der Folge, dass es auch nachts und an Wochenenden in der Umgebung laut klirrt. Ein Ärgernis sind ebenfalls die Verschmutzungen, die oft rings um die Container auftreten – und dies ist auch die Ursache für das jetzige rigide Vorgehen von Aldi und Rewe. „Wir wollen keinen Unrat und kein Ungeziefer vor unserer Filiale“, sagt ein Sprecher der zuständigen Aldi-Vertretung in Rinteln.

Wenke Arp, Sprecherin der Rewe-Group, bestätigt, dass sich die Kollegen von Aldi als Untermieter an Rewe, den Hauptmieter, gewandt hatten, damit Druck auf das Entsorgungsunternehmen ausgeübt werde. „Der Platz ist meist zugemüllt, teils wird dort Sperrmüll abgelagert, und Scherben gefährden Fußgänger und Autoreifen“, schildert Arp. Die Handelsunternehmen sehen Tönsmeier als Nutznießer des Altglases in der Pflicht, dort in kurzen Abständen für Ordnung zu sorgen. „Doch es ist nicht gelungen, eine tragfähige Lösung zu finden“, sagt die Rewe-Vertreterin.

Bei dem verantwortlichen Tönsmeier-Zweig in Porta Westfalica sah sich gestern niemand in der Lage, zu dem Fall Stellung zu nehmen. So viel ist aber klar: Die Stadt Hameln hat mit dem Entsorger eine Absprache, dass pro 2000 Einwohner ein Glascontainer aufzustellen sei. Schlichtweg auf einige Container zu verzichten, hält Wahmes für nicht sinnvoll, schließlich dürfen die Behälter auch nicht überlaufen. „Dann landet erst recht vieles daneben.“ Und weite Wege bis an den dünner besiedelten Stadtrand oder gar bis zum Entsorgungspark bei Rohrsen sollten aus ökologischer Sicht vermieden werden. Dass Mitarbeiter der Kommune anstelle von Tönsmeier für die verlangte Sauberkeit an den Glascontainern sorgen, würde laut Wahmes „einen Präzedenzfall schaffen“ und sei deshalb nicht vorgesehen. Klagen wie an der Fischbecker Landstraße sind regelmäßig auch von anderen Standorten – etwa dem an der Basbergstraße – zu hören.

Möglicherweise ist in der Sache aber doch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Nachdem die Dewezet sich gestern an die Rewe-Regionalzentrale in Norderstedt gewandt hatte, betonte Sprecherin Wenke Arp die Bereitschaft ihres Unternehmens, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen. „Wir halten Glascontainer für sinnvoll“, versicherte sie. Schließlich ist Rewe im vorigen Jahr wegen seines Umweltengagements mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ ausgezeichnet worden. Und das Firmenmotto lautet passenderweise: „Im Einklang mit Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt.“



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