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tbz-Zentrum: Junge Leute testen den Berufsalltag / Jugendarbeitslosigkeit gesunken

Achtklässler nageln, werkeln, gießen - um den Traumberuf früh zu finden

Rinteln (clb). Um ihren Teil zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit beizutragen, hat das tbz-Bildungszentrum im ehemaligen Baumarkt-Gebäude jetzt erstmals einen Berufsvorbereitungskurs ins Leben gerufen - und seit gestern Vormittag nehmen elf Achtklässler der Hauptschule Holzhausen daran teil. Zwei Wochen dauert diese Orientierungsmaßnahme. In dieser Zeit haben die Jugendlichen die Möglichkeit, alle zwei Tage in einen neuen Arbeitsbereich zu wechseln und somit herauszufinden, wo ihre beruflichen Stärken liegen.

veröffentlicht am 02.09.2008 um 00:00 Uhr

Fachbereich Garten- und Landschaftsbau: Nikita Mack, Charlotte S

Lukas Beining, Jan-Hendrik Keller, Pascal Derwald und Jens Müther sind vier dieser elf Teilnehmer, die das Angebot nutzen und sich in ihren ersten beiden Tagen für den Bereich Holz entschieden haben. Unter der Leitung von Tischlereimeisterin Birgit Jacobs sollen sie zunächst Übungen zum richtigen Nageln ausprobieren und anschließend ein hölzernes Solitär-Spiel fertigen, wo vor allem viel Feinarbeit gefragt ist. "Ich finde es interessant, mit Holz zu arbeiten", sagt der 13-jährige Lukas, der auch in seiner Freizeit gerne handwerklich tätig ist. Zu einem seiner Projekte gehört ein Baumhaus, das er eigenständig im Garten gebaut hat. "Ich könnte mir gut vorstellen, später einmal Tischler zu werden", erklärt er. "Oder Maurer." Und um das herauszufinden, will er in diesen beiden Wochen in alle Bereiche einmal reinschnuppern. Ab morgen ist dann floristisches Geschick gefragt - beim Blumengießen und -einpflanzen in der Garten- und Landschaftsabteilung. Diese Berufsorientierungsvorbereitung für Achtklässler wird im tbz zum ersten Mal durchgeführt. "Unser Hintergedanke ist es, die Jugendlichen bei der Arbeitsplatzsuche zu unterstützen und ihnen rechtzeitig Perspektiven aufzuzeigen", schildert tbz-Pressesprecherin Valentina Hallberg. Gerade deshalb sei dies ein Angebot für so junge Leute - damit sie frühzeitig eine Berufswahl treffen können und nicht eine beliebige Ausbildung anfangen, um dann festzustellen, dass sie den falschen Weg eingeschlagen haben. Valentina Hallberg sieht in der Arbeitslosigkeit von Jugendlichen auch ein gesellschaftliches Problem: "Oft haben diese Jugendlichen keinen Abschluss, sind vorbestraft, haben Alkoholprobleme." Dennoch ist die Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, wie Michael Stemme als Geschäftsführer des Schaumburger Job-Centers auf Anfrage mitteilt. Während im August vor zwei Jahren noch 1067 Jugendliche auf Arbeitssuche gewesen sind, waren es ein Jahr später 869 und im August dieses Jahres nur noch 738 - innerhalb von zwei Jahren ein Rückgang von 30 Prozent. Auch Stemme hält die frühzeitige Auseinandersetzung mit der Berufswahl für wichtig: "Gerade wenn es um eine langfristige Wahl geht, sind eine gute Vorbereitung und viele praktische Einblicke Grundvoraussetzung." Natürlich spiele der Schulabschluss bei der Einstellungsfrage eine große Rolle, so der Geschäftsführer weiter. Aber je besser die "Grundtugenden" wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sowie das Bemühen um einen Arbeitsplatz - zum Beispiel durch vorherige Praktika - seien, desto weniger würden die Noten nachher eine Rolle spielen. Noch acht Tage lang haben die elf Schüler im tbz die Möglichkeit, den Arbeitsalltag gegen die Schulbank zu tauschen, bis sie sich dann in zwei oder drei Jahren endgültig festlegen müssen.

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