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Marlies Kuhlmann (65): Vom Computer zur Poesie

"Ach, guck mal - das ist wohl alles gar nicht schlecht!"

Kleinenbremen/Rinteln. "Ich bin keine Heimatdichterin", sagt Marlies Kuhlmann (65). "Ich schreibe einfach nur Geschichten, die alle immer einen Ort haben - und das ist das Schaumburger Land." Was sie schreibt, sind ansprechende Gedichte, schöne, klare Kindergeschichten und Erzählungen aus einer Kindheit als Bergmannstochter in Kleinenbremen. Und das alles kommt ziemlich gut an.

veröffentlicht am 09.03.2007 um 00:00 Uhr

Marlies Kuhlmann. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Dabei wollte ich früher immer weg aus unserem kleinen Dorf", sagt sie. "Ich wollte auf keinen Fall in Kleinenbremen bleiben." Mit viel Bitten und Reden und Überreden setzte sie in ihrer Familie durch, dass sie nach Haupt- und Handelsschule nicht die angebotene Stelle in der Kreisverwaltung annehmen musste, sondern doch das Abitur machen durfte. "Natürlich hieß es auch bei uns: Du brauchst nicht zu studieren, Du heiratest ja doch", meint sie. "Und ich wollte ja schon als kleines Kind unbedingt Lehrerin werden!" Daraus allerdings wurde erst mal nichts. Dafür heiratete sie wirklich früh und zog mit ihrem Mann weit weg - nach Bückeburg, immerhin! Sie arbeitete zunächst bei Melitta in Minden im Büro und fand dann eine Stelle, die wirklich spannend war: Chefsekretärin in einer Computerfirma, die Anfang der sechziger Jahre ganz vorne dabei war in der Entwicklung der ersten Computerprogramme. Ohne es zu ahnen, war sie damit ihrem Lehrer-Traumberuf einen großen Schritt näher gekommen. Inmitten von Mathematikern und Programmierern lernte sie englische Stenographie und freute sich über die erste elektrische Schreibmaschine mit eingebautem Korrekturprogramm. Mit Neugier und Souveränität nutzte sie die neuesten PCs und kannte sich wie nur wenige in EDV-Programmen aus. Es war dann nicht leicht für sie, wegen ihrer beiden Kinder aus dem Berufsleben auszusteigen. Aber als ihr irgendwann fast die Decke auf den Kopf fiel, da entschloss sie sich kurzerhand zu einer Ausbildung als Fachlehrerin, ging als gestandene Frau für zwei Jahre noch einmal mitten unter die jungen Schüler, um endlich Lehrerin zu werden, für Bürotechnik und Textverarbeitung an der Kreishandelslehranstalt in Rinteln. "Ich war so glücklich!", sagt sie. "Jeden Morgen, wenn ich durch die schöne Landschaft über Eisbergen nach Rinteln fuhr, fühlte ich: "Nichts anders will ich tun als das, was ich gerade tue!" Aber es kam doch noch anders. Nach 19 Jahren wurde sie sehr krank und musste mit dem Unterrichten aufhören. Dafür aber begann sie nun so richtig mit dem Schreiben, und zwar noch im Krankenhaus, mit einem Kliniktagebuch, in dem sie eine mutige Patientin aus Berlin porträtierte. Damit hatte sie großen Erfolg im Freundeskreis und auch in einer Schreibwerkstatt. "Diese Zustimmung, das war mein Schlüsselerlebnis!" Und da sie selbst offenbar auch ziemlich mutig ist, nahm sie ohne viel zuüberlegen an einer "Poetry-Slam"-Veranstaltung in Bückeburg teil. Dafür trägt man auf einer Kneipenbühne seine Texte vor und stellt sich der Abstimmung des Publikums. Auf Anhieb gewann sie den zweiten Platz. "Ach, guck mal", dachte sie. "Das ist also wohl alles gar nicht mal schlecht!" Vor drei Jahren erschien ihr erstes Buchüber eine Mädchenkindheit im Bergmannsmilieu im Rintelner Merkur-Verlag, und wenig später kamen die wirklich hübschen Bände mit Kindergeschichten, darunter die "Hier-Geschichten", die immer auf einem der umliegenden Dörfer, auf den Waldschlössern oder anderen markanten Orten im Schaumburger Land spielen. Längst wohnt Marlies Kuhlmann ja wieder in Kleinenbremen, wunderschön am Hang, und von Weit-weg-Ziehen kann gar nicht mehr die Rede sein. Keine Heimatdichterin also? "Na ja - eigentlich bin ich es ja doch", gibt sie zu. Wer esüberprüfen will: Morgen ist sie bei der Poetry-Slam im Mindener "BÜZ", am Montag beim "Blauen Sofa" in der Rintelner VHS.



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