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Regina Ackmann offeriert in schönster Klarheit französische Romantik

Abwechslungsreicher Streifzug

Obernkirchen. Von Charles-Marie Widor bis Léon Boellmann spannte sich der Bogen französischer Orgelwerke der Romantik, die Regina Ackmann ihrer stattlichen Zuhörergemeinde in der Stiftskirche in schönster Klarheit offerierte.

veröffentlicht am 20.10.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Die musikalische Gestaltung auf der Hammerorgel erwies sich gleich zu Beginn in Widors "Marche Pontificale" aus "Symphonie Nr. 1", op. 13, als ausgesprochen abwechslungsreich, denn die Solistin verlieh den mannigfachen Melodienlinien mit farbiger Registrierung und blitzsauberem Spiel imposanten Nachdruck. Beim sich anschließenden Vortrag der vielschichtigen Bilder von Jean Alains zartem "Le Jardin suspendu" sowie den "Litanies" aus dem "Livre d´Orgue" blieb die Kantorin ebenfalls nah am Puls dieser Stücke und wusste die Stimmungen feinfühlig einzufangen. Exaktheit war für sie dabei genauso selbstverständlich wie das Nachempfinden von Strukturen. Gewaltige Ballungen, ein stürmischer Impetus und lichtes Dahingleiten bedeuteten für Interpretin wie Auditorium in César Francks nachfolgendem "Choral E-Dur" aus "Trois Chorals" ein Wechselbad der Gefühle, zumal Regina Ackmann das Figurengespinst üppig wuchern ließ. Eine Referenz an Felix Alexandre Guilmant bildete dann die Darbietung des pulsierenden "Marche Funebre et Chant seraphique", op. 17. Mit facettenreichem Ausdruck folgte die Expertin den mal schwebend zarten, mal opulenten melodischen Wendungen und Charakteristiken dieser Komposition. Ihr Spiel sparte nicht an rhythmischen Effekten, wahrte aber zugleich die feine Balance, von der auch das reizend filigrane "Andantino" aus "Pastorale C-Dur" zehrte, für dessen emotionales Tongewebe L. J. A. Lefébure-Wély verantwortlich zeichnete. Zum Schluss jonglierte sich die von Kreiskantor Wolfgang Westphal als Registrant unterstützte Fachfrau voller Verve und Könnerschaft durch die Extreme der Boellmann´schen "Suite Gothique", op. 25. Sie hantierte so geschickt mit dynamischen Abstufungen und kontrastierenden Tönungen, dass langer Applaus eine Zugabe geradezu herausforderte. Wieder einmal hat Regina Ackmann eine glückliche Hand für ein ausgewogenes und inhaltlich wohl bedachtes Programm bewiesen.



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