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Werner Führer sorgt bundesweit für Wirbel in der Kirche / Bischof will Stellung nehmen

"Absurde und ungeheuerliche Unterstellungen"

Bückeburg (rc/ssr). Die neuerlichenÄußerungen von Dr. Werner Führer zur eingereichten Scheidung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann haben für heftigen Wirbel gesorgt, nicht nur vor Ort, sondern auch in der hannoverschen Landeskirche sowie bei EKD und VELKD. Als "ungeheuerliche und völlig absurde Unterstellung" bewertete etwa der Vorsitzende des Synodalausschusses der hannoverschen Landeskirche, Wolf von Nordheim, die Vorwürfe. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) teilte mit, sie kommentiere die Äußerungen des Geschäftsführers der Schaumburg-lippischen Landeskirche nicht - und zwar deswegen, "weil diese es nicht verdienen", sagte EKD-Pressesprecher Christof Vetter.

veröffentlicht am 24.05.2007 um 00:00 Uhr

Dr. Werner Führer

Der Pressesprecher der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, Pastor Josef Kalkusch, kündigte "für den Verlauf der Woche" eine schriftliche Stellungnahme des Landesbischofs an. Aus terminlich Gründen sei keine frühere Stellungnahme möglich. Nach Informationen unserer Zeitung will sich Jürgen Johannesdotter aber zunächst mit dem so genannten "Geistlichen Rat" abstimmen, einem internen Gremium führender Köpfe der Landeskirche. Kalkusch betonte erneut, dass die Stellungnahme des theologischen Oberrats "auf keinen Fall eine offizielle Verlautbarung der Landeskirche ist". Dass sich Dr. Führer während des Pressegesprächs ausdrücklich auch auf seine Funktion als Geschäftsführer des Landeskirchenamtes berufen habe, sei von der Landeskirche nicht "abgesegnet" gewesen, ebenso wenig sei seine Stellungnahme mit der Landeskirche abgestimmt gewesen. "Kein Kommentar", war die einzige Verlautbarung des Superintendent und Vorsitzenden der Landessynode, Joachim Liebig. Über theologische Fragen könne man durchaus diskutieren, "das ist das gute Recht von Herrn Führer und geschieht auch in Hannover", sagte der Sprecher des Pfarrvereins der Landeskirche, Pastor Stephan Strottmann, Steinbergen. Schwierig sei es aber, wenn Dr. Führer mit "Vermutungen und Unterstellungen" arbeite. Dadurch werde die Diskussion erschwert und gerate "auf eine Schiene, die der Landeskirche nicht gut tut". Es sei nicht Führers Aufgabe die Entscheidungen Käßmanns zu bewerten, er hätte seine "Erkenntnisse" direkt der hannoverschen Landeskirche mitteilen können. Führer hatte behauptet, die hannoversche Landeskirche habe die bis dahin übliche Regelversetzung bei geschiedenen Amtsträgern "etwa zu dem Zeitpunkt abgesetzt, als die Ehe von Bischöfin Käßmann zu kriseln begann (2001/02)." Der Arbeits- und Dienstrechtsausschusses der hannoverschen Synode habesich bereits seit September 1998 mit dem Thema befasst gehabt, also in einer Zeit, als Käßmann noch gar nicht Bischöfin war. Er selbst, so von Nordheim, habe damals diesen Ausschuss geleitet, daher fühle er sich auch persönlich angegriffen. "Herr Führer unterstellt unserer Synode gleichsam kollektiv, sie habe auf familiäre Verhältnisse einer Bischöfin Rücksicht genommen, die damals nur durch Wahrsager hätten erahnbar sein können." Im Mai 2000 habe die Synode bereits die Entscheidung getroffen. Wie das Protokoll dieser Sitzung ausweist, war Johannesdotter als damaliger Stader Superintendent dabei und hat in die Debatte auch eingegriffen. Der heutige Schaumburg-lippische Landesbischof muss also um die Zeitabläufe genau wissen. Die ganze Art des Vorgehens von Führer dient nach den Worten von Nordheims "offenbar der Absicht, eine andere Landeskirche in ein schlechtes Licht zu rücken". Gegen diese Art und den Inhalt der Unterstellungen "verwahren wir uns auf das Schärfste", so von Nordheim. Keine Stellungnahme in der Sache gab die Vereinigte Evangelische Kirche Deutschlands (VELKD) ab. Deren juristischer Oberkirchenrat Christian Frehrking sagte aber auf Anfrage, es sei nicht auszuschließen, dass sich die Bischofskonferenz mit dem Vorgang befassen werde. Sollte das passieren, könnte das Johannesdotter im Kreise seiner Kollegen in manche Erklärungsnöte bringen. Die Schaumburg-lippische wie auch die hannoversche Landeskirche gehören der EKD wie der VELKD an. Bürgermeister Reiner Brombach sagte zu den Anwürfen Führers lediglich: "Sie bestätigen mich in meiner Auffassung, dass Führers Ansichten "unerträglich nach rückwärts orientiert und fundamentalistisch" sind.



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