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Schriegels lieben das Leben um 1860 und tanzen in einer nostalgischen Western-Formation

Absolut stilecht wie im Western von gestern

Grohnde (ubo). Vier Paare warten gespannt auf die Anweisungen von Annemarie Schriegel. Sie hat eine Freisprechanlagen, ein Headset, aufs Ohr geklemmt und schaut ihrem Mann Kurt an der Musikanlage über die Schulter. Die beiden reden kurz über das Programm, dann wendet sich Annemarie Schriegel wieder den Paaren zu und gibt über das Mikro, das vor ihrem Mund baumelt, Tanzanweisungen. Ihr Mann regelt derweil die Musik. Regelmäßig übt die Tanzgruppe „Oldstyle Couple Dancers“.

veröffentlicht am 04.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 18.03.2010 um 15:36 Uhr

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Grohnde (ubo). Vier Paare warten gespannt auf die Anweisungen von Annemarie Schriegel. Sie hat eine Freisprechanlagen, ein Headset, aufs Ohr geklemmt und schaut ihrem Mann Kurt an der Musikanlage über die Schulter. Die beiden reden kurz über das Programm, dann wendet sich Annemarie Schriegel wieder den Paaren zu und gibt über das Mikro, das vor ihrem Mund baumelt, Tanzanweisungen. Ihr Mann regelt derweil die Musik. Regelmäßig übt die Tanzgruppe „Oldstyle Couple Dancers“. Bis zu 18 Personen tanzen an manchen Abenden unter der Leitung von Annemarie Schriegel Siedler-, Scheunen- und auch Balltänze für öffentliche Auftritte. Ihr Mann Kurt gehört natürlich auch zu den Tänzern.

Dem Ehepaar liegt die Musik im Blut. „Ich habe schon immer Musik gemacht. Gemeinsam haben wir 15 Jahre lang auf Familienfeiern gespielt“, erzählt Kurt Schriegel. Seine Frau Annemarie spielte bei solchen Gelegenheiten Gitarre, sang und moderierte, Kurt spielte Orgel und Keyboard. „Das hat uns immer sehr viel Spaß gemacht.“ Vor allem genießen sie den Kontakt zu anderen Musikern. „Denn Musik verbindet“, bestätigt Kurt Schriegel die alte Weisheit. Trotzdem legte er irgendwann eine Pause ein – für zwölf Jahre. „Heute spiele ich mit dem Akkordeon Folklore“, da das Instrument Spaß mache und ein Kulturgut sei, begründet er seine wiederentdeckte Liebe fürs Musizieren. Jetzt sucht er Verstärkung: eine Gitarristin oder einen Gitarristen. Seine Frau scheidet aus. „Ich spiele nur noch im Kindergarten Gitarre“, meint die Erzieherin.

Mit der Liebe zur Musik entdeckten sie auch ein weiteres Hobby, die Faszination für alles, was mit Western zu tun hat. Bei Auftritten zeigen sie ihrem Publikum, wie die amerikanischen Siedler um das Jahr 1860 gelebt haben. „Was uns dabei fasziniert, ist das Nostalgische. Es gibt kein Handy, Radio und Fernsehen. Dadurch teilt man sich mehr Zeit mit den anderen“, so die beiden Westernfans. Im Privaten verzichten sie allerdings nicht auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens, aber das müsse keiner sehen, betonen sie schmunzelnd. „Bevor wir die Westernfreunde Emmervalley gründeten, waren wir Mitglieder im Hamelner Western Verein. Jedoch legten wir großen Wert auf das Leben der damaligen Zeit und wollten uns auch entsprechend präsentieren“, erklärt Annemarie Schriegel den Austritt vor rund 10 Jahren. „Wir nähen unsere Kleider, Hosen und Jacken nach historischen Schnitten sehr aufwendig selbst“, erklärt die Freizeitschneiderin.

Mit dem Hang zur historischen Mode kam bei den beiden schnell der Wunsch auf, auch die Tänze der damaligen Zeit lernen zu wollen; und so recherchierten sie und fanden entsprechende Kurse in den neuen Bundesländern. „Jetzt fahren wir zweimal im Jahr zu Kursen in verschiedenen Clubs und bringen neue Tänze mit, die wir hier mit viel Engagement aufbereiten, lernen und aufführen“, beschreibt Annemarie Schriegel. Lampenfieber haben sie dabei wenig: „Wichtig ist uns allen der Spaß.“

Und wenn die beiden nicht tanzen, wird ihnen die Freizeit dennoch nicht langweilig. Annemarie näht und strickt, und Kurt baut an seinen funktionierenden Dampfmaschinen und Motoren. Als gelernter Feinmechaniker macht es ihm großen Spaß, die kleinen Maschinen zum Laufen zu bringen. Er hat unter anderem ein Benzinmodell, einen Schiffsmotor und auch einen Sterlingmotor. „Die habe ich in den Wintern im Keller selbst gebaut. Die große Dampfmaschine steht noch im Keller“, so der Konstrukteur. Gerade verfolgt er ein neues Projekt. Dieter Brockmann vom Museum Börry sprach ihn an, den Petroleum- Motor wieder in Gang zu bringen. Kurt Schriegel hat sich den Motor schon angeschaut. „Der Motor hat keine Kompression. Dem müssen wir als erstes nachgehen. Es ist eine Herausforderung“, meint Kurt Schriegel. Es juckt ihm jetzt schon in den Fingern.

Kurt Schriegel ist von klein auf Vollblutmusiker. Früher spielte er Keyboard. Heute drückt und quetscht er das Akkordeon (Foto oben). Mit seiner Frau Annemarie (Foto unten) hat er die Westernfreunde Emmervalley gegründet. Die Mitglieder treten bei ihren Veranstaltungen in nachempfundenen historischen Kostümen auf, die sie selbst nähen.

Fotos: ubo



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