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Gymnasium Bad Nenndorf setzt Himmel und Hölle in Bewegung für 16-jährige Schülerin

Abschiebung gestoppt: Arewik K. darf bleiben

Bad Nenndorf / Rodenberg (bab). In letzter Minute ist gestern die Abschiebung einer armenischen Familie aus Rodenberg verhindert worden. Die Mitschüler der betroffenen 16-jährigen Gymnasiastin Arewik K. haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um den Fall öffentlich zu machen. Der Anwalt der Familie war mit einem Eilantrag erfolgreich. Das Verwaltungsgericht hat die Abschiebung gestoppt. Die Nachricht erreichte die Rodenberger auf dem Flughafen, wenige Minuten vor dem Abflug.

veröffentlicht am 19.06.2007 um 00:00 Uhr

Die Schülerin aus dem Bad Nenndorfer Gymnasium (GBN), ihr 24-jähriger Bruder und ihre Mutter, die seit 1993 in Deutschland leben, waren gestern bereits in Frankfurt am Main. Um 15 Uhr sollten sie in den Flieger nach Armenien steigen. Es wäre ein Abschied für immer gewesen. Dann traf die gute Nachricht ein, dass die Abschiebung gestoppt ist. Die Mitschüler von Arewik K. hatten daran einen nicht unerheblichen Anteil. "Ich habe meine sämtlichen Termine abgesagt, um mich um den Fall zu kümmern", sagte Suthfelds Landtagsabgeordneter Joachim Runkel (CDU). Auch die Rintelner Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold (Grüne) wurde involviert. "Schüler und Eltern haben sich sofort um den Fall gekümmert", bestätigte Schulleiterin Irmtraud Gratza-Lüthen. Bereits um 4 Uhr soll die Polizei die Familie in Rodenberg aus dem Schlaf gerissen haben. "Arewik hat dann wohl eine Freundin angerufen, die mit ihrem Vater dort hingefahren ist", gab Gratza-Lüthen die Ereignisse wieder. Um 6.30 Uhr sei sie selber informiert worden. Bereits am 29. März hatte die Familie ein Schreiben vom Landkreis bekommen, die Abschiebeanordnung. Das bestätigte die zuständige Dezernentin Ursula Müller-Krahtz. Demnach hatte die Familie 1993 und 2003 Asylanträge gestellt, die beide abgelehnt wurden. Der zweite sogar "unanfechtbar". Die Abschiebung habe sich aber verzögert, weil die Mutter angab, heiraten zu wollen. Dies sei bisher nicht geschehen. Der Rechtsanwalt der Familie, Heinrich Freckmann aus Hannover, hatte aber im Dezember 2006 einen Antrag gestellt, der sich auf den damals ergangenen Erlass des Innenministeriums bezog. In diesem Bleiberechtserlass ist enthalten, wer von der Abschiebung ausgeschlossen ist. Innenminister Uwe Schünemann wies derzeit darauf hin, dass gerade für Kinder Ausnahmen gemacht werden könnten, wenn sie mindestens 15 Jahre alt seien und sechs Jahre eine deutsche Schule mit Erfolg besucht hätten - wie Arewik K. Wie Freckmann gestern sagte, habe er deshalb einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung gestellt, aber keine Antwort vom Landkreis erhalten. Wie für Familie, Mitschüler und Lehrer kam die Abschiebung für den Anwalt plötzlich. Deshalb wandte er sich in einem Eilverfahren an das Verwaltungsgericht Hannover. Der Landkreis steht zu seiner Abschiebeanordnung. Es gebe bei diesem Bleiberechtserlass etliche Ausschlussgründe. "Es ist gescheitert, weil sie an der Passbeschaffung nicht mitgewirkt hat", so Müller-Krahtz. Mit anderen Worten: Die Familie soll damit die Abschiebung absichtlich hinausgezögert haben. Dieser Vorwurf ließe sich "nicht erhärten", befand jedoch das Verwaltungsgericht gestern. Runkel und Helmhold haben bereits das Innenministerium eingeschaltet, das den Fall jetzt neu aufrollen will. Laut Gerichtsbeschluss hat der Landkreis die Abschiebung bis zum 15. September 2007 auszusetzen.



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