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Mangelnde Kommunikation führt zu Krach zwischen Bürgern und Rat

Abkürzung für Berufsverkehr

Wiedensahl (jcp). Seit einigen Jahren schon ist die Verkehrsberuhigung der Straße "Hinter den Höfen" ein Dauerthema in Wiedensahl. Als die Bürger erfahren mussten, dass der Gemeinderat die Straße für den öffentlichen Verkehr widmen wollte, kochten in Wilhelm Buschs Geburtsort die Emotionen über.

veröffentlicht am 18.11.2008 um 00:00 Uhr

Ratsmitglied Adam (M.), Michael Schnabel (r.) und Hans-Heinrich

Im Herbst 2006 asphaltierte der Landkreis die Straße "Hinter den Höfen" in Wiedensahl neu. Nach den Ausbesserungsarbeiten waren die Schilder "Durchfahrt verboten - Anlieger frei", die dort bisher für ein zumindest überschaubares Verkehrsaufkommen gesorgt hatten, verschwunden. "Angeblich hatten die da schon immer unrechtmäßig gestanden", sagtder Wiedensahler Michael Schnabel. Jedenfalls: "Danach ging es richtig los." Vor allem für den Berufsverkehr hat sich die Straße "Hinter den Höfen" in den vergangenen Jahren zur beliebten Abkürzung entwickelt. Morgens und nachmittags befahren die enge, feldwegartige Straße Fahrer mit Kennzeichen Hannover, Minden und Nienburg. Fußgänger oder "Nordic Walker" wie Anette Deterding müssen besonders gut Acht geben. "Selbst an die 50 hält sich kaum jemand", klagt die Sportlerin. Und die seien ja eigentlich schon zu viel auf einer Straße, auf der in Wiedensahl traditionsgemäß Eltern ihren Kindern das Fahrradfahren beibrächten. In diesem Jahr nahmen dann Ereignisse ihren Lauf, die zuletzt zu einigen gehobenen Stimmen bei deröffentlichen Sitzung zum Thema Dorferneuerung im Gasthaus Ronnenberg führten. "Die Samtgemeinde hat sich bei uns gemeldet und gesagt, wir müssten ?Hinter den Höfen' als öffentliche Straße widmen", sagt Gemeinderatsmitglied Nathan Adam. Durch die Widmung wird eine Straße der Allgemeinheit zum Gebrauch übergeben, der zuständige öffentliche Träger muss seiner Pflicht zur Daseinsvorsorge nachkommen. Im Klartext: Für's Widmen gibt es Geld. Dieses mutmaßten einige Wiedensahler um Michael Schnabel als Hauptbeweggrund ihres Gemeinderates. Zusammen mit seinen Wiedensahler Nachbarn Hans-Heinrich Munk und Dirk Deterding sammelte Schnabel 108 Unterschriften von Bürgern, die gern ein Wörtchen bei der Widmung der Straße "Hinter den Höfen" mitzureden gehabt hätten. Als Schnabel das Thema bei der Sitzung zur Dorferneuerung ansprach, kam es schließlich zum Eklat. Es könne ihn jeder jederzeit fragen, was in der Gemeinderatssitzung Sache gewesen sei, gab Ratsmitglied Horst Peeck zu verstehen. Im Übrigen, befand er, gehöre das Thema überhaupt nicht in die Sitzung. "Genau da hat es hingehört", findet aber Michael Schnabel. "Bei den Wünschen, die die Wiedensahler zur Dorferneuerung abgegeben haben, taucht immer wieder die Verkehrsberuhigung auf. Teilweise wird ausdrücklich die Straße ?Hinter den Höfen' genannt." Nathan Adam verweist darauf, dass es in dem entsprechenden Ratsbeschluss ausdrücklich heißt, die Straße solle ohnehin nur unter bestimmten Bedingungen gewidmet werden, darunter die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer. Jetzt hat Bürgermeister Helmut Schaer einen Termin mit dem Landkreis ausgemacht, um die zukünftige Beschilderung der Straße "Hinter den Höfen" zu diskutieren. Die Wiedensahler, mit denen Michael Schnabel gesprochen hat, wünschen sich "Anlieger frei", "Landwirtschaftlicher Verkehr frei" und ein Verbotsschild für Motorräder und Pkw. Ob die Wiedensahler "Hinter den Höfen" bald wieder unabhängig von der Tageszeit gefahrlos als Teststrecke für Fahrradfahranfänger nutzen können, bleibt abzuwarten.



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